Wissenstransfer & Serviceangebote

Kern der Institutsarbeit ist die wissenschaftliche Forschung. Daneben ist der Transfer zwischen der Wissenschaft und der Praxis ein Hauptanliegen der Institutsarbeit. Bei der Vermittlung von Forschungsergebnissen werden deshalb sowohl die wissenschaftlichen Medien insgesamt als auch Formen genutzt, die auf ein breiteres oder spezielleres Publikum zugeschnitten sind. Hierzu zählen Veranstaltungen (Diskussionsrunden, Kompaktseminare oder Workshops etc.) ebenso wie Kurzgutachten und Expertisen.

Zu den ständigen Serviceleistungen des Instituts zählen die Bibliothek und die wissenschaftliche Fachzeitschrift "Medien & Kommunikationswissenschaft". Die Website des Instituts bildet ein Portal zu den neuesten Informationen über die aktuelle Forschungstätigkeit, die Publikationen und Veranstaltungen. 

Die folgenden Beispiele belegen die Relevanz der Arbeiten des Instituts im Berichtszeitraum für Akteure in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Transfer an Medienpolitik und -praxis

Viele der Projekte des Instituts haben schon von ihrer Konzeption her einen – unterschiedlich stark ausgeprägten – Anteil an Transferleistung; deutlich wird dies etwa bei den Aktivitäten zum Kommunikations- und Medienbericht der Bundesregierung und den Arbeiten zum Jugendmedienschutz.

Beispielhaft für darüber hinausgehende Bemühungen des Instituts, zur Problemlösung in dem von ihm beobachteten Gesellschaftsbereich beizutragen, sollen folgende Themen benannt werden, in denen das Institut im Zeitraum 2008/2009 umfangreiche Transfer- und Serviceleistungen erbracht hat.

Digitale Spiele und Onlinewelten

Die Diskussion um die möglichen Wirkungen von Computerspielen auf ihre Nutzer ist in der Öffentlichkeit weiterhin präsent. Das Hans-Bredow-Institut hat seine Aktivitäten in einem Forschungsschwerpunkt zum Thema „Digitale Spiele und Onlinewelten“ gebündelt, in dem aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen Expertise in diesem Forschungsfeld erarbeitet und an Interessierte vermittelt werden soll.

Die Basis bilden die thematisch einschlägigen Projekte, etwa zur Evaluation des Jugendmedienschutzes, insbesondere im Bereich der Video- und Computerspiele, sowie zur Systematisierung des Phänomens Online-Games im Projekt „Spielen im Netz“.

Auch die internationale Fachkonferenz „More Fun, More Risk?“ widmete sich diesem immer noch zu wenig erforschten Medienbereich. Darüber hinaus hat das Institut zu einem besseren Verständnis des neuen „Mediums“ beigetragen durch

  • die Teilnahme von U. Hasebrink an der Expertenanhörung zum Abhängigkeits- und Suchtpotential von Computerspielen der Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen am 8. Juni 2009 in Hannover;
  • den Vortrag „Computerspiele – Ergebnisse der Analyse des Jugendmedienschutzsystems“ von W. Schulz im Rahmen des Medientreffpunkt Mitteldeutschland am 6. Mai 2008 in Leipzig;
  • die Beteiligung von W. Schulz an der Paneldiskussion „Computerspiele – Ein Beitrag zur Kultur oder Ursache für Amokläufe?“ beim ersten Kultursalon der CDU/CSU Fraktion am 23. April 2008.

Richtlinie über Audiovisuelle Mediendienste

Die Revision der EG-Fernsehrichtlinie hat auf europäischer Ebene die Medienpolitik dominiert und wurde vom Institut intensiv begleitet. Dies gilt auch für die nun erfolgende Diskussion um die Interpretation der Regelungen und ihre Umsetzung in den Mitgliedstaaten.

Die Diskussion zur Revision der Richtlinie wurde zudem durch Vorträge und Publikationen in Fachmedien, vor allem zum Thema der geplanten Regelungen zu „Product Placement“, begleitet; dies bildete auch einen Themenschwerpunkt der Veranstaltung „Finanzierung von Qualitätscontent“.

Die Ergebnisse einer Untersuchung zur Auslegung des Begriffs „redaktionelle Verantwortung“ und damit zum Anwendungsbereich der Richtlinie von W. Schulz und S. Heilmann wird auf einem Treffen der Europäischen Regulierungsbehörden mit der Kommission am 4. Juli 2008 in Brüssel diskutiert.

