Abstracts für das Themenheft "Gesundheit in den Medien" M&K 3-4/2003
Joan Bleicher / Claudia Lampert: Gesundheit und Krankheit als Themen der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Eine Einleitung
Die Einleitung der beiden Herausgeberinnen des Themenheftes stellt die wachsende Bedeutung des Themas Gesundheit vor und gibt einen Überblick zum derzeitigen Stand der Forschung in den USA und Deutschland. Der Struktur des Themenheftes folgend stehen daran anschließend zunächst das Angebotsspektrum von Gesundheitskommunikation, seine thematischen und ästhetischen Dimensionen im Mittelpunkt. Gegenstand des zweiten Teils ist der Aspekt intendierter und nichtintendierter Wirkung von Gesundheitskommunikation. Aktuelle Veränderungen der Gesundheitskommunikationen im Medienwandel bilden den Abschluss.
Keywords: Gesundheitskommunikation, Health Communication, Gesundheit, Krankheit
Gary L. Kreps: Trends and Directions in Health Communication Research
Der Beitrag gibt einen Überblick über zentrale Forschungsfelder im Bereich "Health Communication". "Health Communication" stellt einen spannenden Bereich anwendungsbezogener sozialwissenschaftlicher Forschung dar, der die wichtige Rolle menschlicher und medienvermittelter Kommunikation in der Gesundheitsversorgung und -förderung untersucht. Der Autor stellt die Entstehung und Entwicklung der "Health Communication"-Forschung dar und macht Vorschläge dazu, wie die Wissenschaft von der "Health Communication" weltweit gefördert werden könnte.
Keywords: health communication; Gesundheitskommunikation; Gesundheitsinformation; Kommunikationswissenschaft; intrapersonale, interpersonale, soziale, gruppen- und organisationsspezifische Kommunikationsanalyse, Gesundheitsinformatik, zielgruppenspezifische Maßnahmen, Gesundheitskampagnen
Joan Kristin Bleicher: Darstellungsformen von Medizingeschichte im Fernsehen
Im Zentrum dieses Beitrags steht eine Untersuchung der inhaltlichen und formalen Darstellungscharakteristika der Thematisierung von Medizingeschichte in unterschiedlichen fiktionalen und nonfiktionalen Sendeformen des Fernsehens. Der Text berücksichtigt dabei allgemeine Vermittlungskonventionen des Fernsehens, den Einfluss von Senderstrategien auf die vermittelten Inhalte und Wechselwirkungen zu Traditionslinien der Geschichtsvermittlung anderer populärer Erzählweisen aus den Bereichen Literatur und Film. Literatur und Film stellen Rollenmuster des Arztes bereit, die der Personalisierung medizinhistorischer Themen im Fernsehen dienen. Der Überblick zum Genrespektrum und den Darstellungskonventionen von Medizingeschichte zeigt grundlegende Themen, Dramaturgien und Darstellungsmittel, die die Darstellung von Medizin in den Medien bestimmen.
Keywords: Mediengeschichte, Gesundheitskommunikation, Fernsehästhetik, fiktionale Genre, Dokumentation
Christian Floto: TV-Medizinsendungen und Medizingeschichte - ein Dosis- und Darreichungsproblem auf dem deutschen Fernsehmarkt?
Der Beitrag wendet sich den Fragen zu, inwieweit im deutschen TV-Programmangebot medizingeschichtliche Aspekte überhaupt thematisiert werden, inwiefern dieses im Zusammenhang mit Medizin bezogenen bzw. auch anderen Sendungen erfolgt, und in welchen Programmformen dieses geschieht. Dabei zeigt ein Vergleich der angloamerikanischen Programmofferten mit den hiesigen TV-Spielplänen, dass dort eine bemerkenswerte Opulenz und Angebotsdifferenzierung zu Wissenschaftsthemen vorliegen, die hier ihresgleichen suchen. Zudem dominiert im deutschen Fernsehangebot in der Darstellung von Medizinthemen die Magazinform, während beispielsweise auf dem angloamerikanischen TV-Markt viele dieser topoi - eben auch medizinhistorische - in "Langform" als Dokumentationen realisiert, gesendet und vertrieben werden. Als Gründe für diese Unterschiedlichkeit werden u. a. Programmtraditionen, "gelernte Rezeption", unterschiedliche Wertschätzung von Dokumentationen, programmplanerische Aspekte und Kostengesichtspunkte angeführt. Zudem wird auf produzentenseitige Defizite in Wechselbeziehung mit tradierter Vernachlässigung bzw. Verkürzung medizinhistorischer Zusammenhänge verwiesen. Allerdings ist prognostisch aufgrund von Contentbedarf für Sendeplätze, Output- bzw. Ankaufpakete-Deals und unabhängigen Lizenzinhabern bei privaten Sendeveranstaltern mit einer internationalen Relativierung der bisher beobachtbaren Unterschiede zu rechnen.
