Code Literacy – Verstehen, was uns online lenkt

Workshop von N. Heise, S. Dreyer, J.-H. Schmidt, K. Johnsen & S. Deterding im Rahmen der Konferenz "re:publica13 - in/side/out" am 6. Mai 2013 in Berlin

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Kernthese:

Code Literacy ist eine Schlüsselkompetenz in unserer Gesellschaft, wird aber überhaupt nicht hinreichend vermittelt.

Beschreibung:

Das Verhalten von Menschen wird im digitalen Zeitalter neben Märkten, Gesetzen und sozialen Normen zunehmend auch von Software-Code gesteuert. Wie Mauern im physischen Raum bestimmt Code im Internet, wer wozu Zugang erhält, wer wovon ausgeschlossen wird und wie wir mit Informationssystemen und Menschen interagieren. Code ermöglicht uns bestimmte Handlungsweisen, legt andere nahe und macht wieder anderes unmöglich. Und der Einflusskreis von Code reicht zunehmend über das Netz hinaus: Im Zeichen der Digitalisierung werden mehr und mehr Bestandteile unseres Alltagslebens in netzbasierte Software ausgelagert – vom kleinsten Einkauf bis zum globalen Börsenhandel, vom Leserbrief bis zur Petition.

Aber ist dieser Einfluss allen bewusst? Besitzen wir – auch und gerade als Nicht-CoderIn – die entsprechenden Fertigkeiten und das notwendige Wissen, die Bedeutung von Code für unseren Alltag zu erkennen?

Wir möchten im Rahmen der re:publica einen Workshop veranstalten und Fragen diskutieren, um das Thema „Code Literacy“ stärker einzukreisen: Was genau macht eigentlich Code Literacy oder Code-Kompetenz aus? Lässt es sich von anderen Anforderungen des Lebens in vernetzten Gesellschaften wie Medien- oder Informationskompetenz sinnvoll abgrenzen? Und: Brauchen „normale“ NutzerInnen überhaupt Wissen um Code?

Damit einhergehend möchten wir gemeinsam mit den TeilnehmerInnen eine Agenda zu Reichweite und Inhalt der Vermittlung von Code Literacy erarbeiten, die sich an verschiedenen konzeptionellen Fragestellungen orientiert. Das Konzept und die avisierte Zielgruppe des Workshops sind bewusst offen angelegt, um eine lebendige Diskussion des Themas je nach Zahl und Hintergrund der TeilnehmerInnen zu ermöglichen und zu befördern. Für eine kleine Teilnehmerzahl sollen die genannten Fragestellungen gemeinsam in Roundtable-Atmosphäre aufbereitet werden, ab 15 TeilnehmerInnen soll auf einen World Café-Ansatz umgestellt und die Fragestellungen je nach Interesse in einzelnen Kleingruppen diskutiert und am Ende der Gruppe vorgestellt werden.

Es soll in jedem Fall aber ergebnisorientiert gearbeitet werden: So könnte der Workshop beispielsweise das Konzept für einen Tageskurs an Schulen erarbeiten, oder ein einsemestriges „Studium Generale“ für Hochschulen, oder eine Sammlung bereits verfügbarer Materialien erstellen, oder die fünf (oder sieben oder zwei) Schlüsselfertigkeiten benennen, die wir von PolitikerInnen zukünftig erwarten.

Die Initiatoren bringen Expertise aus folgenden Bereichen mit: Medienaneignung und -kompetenzen von Kindern und Jugendlichen, Game Design und Game Studies, Online-Nutzung und Nutzerhandeln aus rechts- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Anfang 2013 organisierten sie einen internationalen Workshop zum Thema „Code as Control“.