Über das “Kampagne 2.0″-Blog sind wir darauf aufmerksam geworden: Unter dem Titel “Völlig losgelöst? Jugend - Medien - Kultur” hat die Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg Abstracts von Forumsbeiträgen ihrer Jahrestagung 2007 veröffentlicht. In einem der Foren, “An- oder ausgeschlossen? Vernetzung als Lebensprinzip” thematisierte Benjamin Jörrisen “Jugend und Web 2.0. Neue Partizipationskulturen und der participatory divide”.
Nach einer kurzen Darstellung der Entwicklung von Kommunikationsanwendungen im Internet und der Gegenüberstellung von prizipieller Interaktivität des Web 1.0 und der Möglichkeit im Web 2.0 (durch gesunkene Anforderungen an die technische Kompetenz der Nutzer) aktiv zu partizipieren, wendet sich Jörrisen dem “participatory divide” zu. Dabei unterscheidet er zwischen dem ‘Produser’ und dem ‘Nichtpartizipierenden’ bzw. “die/den nicht aktiv partizipierende/n, das Web 2.0 nur rezeptiv nutzenden User”. Nach Jörrisen ist diese Unterscheidung eng an den Bildungshintergrund der Jugendlichen gebunden, wobei Schüler/innen mit formal höherer Bildungen Web 2.0-Anwendungen aktiver nutzen.
Im qualitativen Teil unserer Studien finden sich in den Gruppendiskussionen und Einzelinterviews ebenfalls Tendenzen zum “participatory divide”. Neben einer sehr geringen Anzahl von Jugendlichen, die umfassend mit Web 2.0-Anwedungen vertraut sind (z.B. Begriffe wie “Podcast”, “Blog” und “Taggen” kennen und etwas damit verbinden) und darüber hinaus selbst Inhalte produziert und im Internet veröffentlicht haben, gibt es eine große Anzahl Jugendlicher, die das Web 2.0 in geringem Umfang nutzen und z.B. ein Profil auf einer/ mehreren Social Networking Sites haben. “Nichtpartizipierende” gibt es dagegen nur ganz selten, weil dazu vermutlich der Einfluss der Peers zu hoch ist.
Allerdings scheint der Bildungshintergrund nicht mit dem Aktivitätsgrad per se, wohl aber mit der Auswahl der Anwendungen verbunden zu sein, bei denen sich die jugendlichen Nutzer beteiligen. So haben Jugendliche mit niedrigerer formaler Bildung eher schon einmal ein Video bei Youtube eingestellt, während Gymnasiasten eher Tendenzen zu Blogs und Wikipedia zeigen. Eigene (Cliquen-)Homepages und Social Networking Sites waren durchgehend sehr beliebt.
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