Keywords: Medizingeschichte, Wissenschaftsthemen im Fernsehen, Wissenschaftsmagazine, Wissenschaftsdokumentationen, Programmplanung
Anthony Ferri: Communicating Heart Disease: Myth and Magic
Mediale Darstellungen und die dadurch konstruierten Mythen über Herzkrankheiten führen zu einer Dramatisierung der Medizin jenseits ihres grundsätzlichen Kontextes und ihrer Grundlagen. Der vorliegende Beitrag untersucht die Rolle von Mythen in der medienbezogenen Darstellung von Herzkrankheiten. Außer der simplen Verbreitung ungenauer Informationen oder Mythen über Herzkrankheiten können Medien - unbewusst - dazu beitragen, Herzkrankheiten durch die dramatische Darstellung zu fördern. Die Analyse stellt dar, wie Mythen in der US-Amerikanischen Kultur erlebt werden, welche Funktionen und Auswirkungen sie haben. Es wird gezeigt, dass die mediale Darstellung von Herzkrankheiten eher dem Mythos denn der Wissenschaft folgt, was wiederum zu Fehlinformationen über die Krankheit auf Seiten der Rezipienten führt.
Keywords: Gesundheitskommunikation, Herzkrankheiten, Medien, Mythen, Erzählforschung
Eva Baumann / Lars Harden / Helmut Scherer: Zwischen Promi-Tick und Gen-Defekt. Zur Darstellung von Essstörungen in der Presse
Hinter dem Phänomen Essstörungen verbergen sich psychosomatische (Sucht-)Erkrankungen, die zu einem drängendem Problem unserer Gesellschaft geworden sind. Zum einen sind viele Menschen direkt oder indirekt betroffen, zum anderen ist die Krankheit nicht nur auf individuelle, sondern ebenso auf soziale Ursachen zurückzuführen und mit entsprechenden Folgen verbunden. Daraus erwächst die Notwendigkeit, das Problem auch auf gesellschaftlicher Ebene zu behandeln. Um dies zu ermöglichen, bedarf es eines öffentlichen Diskurses, der nicht zuletzt über die Darstellung der Krankheit in den Medien stattfindet. Der Beitrag gibt auf Basis einer explorativen quantitativen Inhaltsanalyse Aufschluss darüber, welche Thematisierungsleistung die Medien hinsichtlich der Essstörungsproblematik erbringen. Aus den Ergebnissen einer Vollerhebung von sechzehn Pressetiteln unterschiedlicher Gattungen des Jahres 2000 geht hervor, welcher Stellenwert der Krankheit in den Medien zukommt, anhand welcher Frames und über welche Akteure das Phänomen wie beschrieben wird. Auf der einen Seite behandeln viele Artikel das Thema nur beiläufig und unspezifisch. Auf der anderen Seite lassen sich aber auch typische Berichterstattungsmuster identifizieren, die von einem differenzierten Umgang mit der Krankheit zeugen. In diesen Fällen kommt die Berichterstattung entweder dem in der psychologischen Fachliteratur gezeichneten Bild nahe, oder das Phänomen wird aus einer sozialkritischen Perspektive interpretiert oder es wird auf ein ernährungswissenschaftliches Problem verkürzt.
