Henry Jenkins vom MIT gehört zu den Vordenkern der Veränderungen, die die digitale Medien für unsere Gesellschaft mit sich bringen. Er spricht eher selten vom “Web 2.0″, sondern benutzt den weiter gefassten Begriff “Participatory Culture”, der den Fokus weniger auf technische Aspekte, sondern stärker auf gesellschaftliche Vorstellungen, Praktiken und ihre Konsequenzen legt. Eine seiner Aktivitäten in diesem Zusammenhang ist das Projekt “New Media Literacies“, das von der MacArthur Foundation gefördert wird. Zu dem Projekt wird begleitend auch das Weblog “Spotlight” geführt, das zahlreiche Studienergebnisse und Diskussionsbeiträge zum Thema “Jugendliche und digitale Medien” vorstellt.

Bereits im Herbst 2006 hat Jenkins zusammen mit Kollegen ein Thesenpapier verfasst, das sich mit den veränderten Bedingungen für Erziehung und Ausbildung befasst: “Confronting the Challenges of Participatory Culture: Media Education for the 21st Century“. Die Autoren argumentieren darin, dass zahlreiche Kompetenzen, um sich in den veränderten Medien-, Arbeits- und Kulturräumen selbstbestimmt und aktiv bewegen zu können, während der Nutzung von Social Network Sites, Weblogs, Videoportalen, Wikis, o.ä. gelernt werden. Dennoch zeichnen sich einige Probleme ab, die Bedarf für eine “Medienbildung” (im weiten Sinn) erzeugen:

  1. Ungleiche Partizipationsmöglichkeiten betreffen nicht nur den Zugang zur Technologie, sondern auch zu grundlegenden Kompetenzen und Wissen.
  2. Fehlende Transparenz der Mechanismen, wie (digitale) Medien unsere Wahrnehmung der Welt beeinflussen.
  3. Ethische Probleme, die aus den verschwimmenden Grenzen zwischen Produzieren und Rezipieren, zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit resultieren.

Den Großteil des Textes macht eine Diskussion von insgesamt elf Fähigkeiten bzw. Kompetenzen aus, die in Schulen und Weiterbildungseinrichtungen vermittelt werden sollten:

  • Play — the capacity to experiment with one’s surroundings as a form of problem-solving
  • Performance — the ability to adopt alternative identities for the purpose of improvisation and discovery
  • Simulation — the ability to interpret and construct dynamic models of real-world processes
  • Appropriation — the ability to meaningfully sample and remix media content
  • Multitasking — the ability to scan one’s environment and shift focus as needed to salient details.
  • Distributed Cognition — the ability to interact meaningfully with tools that expand mental capacities
  • Collective Intelligence — the ability to pool knowledge and compare notes with others toward a common goal
  • Judgment — the ability to evaluate the reliability and credibility of different information sources
  • Transmedia Navigation — the ability to follow the flow of stories and information across multiple modalities
  • Networking — the ability to search for, synthesize, and disseminate information
  • Negotiation — the ability to travel across diverse communities, discerning and respecting multiple perspectives, and grasping and following alternative norms.

In unserem Projekt nähern wir uns den nötigen Medienkompetenzen derzeit über die Unterscheidung der drei Handlungskomponenten Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement. Wir werden uns die Klassifikation aus dem Paper von Jenkins et al. noch einmal näher ansehen, inwieweit sie sich mit unserem analytischen Modell decken und wo gegebenenfalls Unterschiede liegen.