Als Teil der weltgrößten Journalismusstudie „Worlds of Journalism“ untersucht eine repräsentative Befragung das Berufsfeld und lotet die Belastungen aus, denen sich professionelle Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ausgesetzt sehen.
Die dritte Erhebungswelle der Studienreihe „Worlds of Journalism“ ist angelaufen. Ziel des internationalen Forschungsverbunds ist es, den Zustand und Wandel des Journalismus zu untersuchen und die gewonnenen Erkenntnisse vergleichend einzuordnen – sowohl über nationale und kulturelle Grenzen hinweg als auch im Zeitverlauf. Forschungsteams in mehr als 100 Ländern nehmen teil und führen auf Grundlage eines gemeinsam entwickelten Fragebogens repräsentative Befragungen von Journalistinnen und Journalisten in ihren Ländern durch. Unterstützt wird diese einzigartige weltumspannende Kooperation der Journalismusforschung unter anderem von der UNESCO, Reporter ohne Grenzen und der International Federation of Journalists. Die Studienreihe dient Akteuren in Medien, Forschung und Politik als wichtige Informationsquelle (vgl.
www.worldsofjournalism.org).
In Deutschland ist das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans Bredow-Institut (HBI) mit der Realisierung des Projekts betraut. Ab Herbst 2022 wird das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag des HBI und in enger Zusammenarbeit mit dem Projektteam eine repräsentative Befragung hauptberuflicher Journalistinnen und Journalisten durchführen. Selbstverständlich werden dabei alle Bestimmungen der EU-Datenschutzgrundverordnung eingehalten. Neben dem deutschen Länderreport fließen die Ergebnisse in Abstimmung mit den Projektteams in Österreich und der Schweiz in gemeinsame Analysen der DACH-Region sowie darüber hinaus in den globalen Vergleich ein.
Im Zentrum der Befragung steht der Umgang von Journalistinnen und Journalisten mit Risiken und Unsicherheiten in einer Medienwelt, die politisch, ökonomisch, technologisch und kulturell von stetigem Wandel geprägt ist. Dabei fokussieren wir auf sieben Schlüsselbereiche: redaktionelle Autonomie, wahrgenommene Einflüsse auf Journalismus, journalistische Rollen, journalistische Epistemologien, Berufsethik, Sicherheit von Journalist*innen und journalistische Arbeitsbedingungen. Daneben erheben wir erstmals seit 2014 wichtige Kennzahlen zum journalistischen Berufsfeld wie etwa die Entwicklung der Gesamtzahl hauptberuflicher Journalist*innen pro Land und die Geschlechterverteilung innerhalb des Berufsstandes.
Um den Ländervergleich zu ermöglichen, erfolgt die Befragung auf Grundlage eines einheitlichen methodischen Designs. Es umfasst einen gemeinsamen Fragebogen sowie Instruktionen zur Definition der Populationen, Stichprobenziehung, Durchführung der Datenerhebung sowie der Erfassung und Verarbeitung von Umfragedaten. Die Teilnehmenden werden dabei in einer zweistufigen geschichteten Zufallsstichprobe ermittelt: Die erste Ziehung erfolgt auf Ebene der redaktionellen Einheiten aus den jeweiligen Mediensegmenten, die zweite auf Personenebene aus den gezogenen Einheiten. Gezogene Personen werden vom Befragungsinstitut kontaktiert.
Zusätzlich zu der repräsentativen Befragung werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz im weiteren Projektverlauf im Jahr 2023 verschiedene Gruppen so genannter „peripherer Akteure“ befragt, die eher am Rande des etablierten Journalismus agieren.
Photo by
Markus Spiske on
Unsplash
Projektbeschreibung
Das Projekt widmet sich Risiken und Unsicherheiten, mit denen sich Journalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weltweit konfrontiert sehen. Ziel der Studie ist ein besseres Verständnis davon, wie Journalisten in unterschiedlichen politischen, sozio-ökonomischen und kulturellen Kontexten jeweils Risiken und Unsicherheiten wahrnehmen, welche Copingstrategien sie entwickeln und wie sie sich anpassen. Hierfür werden die Befunde aus den drei deutschsprachigen Ländern sowie aus einem breiten Spektrum von Ländern aus der ganzen Welt verglichen und Entwicklungen im Zeitverlauf analysiert. Damit setzt das Projekt die Worlds of Journalism Study fort, die eine Zustandsbeschreibung des Journalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weltweit leisten will.
Konzeptionell verstehen wir Risiken und Unsicherheiten im Journalismus als eine komplexe und dynamische Beziehung zwischen Bereichen von Risiken (areas of threats), Formen von Risiken (manifestations of risk) und Wahrnehmung von Risiken durch Journalisten (areas of uncertainty). Dabei behandeln wir Risiken im Hinblick auf vier Kontexte: Politik, Wirtschaft, Technologie und Kultur. Die Entwicklungen in diesen Kontexten gehen für Journalist*innen, Medienorganisationen und den Journalismus insgesamt mit erheblichen Risiken und Unsicherheiten einher. Mit Blick auf die Wahrnehmung von Risiken durch Journalist*innen fokussieren wir auf sieben Schlüsselbereiche: redaktionelle Autonomie, wahrgenommene Einflüsse auf Journalismus, journalistische Rollen, journalistische Epistemologien, Berufsethik, Sicherheit von Journalist*innen und journalistische Arbeitsbedingungen.
Das Projekt besteht aus zwei Komponenten: (1) ein regionaler Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz und (2) ein global vergleichender Fokus. Auf regionaler Ebene zielt die Studie darauf ab, die Wahrnehmung von Risiken durch Journalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erheben. Auf der komparativen Ebene geht es um eine globale Zustandsbeschreibung von Journalismus, um die Analyse von Veränderungen im Zeitverlauf sowie um die Unterschiede zwischen verschiedenen kulturellen Kontexten weltweit.