Keywords: Essstörungen, Thematisierungsfunktion, explorative Inhaltsanalyse, Gesundheitskommunikation, Media Framing
Zum Selbstverständnis von Medizinjournalisten - ein Interview mit Christoph Fischer (BILD)
Das Interview mit dem Mediziner und Bild-Redakteur zeigt aus der Perspektive des Praktikers, welchen Nachrichtenwert Gesundheitsthemen in den Printmedien besitzen und mit welchen Zielsetzungen sie in einer Boulevardzeitschrift platziert werden. Grundkriterien der Themenauswahl sind dabei Attraktivität und Exklusivität, die durch boulevardspezifische Elemente, wie die Verknüpfung von Nachricht und Lebenshilfe, ergänzt werden. Ferner müssen Themen personalisiert werden, um eine besondere Wirkung zu erreichen. Krankheiten und Heilungsmethoden interessieren vor allem dann, wenn sie an prominente Namen geknüpft sind.
Keywords: Wissenschaftsjournalismus, Medizinjournalismus, journalistisches Selbstverständnis, Nachrichtenauswahl, Boulevardjournalismus
Claudia Lampert: Gesundheitsförderung durch Unterhaltung? Zum Potenzial des Entertainment-Education-Ansatzes für die Förderung des Gesundheitsbewusstseins
In den USA werden seit Ende der 60er Jahre unter dem Stichwort "Entertainment-Education" (EE) verschiedene Bemühungen unternommen, prosoziale und gesundheitsfördernde Themen gezielt in mediale Unterhaltungsangebote zu integrieren. Auf der Grundlage dieses Ansatzes wurden vor allem für Entwicklungsländer zahlreiche Radio- und Fernseh-Soap Operas produziert. Der Beitrag befasst sich auf der Grundlage internationaler Studien mit der Frage, inwieweit dieser Ansatz zur Gesundheitsförderung betragen kann. Vorliegende Evaluationsstudien bescheinigen den Entertainment-Education-Projekten fast einhellig ein gesundheitsförderndes Potenzial. Die Stärken des Ansatzes liegen den Studien zufolge zum einen in der Sensibilisierung der Rezipienten für bestimmte Gesundheitsthemen und zum anderen in der Förderung interpersonaler (Peer-)Kommunikation über gesundheitsrelevante Themen. In vielen Fällen führten die Sendungen darüber hinaus zu einer kritischen Reflektion eigener Ansichten und Einstellungen und motivierten zu Verhaltensänderungen auf individueller und sozialer Ebene. Da der Ansatz überwiegend in Ländern der so genannten Dritten Welt erprobt wurde, ist das Konzept jedoch nur bedingt auf westliche Industrieländer und deren Medienumgebungen übertragbar.
Keywords: Entertainment-Education, Gesundheitsbewusstsein, Gesundheitskampagnen, Gesundheitsförderung, Gesundheitskommunikation
Christoph Gassmann / Peter Vorderer / Werner Wirth: Ein Herz für die Schwarzwaldklinik? Zur Persuasionswirkung fiktionaler Fernsehunterhaltung am Beispiel der Organspende-Bereitschaft
Derzeit warten in Deutschland über 10.000 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan, während gleichzeitig 85 Prozent der nicht-realisierten Organentnahmen nicht aus medizinischen Gründen scheiterten, sondern an der Verweigerung der Organentnahme. Eine Zahl internationaler Studien in der Tradition kommunikationswissenschaftlicher und psychologischer Persuasionsforschung hat in der Vergangenheit die Effektivität von massenmedial verbreiteten Kampagnen in Form von Sachtexten bzw. -filmen auf die Organspende-Bereitschaft analysiert. Bisher ungeklärt ist, ob es auch mittels fiktionaler Unterhaltung - des Angebots mit der intensivsten Nutzung - gelingt, die Organspende-Bereitschaft der Rezipienten positiv zu beeinflussen. Ein Pretest-Posttest-Experiment mit Kontrollgruppe (N = 67) untersucht diese Frage. Die Ergebnisse belegen das Potenzial fiktionaler Fernsehunterhaltung, persuasive Wirkungen zu erzielen. Nach Rezeption eines Ausschnitts der ZDF-Serie "Die Schwarzwaldklinik", der eine positive Haltung zur Organspende nahe legt, entsprechen Einstellungen und Handlungsbereitschaft der Rezipienten dieser Sichtweise signifikant stärker als davor.