Kontrolle von Meinungsmacht

Zur wissenschaftlichen Fundierung der Diskussion um die Kontrolle von Medienkonzentration hat das Hans-Bredow-Institut beigetragen durch

  • die Teilnahme von W. Schulz am Panel „Medienkonzentration – Medienvielfalt“ auf der Fachkonferenz „Meinungs-Vielfalt“ von LfM und FES am 29. April 2009 und die Erstellung eines vorbereitenden Kurzgutachtens;
  • die Schlussbetrachtung von W. Schulz „Wie erhalten wir die Medienvielfalt?“ auf dem öffentlichen Fachgespräch Medienkonzentration der Grünen Bundestagsfraktion am 20. Februar 2006 in Berlin;
  • die Beteiligung von W. Schulz an der Podiumsdiskussion „Wie viel Konzentration verträgt das deutsche Mediensystem?“ im Rahmen des Medientreffpunkt Mitteldeutschland am 6. Mai 2008 in Leipzig;
  • die Beteiligung von W. Schulz an der Diskussionsrunde „Weltmacht Suchmaschine“ auf dem Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg am 15. April 2008 in Stuttgart.

Funktionsauftrag öffentlich-rechtlicher Anstalten

Die Möglichkeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auch in Bereichen jenseits des klassischen Rundfunks am Public Service orientierte Angebote zu machen, hängen vom nationalen und europäischen Rechtsrahmen ab. Mitarbeiter des Instituts haben hier Knowhow eingebracht, u. a. durch

  • die Beteiligung von W. Schulz an der Podiumsdiskussion „Offene Flanken des zweiten Rundfunkgebührenurteils“ im Rahmen des Medientreffpunkt Mitteldeutschland am 6. Mai 2008 in Leipzig;
  • den Vortrag von W. Schulz zu „Essentialia des Drei-Stufen-Tests“ auf dem ARD GVK Forum am 4. Februar 2009.

Das Institut sieht es nicht als seine Aufgabe an, Gutachten zu den marktlichen Auswirkungen im Drei-Stufen-Test zu erstellen. Es steht aber als Ansprechpartner zur Verfügung, etwa wenn es um die Weiterentwicklung von Kriterien zur Beurteilung von Qualität geht.

Wandel der Mediennutzung

Zu den für Medienpolitik wie Medienpraxis entscheidenden Fragen gehört, wie sich angesichts der digitalisierten Medienumgebungen der Umgang der Menschen mit den Medien verändert. Neben dem in diesem Bereich angesiedelten Grundlagenprojekt zu Medienrepertoires, das von der DFG gefördert wird, erarbeitet das Institut in direkter Kooperation mit Medienunternehmen und anderen Institutionen aus dem Medienbereich Synopsen des vorliegenden internationalen Forschungsstands und diskutiert die sich daraus ergebenden Perspektiven. 2007/ 2008 untersuchte das Institut in einer Expertise für das ZDF die Konsequenzen von Konvergenz und Crossmedia-Strategien für Informationsbedarf und Informationssuche der Bevölkerung. Die Ergebnisse dieser und weiterer Expertisen flossen seitdem in verschiedene Tagungen, Workshops und Fortbildungen mehrerer Institutionen ein, so des ZDF im Rahmen seiner Führungskräfte-Tagung, der Akademie für Publizistik in Hamburg, der ARD/ZDF-Medienkommission in Frankfurt, der Bertelsmann-Stiftung, der Körber Stiftung, der ARD.ZDF medienakademie und der Gruner+Jahr New Media Ventures.

Transfer ins Ausland

Zunehmend ist die Expertise des Instituts auch im Ausland gefragt. Dabei geht es vor allem um Fragen nach der Rolle der Medien im Demokratisierungsprozess, aber auch um die regulatorische Reaktion auf Medienkonvergenz.

Das Institut hat zu diesen Diskussionen beigetragen durch

  • den Vortrag von W. Schulz zu „Demokratie und Medien“ im Senat, dem Oberhaus des thailändischen Parlaments, am 28. Mai 2009 in Bangkok;
  • einen Workshop unter Beteiligung von W. Schulz beim thailändischen Public Service Broadcaster ThaiPBS am 28. Mai 2009 in Bangkok.

Dazu beteiligt sich das Institut an der Diskussion über die internationale Kommunikationsordnung durch die Mitgliedschaft von W. Schulz im Fachausschuss Information/Kommunikation der Deutschen UNESCO-Kommission.

