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Abstracts für RuF 3/1997

Thorsten Thorein: Liberalisierung und Re-Regulierung im Politikfeld Telekommunikation. Eine wissenszentrierte Policy-Analyse des bundesdeutschen Telekommunikationsgesetzes, S. 285-306
Die Telekommunikation ist Gegenstand einer weltweiten Transformation. Die Kernelemente des Wandels sind die Privatisierung der ehemals staatlichen Fernmeldeorganisationen, die Aufhebung ihrer traditionellen Monopolrechte und damit die Zulassung privatwirtschaftlicher Akteure zu diesem einst staatsnah organisierten Sektor. Gleichzeitig hat sich der Charakter der Telekommunikation grundsätzlich gewandelt - von einem Fernmeldewesen, über den staatlicherseits verteilungs- und industriepolitische Vorhaben vermittelt wurden, zu einem selbständigen Zweig der Ökonomie. Von der Politik werden die Veränderungen mit der Schaffung eines neuen sektorspezifischen Regulierungsmodells beantwortet und unterstützt. Dieser Prozess wird für die Bundesrepublik unter Zuhilfenahme von netzwerktheoretischen und insbesondere wissenszentrierten Methoden der Policy-Analyse untersucht.

Hans-Bernd Brosius / Beate Steger: Programmhinweise in Progammzeitschriften und Sehbeteiligung: Gibt es einen Zusammenhang? S. 307-323
Die rapide Vermehrung verfügbarer Programme hat die Menge, vor allem aber die Art der Fernsehnutzung verändert. Der Anteil beiläufiger Nutzung und der Anteil der Kanalwechsel hat sich erhöht, der Anteil gezielter, programmorientierter Nutzung ist zurückgegangen. Für die Zuschauer ist eine Orientierung innerhalb der Angebote notwendiger denn je. Entsprechend hat sich die Anzahl der Programmzeitschriften und ihre Gesamtauflage in den letzten Jahren deutlich erhöht. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, ob Programmzeitschriften den Zuschauerstrom durch die Aufmachung ihrer Ankündigungen beeinflussen können. Durch eine Inhaltsanalyse von fünf Programmzeitschriften wurde die Prominenz der Ankündigungen für Spielfilme und regelmäßig ausgestrahlte Programme ermittelt. Die Datenerhebung erstreckte sich über das gesamte Jahr 1995, insgesamt wurden 26 Sendetage analysiert. Die erhobenen Daten wurden mit den durch die GfK ermittelten Reichweiten der Sendungen verglichen. Mit Hilfe multipler Regressionen wurde der Einfluß von Drittvariablen ausgeschlossen. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen der Größe von Programmhinweisen in der Tagesübersicht und der Sehbeteiligung für Spielfilme. Die Film-Bewertungen in den Zeitschriften hatten dagegen keinen Einfluß auf die Anzahl der Zuschauer. Bei regelmäßig ausgestrahlten Sendungen ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Ergebnisse werden vor der Frage diskutiert, wie aktiv Fernsehzuschauer bei ihrer Programmauswahl sind.

Uwe Wolfradt/Lars-Eric Petersen: Dimensionen der Einstellung gegenüber Fernsehwerbung, S. 324-335
In der vorliegenden Studie wird der Zusammenhang zwischen einer neu entwickelten Skala zur Erfassung der generellen Einstellung gegenüber Fernsehwerbung und Verhaltensmaßen untersucht. Die Skala umfaßt die Einstellungsdimensionen 1) Werbeinhalt, 2) Funktion von Fernsehwerbung, 3) Folgen von Fernsehwerbung, 4) Störung durch Fernsehwerbung und 5) Suggestion der Fernsehwerbung. Ausprägungen auf diesen Dimensionen werden für Geschlechts- (männlich vs. weiblich) und Statusgruppen (Schüler vs. Studierende vs. Berufstätige) berechnet. Es zeigt sich z.B., daß Frauen höhere Werte auf den Dimensionen `Werbeinhalt' und `Folgen von Fernsehwerbung' als die Männer aufweisen, während die Männer auf der Dimension `Suggestion der Fernsehwerbung' höhere Werte zeigen. Zudem werden Zusammenhänge zwischen Einstellungen gegenüber Fernsehwerbung und Verhaltensmaßen (u.a. Fernsehhäufigkeit, Präferenzen für bestimmte Programmangebote) analysiert.

Oliver Zöllner: Organisationskommunikation in Streitkräften. Der britische Militärrundfunk BFBS als Medium der internen Public Relations, S. 336-350
Der Beitrag analysiert den britischen Militärrundfunk im Bezugsrahmen der Public-Relations-Theorie in Verbindung mit der funktional-strukturellen Systemtheorie. Der British Forces Broadcasting Service (BFBS) mit seinen beiden Hörfunkprogrammen und seinem Fernsehangebot wird - exemplarisch für die britischen Truppen in Deutschland - als Maßnahme der internen Organisationskommunikation der britischen Streitkräfte identifiziert und in deren Sozialsystem verortet. Der Akteur BFBS erbringt mit seinen Programmen Leistungen in den Teilsystemen "Publizistik", "Kultur" und "Symbole und Normen". Diese Leistungen reduzieren als interne PR Komplexität im Sozialsystem der Streitkräfte, indem sie systemisch "sinnvolle", integrative Inhalte anbieten, die Zusammenhalt und "Wir-Bewußtsein" der Militärangehörigen sowie die "Kampfmoral" fördern, also systemstabilisierend sind. Der Militärrundfunk paßt sich bruchlos in das Corporate Behaviour der Streitkräfte ein, indem er mit seinen Sendungen die asymmetrische, hierarchische Struktur dieser Organisation widerspiegelt. In dieser Form erscheint der BFBS als ein Mittler der Corporate Identity der britischen Streitkräfte und stellt als solcher eine Strategie zur Etablierung einer funktionalen sozialen Realität dar.

Michael Schaffrath: Sportberichterstattung im dualen Hörfunksystem, S. 351-373
Der Beitrag bietet eine Bestandsaufnahme der Sportberichterstattung öffentlich-rechtlicher und kommerzieller Radioanbieter in der Bundesrepublik Deutschland. Basierend auf einer repräsentativen Befragung aller Radioanbieter (Vollerhebung/n=257) und einer vierwelligen Inhaltsanalyse des Sportprogramms bei 55 Sendern werden Quantitäten wie Qualitäten der Sportfunkberichterstattung eruiert, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im dualen Radiosystem diskutiert. Nach der Identifizierung der im Vergleich zu anderen Genres eher marginalen Relevanz des Sports auf dem Programmtableau werden die Verfahren und Kriterien der Sportthemenselektion transparent gemacht, wobei neben der Sportart insbesondere die Nähe des Sportlers oder des Ereignisses zum Sendegebiet als die bedeutendsten Auswahlfaktoren nachgewiesen werden. Sende-, Beitrags- und Stilformen konturieren die formalen Darstellungsmuster des Hörfunksports. Auf der inhaltlichen Ebene werden eine Reihe Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen den Radioanbietern evident. Es wird erkennbar, daß auch im Sportfunk die Vielzahl der Anbieter nicht automatisch für eine Vielfalt im Angebot sorgt.

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