Keywords: Persuasion, fiktionale Fernsehunterhaltung, Einstellung, Handlungsbereitschaft, Informiertheit, prosoziale Effekte, Elaboration-Likelihood-Model, Affective-Disposition-Theory, Empathie, Involvement
Constanze Rossmann: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Patienten. Eine Studie zur Darstellung von Ärzten in Krankenhausserien und ihrem Einfluss auf das Arztbild von Patienten
Arzt- und Krankenhausserien kann man im deutschen Fernsehen seit den sechziger Jahren finden, doch einen deutlichen Boom erfuhren sie erst ausgangs des letzten Jahrtausends. Aktuelle Inhaltsanalysen der Serien kommen zu widersprüchlichen Erkenntnissen (Wunderheiler versus Problematisierung), deutsche Wirkungsstudien fehlen ganz, obwohl die Frage nach ihrem Einfluss vor dem Hintergrund zunehmender finanzieller und personeller Defizite im Gesundheitswesen an Relevanz gewinnt. Die vorliegende Kultivierungsstudie geht daher im ersten Schritt der Frage nach der Darstellung von Ärzten in Krankenhausserien erneut nach, um im zweiten Schritt den Einfluss der Serien auf das Arztbild beim Patienten zu untersuchen. Die quantitative Inhaltsanalyse von jeweils vier Episoden von acht Krankenhausserien zeigt, dass die Mediziner nach wie vor stereotypisiert und idealisiert werden, was sich, so die Befunde der zweiwelligen Panelbefragung von 157 Krankenhauspatienten, auch in einer positiveren Wahrnehmung der Ärzte beim Patienten niederschlägt: Vielseher von Krankenhausserien beurteilen Ärzte also positiver als Wenigseher, die eigene Erfahrung im Krankenhaus schwächt die Kultivierungseffekte jedoch wieder ab.
Keywords: Arztbild, Arztserien, genrespezifische Kultivierung, Kultivierung, Krankenhausserien
Stephanie Lücke / Patrick Rössler / Corinna Willhöft: Appetitlich verpackt, aber schwer zu verdauen? Darstellung und Wirkung von Ernährung in Massenmedien: ein Forschungsüberblick
Im aufstrebenden Feld der Gesundheitskommunikation blieb ein Teilbereich bislang weitgehend unbeachtet: Der Einfluss des Medienkonsums auf das Ernährungsverhalten der Bevölkerung. Botschaften zu Ernährungsthemen sind in den Massenmedien jedoch allgegenwärtig - in der Werbung, in Kochsendungen, Skandalberichterstattung und in Spielfilmen. Die geringe Beachtung dieses Forschungsthemas scheint umso erstaunlicher angesichts der großen Bedeutung einer ausgewogenen Ernährungsweise für die Gesundheit des Einzelnen, denn ca. 30 Prozent der Kosten im Gesundheitswesen entfallen auf ernährungsabhängige Krankheiten. Der vorliegende Beitrag sichtet und systematisiert die Befunde deutschsprachiger und internationaler Forschungsarbeiten zu Printmedien und Fernsehen anhand der verschiedenen Kontexte, innerhalb derer Ernährung thematisiert werden kann. Diese sind (1) journalistische Berichterstattung, (2) Ratgeberformate, (3) nonfiktionale Unterhaltung, (4) fiktionale Unterhaltung und (5) Werbung. Gattungsübergreifende Studien (6) bilden den Abschluss der Literaturübersicht. Im zweiten Teil werden die aus den bisherigen Arbeiten erkennbaren Forschungsdesiderate aufgezeigt und kurz ein laufendes Forschungsprojekt skizziert, das erste Lücken zu schließen versucht.