Transfer an andere gesellschaftliche Gruppen

Das Hans-Bredow-Institut möchte seine Forschungsergebnisse nicht nur für Medienpolitik und -praxis, sondern auch für andere gesellschaftliche Gruppen fruchtbar machen. Es richtet sich daher auch an eine breitere Öffentlichkeit, u. a. mit folgenden Veranstaltungen und Publikationen:

Veranstaltungsreihe „nachgedacht – Geisteswissenschaften in Hamburg“

Im Jahr der Verfassungsjubiläen 2009 beteiligte sich das Institut an der Veranstaltungsreihe „nachgedacht. Geisteswissenschaften in Hamburg – 60 Jahre Grundgesetz“. Vom 24. März bis 19. Mai 2009 widmete sich die Reihe an fünf Abenden exemplarisch den juristischen, gesellschaftlichen, politischen Dimensionen des Grundgesetzes wie auch dessen künstlerisch gestalteter Rezeption.

Das Hans-Bredow-Institut bestritt den dritten Abend der Veranstaltungreihe: Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem, bis 2008 Richter des Bundesverfassungsgerichts und Ehrenmitglied im Direktorium des Instituts, gab zusammen mit Wolfgang Schulz, Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Einblick in die Arbeit des Verfassungsgerichts zur Meinungsfreiheit, wie sie Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert, und zeigte an den Verfassungsgerichtsurteilen zur Meinungsfreiheit, wie eine Verfassung „lernt“.

Informationen zu den einzelnen Themen, Terminen und Dozenten sowie über die teilnehmenden Institutionen finden sich unter www.nachgedacht-hamburg.de. Beteiligte Institutionen waren neben dem Institut die Akademie der Wissenschaften in Hamburg, die Bucerius Law School, das Hamburger Institut für Sozialforschung, die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung, die Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky sowie die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Die Veranstaltungen waren kostenlos und für jedermann zugänglich. 

Mediensozialisation und Medienkompetenz

Gerade in diesem Themenbereich sind Vernetzung und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen auch über die Expertenzirkel hinaus von herausragender Bedeutung. Insbesondere im Zusammenhang mit den Projekten EU Kids Online und „Heranwachsen mit dem Social Web“ haben Claudia Lampert, Jan-Hinrik Schmidt und Uwe Hasebrink eine Vielzahl von Vorträgen und Weiterbildungsveranstaltungen in den unterschiedlichsten institutionellen Kontexten bestritten. Diese sind bei den jeweiligen Projekten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Einzelnen aufgeführt.
Von großer Aufmerksamkeit begleitet wurde auch die Tagung „Mit der Welt vernetzt – Kinder und Jugendliche in virtuellen Erfahrungsräumen“ am 9./10. Oktober 2008 im Französischen Dom in Berlin. Im Mittelpunkt stand sowohl die Frage nach dem Stellenwert der Internetnutzung im Alltag von Kindern und Jugendlichen als auch die Frage nach Chancen und Grenzen der neuen Kommunikationstechnologien und nach den Möglichkeiten, wie Heranwachsende damit umgehen (können). Neben empirischen Befunden wurden Konzepte für eine sichere Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen vorgestellt und mögliche Handlungsoptionen für Eltern und Pädagogen diskutiert. Ein besonderes Highlight war die Verleihung des Erfurter-Netcodes-Siegels für qualitätsvolle Internetseiten für Kinder. Die Tagung war eine Kooperationsveranstaltung der EKD, des Erfurter Netcodes, der DGPuK-Fachgruppe Medienpädagogik und dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Unterstützt wurde sie durch die Karl-Kübel-Stiftung, die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) und die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM).

Medienanfragen

Die Institutsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter stehen für die Beantwortung von Anfragen nach Literatur, Sachinformationen und Referenten und als Beratungsinstanz in Forschungsfragen zur Verfügung. Diese Art des „informellen“ Services wird von den Bezugsgruppen oft genutzt und intensiv auch von Journalistinnen und Journalisten in Anspruch genommen, für die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts begehrte Gesprächspartner darstellen. Dabei geht es oftmals um die fachliche Einschätzung aktueller Medienentwicklungen in Interviews für das Fernsehen, den Hörfunk, in Online-Angeboten oder in der Presse, häufig aber auch um Hintergrundgespräche mit Redaktionen, Nachrichtenagenturen und Verbänden.

Es gehört zum Selbstverständnis des Instituts, soweit wie möglich für derartige Anfragen offen zu sein, aber nicht zu jeder Frage selbst Stellung zu nehmen; oft wird auch durch Verweis auf einschlägige Kolleginnen und Kollegen oder Hintergrundinformationen geholfen.