Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie"

Auf dem Internationalen Hamburger Mediendialog am 8. Juni 2009 haben Vertreter der Medienwirtschaft die Bedeutung eines fairen, an die Bedingungen der Netzökonomie angepassten Urheberrechts betont. Fortschritte in diesem Bereich sind nicht allein von politischer Durchsetzung abhängig, sie setzen konzeptionelle Überlegungen voraus, und zwar in vielen Bereichen von recht grundsätzlicher Natur.

Wiederholte gesetzgeberische Anpassungen des Urheberechts an neue technische und wirtschaftliche Bedingungen und Gerichtsverfahren, die Geschäftsmodelle wie das der Musikwirtschaft, die Bildersuche im Internet oder den Umgang mit vormals unbekannten Arten der Nutzung solcher Inhalte zum Gegenstand haben, verweisen immer häufiger auf die Grenzen der traditionellen rechtlichen Konstruktionen. Sie haben Anlass geboten - jenseits der notwendigen konkreten Diskussion um neue „Körbe“ der Urheberrechtsreform -, über das Konzept „geistiges Eigentum“ an sich nachzudenken. Passt die Vorstellung aus der Zeit Goethes, dass sich ein Teil der Persönlichkeit eines Künstlers im Werk verkörpert und ihm daher das Werk gehört, noch zu den Bedingungen der Netzökonomie? Können nicht vielmehr die Potenziale der Kreativwirtschaft und der Gesellschaft insgesamt besser ausgeschöpft werden, wenn wir uns bei dem rechtlichen Rahmen konsequent an dem Ziel ausrichten, Anreize für Kreativität zu liefern? Muss ein modernes Urheberrecht möglicherweise nicht aus der Perspektive der Urheber, sondern auch der Verwerter und Nutzer konstruiert werden? Wie kann Leistung vor Ausbeutung geschützt werden?

Ziel des Projektes war es, Optionen zu erarbeiten und zu bewerten, die der Politik – auf Ebenen das Landes, des Bundes und der EU – helfen, diese grundlegenden Fragen zu beantworten. Zu diesem Zweck wurde in einer wissenschaftlichen Innovationswerkstatt der Frage nachgegangen, wie das Urheberrecht fortentwickelt werden kann, um die Potenziale der Kreativwirtschaft und der Gesellschaft besser ausschöpfen zu können. Ziel war es einerseits, gemeinsam mit der Medienwirtschaft Optionen zu erarbeiten und zu bewerten, die der Politik helfen können, diese Frage zu beantworten, und andererseits den Bereich des Urheberrechts stärker in Forschung und Lehre in Hamburg zu verankern. Als Themen wurden das von Verlagen eingeforderte neue Leistungsschutzrecht und die Rechtsdurchsetzung im Internet gewählt.

Mit der Innovationswerkstatt hat das Institut eine neue Form problemlösungsorientierter wissenschaftlicher Arbeit ausprobiert; sie wurde vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg organisiert und von der Behörde für Kultur, Sport und Medien unterstützt.

Mitwirkende

  • Prof. Dr. Michel Clement, Universität Hamburg
  • Dr. Christian Heinze, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht
  • Prof. Dr. Thomas Hengartner, Universität Hamburg
  • Prof. Dr. Gabriele Klein, Universität Hamburg
  • RA Dr. Till Kreutzer, Hans-Bredow-Institut / i.e. – Büro für informationsrechtliche Expertise, Hamburg
  • Dr. Kristoff Ritlewski, Bucerius Law School
  • Dr. Wolfgang Schulz, Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg
  • Prof. Dr. Insa Sjurts, Universität Hamburg / Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich

Internationaler Beraterkreis

  • Prof. Dr. Niva Elkin-Koren, University of Haifa / New York University School of Law
  • Univ.-Prof. Dr. Andreas Wiebe, LL.M. (Virginia), Wirtschaftsuniversität Wien
  • Prof. Dr. Frederik Willem Grosheide, Universität Utrecht
  • Prof. Dr. Ian J Lloyd, University of Strathclyde, Glasgow
  • Prof. Dr. Sylvia Kierkegaard, University of Southampton / Communication University of China (Beijing)
  • Prof. Brian Fitzgerald, Queensland University of Technology, Brisbane

Publikationen

  • Büchner, T. (2011): Schwerpunktbereich Recht des geistigen Eigentums: Hörprobe. In: Jura 2011, Heft 1, S. 72-75.

  • Büchner, T. (2011): Schwerpunktbereich Recht des geistigen Eigentums: Hörprobe. In: Jura 2011, Heft 1, S. 72-75

  • Schulz, W.; Büchner, T. (2010): Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie. Eine wissenschaftliche Innovationswerkstatt im Dialog mit der Medienwirtschaft. Ergebnisse. Hamburg, Dezember 2010 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 21).

  • Schulz, W.; Büchner, T. (2010): Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie. Eine wissenschaftliche Innovationswerkstatt im Dialog mit der Medienwirtschaft. 1. Analysepapier, Januar 2010. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts, Nr. 20) (pdf-Datei)

Veranstaltungen

  • "Rechtsdurchsetzung", Zweiter Experten-Workshop der Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie" am 14. April 2010 in Hamburg.

  • "Leistungsschutzrecht", Erster Praxis-Workshop der Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie" mit Wirtschaftsvertretern am 19. März 2010 in Hamburg.

  • "Leistungsschutzrecht", Erster Experten-Workshop der Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie" am 3. März 2010 in Hamburg.

Vorträge

  • "Urheberrecht in der Schockstarre? Welche Ideen zur Neuordnung warum nicht funktionieren." Vortrag von S. Dreyer vor dem Ausschuss für Medien- und Kreativwirtschaft der Handelskammer Hamburg am 31.Januar 2012 in Hamburg.

  • „I Fought The Law - Zur Zukunft des Urheberrechts", Panelteilnahme von S. Dreyer im Rahmen des Hamburger Musik Forums des Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT) am 07. November 2011 in Hamburg.

  • „Ideen aus der Innovationswerkstatt Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie“, Vortrag von W. Schulz im Rahmen der Veranstaltung „Wer verdient mit welchem Recht? Digitale Herausforderungen für Urheber, Verwerter und Nutzer“ der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein, des Hans-Bredow-Instituts und der Handelskammer Hamburg am 3. Juni 2010 in Hamburg.

  • „Copyrights Law, News Services, News Snippets“, Vortrag von W. Schulz im Rahmen des „TechLaw Spring Meeting Update“ von Taylor Wessing am 30. April 2010 in Hamburg.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Wolfgang Schulz

Hans-Bredow-Institut
Heimhuder Straße 21
20148 Hamburg

Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 0
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 77

E-Mail

Drittmittelgeber

Behörde für Kultur, Sport und Medien, Freie und Hansestadt Hamburg