Keywords: Ernährung in Massenmedien, Ernährungsverhalten, Essstörungen, Gesundheitskommunikation, Health Communication, Medienwirkungen
Christian Schemer: Schlank und krank durch Medienschönheiten? Zur Wirkung attraktiver weiblicher Medienakteure auf das Körperbild von Frauen
In den USA und in Europa haben im Zeitverlauf die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und psychogene Ess-Störungen bei Frauen zugenommen. Gleichzeitig ist das Frauenbild in den Medien zunehmend schlanker geworden. Es liegt daher nahe, die Zunahme der Körperbildstörungen bei Frauen auf die Allgegenwart schlanker und attraktiver Frauen in den Medien zurück zu führen. Eine solche Annahme geht davon aus, dass Zuschauerinnen oder Leserinnen Medieninhalte passiv aufnehmen und sich an den dort präsentierten Idealen orientieren. Diese populäre Wirkungshypothese lässt sich jedoch vor dem Hintergrund der bisherigen Forschungsergebnisse zur Wirkung attraktiver Mediendarstellerinnen auf das Körperbild von Frauen nicht aufrecht erhalten. Insbesondere auf der Grundlage der sozialen Lerntheorie und der Theorie sozialer Vergleichsprozesse kann belegt werden, dass der Wirkungsprozess von Persönlichkeitseigenschaften der Rezipientinnen beeinflusst wird, die sie für negative Medienwirkungen prädisponieren oder davor schützen können.
Keywords: Körperliche Attraktivität, Medienwirkung, Theorie sozialer Vergleichsprozesse, Körperbild
Linda Neuhauser / Gary L. Kreps: The Advent of E-Health. How Interactive Media Are Transforming Health Communication
Die Weltgesundheitsproganisation schätzt, dass die Hälfte der Krankheiten und Behinderungen in den industrialisierten Ländern auf Risikofaktoren, wie das Rauchen, wenig Bewegung und die Ernährung zurückzuführen ist. Maßnahmen der Gesundheitskommunikation haben gezeigt, dass sie großen Einfluss auf Gesundheitsverhaltensweisen haben können. Um den Erfolg dieser Maßnahmen jedoch auf breiter Bevölkerungsbasis zu erhöhen, müssen interpersonale und durch Massenmedien übertragene Kommunikationsstrategien verbunden werden. E-Health-Kommunikation über Computer und andere digitale Technologien könnte die traditionellen und neuen Medien verbinden, födern und "personalisieren". In Experimentalstudien haben E-Health-Maßnahmen unter Einbezug verschiedener Medien ergeben, dass sich das Verhalten deutlich verbesserte. Der Langzeiterfolg solcher Multimedia-Gesundheitskommunikationsmaßnahmen wird weitere Anstrengungen zur Zusammenarbeit, spürbare Forschung und die Entwicklung neuer und machtvoller Kommunikationsstragien erfordern. Dieser Beitrag beschreibt die Entwidklung der E-Health-Kommunikation, bietet erste empirische Beweise für deren Wirksamkeit auf das Verhalten und empfiehlt Strategien, mit Hilfe derer E-Health-Maßnahmen in der nationalen and internationalen Gesundheitsförderung angewandt werden können.
Keywords: E-Health, Gesundheitskommunikation, Online-Gesundheitskommunikation, Internet Gesundheitskommunikation, Gesundheitsinformatik, Gesundheitsverhalten, Gesundheitsmaßnahmen, Gesundheitsmedien
Irene Neverla / Georg Fiedler: Suizidforen im Internet. Überblick zum Forschungsstand und weiter führende Perspektiven
Im Internet finden sich Websites, Newsgroups, Mailinglisten, Foren und Chatrooms, die sich mit dem Suizid befassen. Dabei kann es sich um Sachinformationen professioneller Suizidpräventionseinrichtungen handeln oder um den Gedankenaustausch zwischen suizidgefährdeten Menschen, aber auch um drastische Beschreibungen von Suizidmethoden. Der Beitrag befasst sich zunächst mit Suizid als sozialem Phänomen und Thema in verschiedenen Kommunikationsformen, um sich dann auf "Suizidforen" in Newgroups, Mailinglisten, Foren und Chatgroups zu konzentrieren. Vorgestellt werden empirische Befunde über Angebotsformen und Nutzungsweisen von Suizidforen. Auf theoretischer Ebene wird vorgeschlagen, Suizidforen als soziale Räume mit Öffentlichkeitscharakter zu betrachten. Suizidforen erfüllen Funktionen der Konstruktion von Identität, sozialen Beziehungen und virtuellen Gemeinschaften in einem netzspezifischen Kommunikationsrahmen. Die empirische und theoretische Bestandsaufnahme führt zur Forschungsthese, das Internet biete ein spezifisches Potenzial für akut oder chronisch suizidgefährdete Menschen. Es wird eine Form der selbst kontrollierten und geschützten Kommunikation möglich, in die die Nutzer ansonsten tabuisierte Gedanken jederzeit und anonym einbringen, aus der sie sich aber auch jederzeit wieder zurückziehen können. Wie jede reale soziale Beziehung birgt auch die Kommunikation im Internet Risiken ebenso wie spezifische sozio-emotionale Gratifikationen und damit Chancen für Suizidgefährdete.
