Mediale und mentale Repräsentationen des Holocaust

Für die Identität der Bundesrepublik Deutschland ist der Holocaust ein zentraler Bezugspunkt. Die Erinnerung an die Verfolgung und massenhafte Ermordung von Juden aufrechtzuerhalten, ist erklärtes gesellschaftspolitisches Ziel. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Medien, insbesondere dem Fernsehen zu.

Ausgangspunkt des in den letzten Monaten erarbeiteten Projektkonzepts, für das eine Förderung durch die DFG beantragt werden soll, ist die Frage, wie sich die in verschiedenen historischen Phasen im Fernsehen zu beobachtenden Darstellungsformen des Holocaust in den Vorstellungen der Bevölkerung niedergeschlagen haben. Dabei gilt das Hauptaugenmerk der Darstellung von Zeitzeugen, die in vielen Produktionen als authentische Vermittler von Geschichte eingesetzt werden und der Darstellung einen besonderen Kontext der Moralität der Erinnerung geben.

Das Projekt ist interdisziplinär angelegt: Mit Blick auf die Angebote wird der Wandel medialer Inszenierungen von Zeitzeugen analysiert (Analysen von Sendungen und Paratexten; Leitfadeninterviews mit Produzenten und Zeitzeugen). Mit Blick auf die Rezipienten werden die Erinnerungen verschiedener Generationen an mediale Holocaust-Darstellungen sowie die mentalen Repräsentationen des Holocaust untersucht (Gruppendiskussionen und medienbiographische Interviews). Durch den kombinierten Blick auf die intentionale Gestaltung und die Rezeption von Holocaust-Darstellungen gibt das Projekt Aufschluss über die Rolle der Medien und insbesondere des Fernsehens für die langfristige Herausbildung von kollektiv geteilten Vorstellungen und Erinnerungen und leistet zugleich eine Analyse des kommunikativen Aushandelns moralischer Markierungen des Gedenkens.

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Dr. Hans-Ulrich Wagner

Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland
Universität Hamburg
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