Keywords: Chatrooms, Internet, Newsgroups, Suizid, Suizidforen, Suizidprävention
Sibylle T. Kim / Scott C. Ratzan: Direct-to-Consumer Communication. An Analysis of the Current Environment in the USA and Europe
Die direkt an den Kunden gerichtete Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente, das so genannte "Direct-To-Consumer-Advertising" (DTCA), das derzeit nur in den USA und Neuseeland erlaubt ist, gilt als kontrovers diskutiertes Thema. Fürsprecher halten es für eine nützliche Form der Patientenkommunikation, die die Rolle des Patienten stärkt und diesen mehr Wissen verschafft. Sie behaupten, dass eine früher gestellte Diagnose, Behandlung und eine bessere Einhaltung der Medikamenteneinnahme lanfristig zu einer besseren Gesundheit führe und die Krankenhauskosten senke. Gegner befürchten jedoch, dass DTCA den unangemessenen und unnötigen Bedarf und Gebrauch von verschreibunspflichtigen Markenmedikamenten födern, negative Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung haben und zu erhöten Ausgaben für Medikamente führen imd damit Gelder für die Forschung und Entwicklung mindern werde. Seit die United States Food and Drug Administration 1997 entschied, die Auflagen für die direkt an Patienten gerichtete Werbung verschreibungspflichtiger Medikamente in Massenmedien zu lockern, haben die Pharmafirmen ihre jährlichen Ausgaben für DTCA von US $ 790 Mio. 1996 auf fast $ 2,5 Mrd. 2001 verdreifacht. Kürzlich hat das Europäische Parlament - im Zuge der Neuordnung der pharmazeutischen Gesetzgebung - den Vorschlag zur Lockerung des geltenden DTCA-Verbots in Europa zurückgewiesen. Die derzeitge Debatte dreht sich darum, wie die Patienten am besten Informationen über verschreibungspflichte Medikamente erhalten können, ohne die bereits engen Budgets der Krankenkassen in den Ländern mit gesetzlicher Krankenversicherung zusätzlich zu belasten.
Keywords: Arzt-Patienten-Beziehung, Direct-to-Consumer-Werbung, Arzneimittelbudget, öffentliche Gesundheitsvorsorge, Gesundheitswesen, Patienteninformation, Pharma-Gesetzgebung
Nina Hautzinger: Der informierte Patient - Herausforderung für die Pharmakommunikation
Das Internet spielt in der Gesundheitskommunikation eine zunehmend wichtige Rolle. Vielfältige Akteure publizieren Angebote zu Gesundheitsthemen im Internet. Es ist eine neuartige Informations- und Kommunikationsstruktur zu Gesundheitsthemen entstanden, die von Rezipienten zielgerichtet genutzt wird. Dies hat Auswirkungen auf die Patientenrolle, die im Wandel begriffen ist - weg vom passiven Laien, hin zum mündigen, informierten Patienten. Andere Akteure des Gesundheitswesens sind von diesen Entwicklungen betroffen, so auch die Pharmaunternehmen. Traditionell läuft die Pharmakommunikation über medizinische Experten als Intermediäre. Seit einiger Zeit sind auch die Patienten als wichtige direkte Zielgruppe hinzugetreten. Aktuelle empirische Ergebnisse einer Schweizer Studie zeigen, dass Pharmaunternehmen zwar den Wandel der Patientenrolle nachvollzogen haben, dass eine patientenorientierte Kommunikationsstrategie jedoch nur bedingt umgesetzt wird.
Keywords: Gesundheitskommunikation, Internet, Pharmakommunikation, Unternehmenskommunikation, informierter Patient