Aktuelle Entwicklungen im Web 2.0

Veranstaltungsreihe des Hans-Bredow-Instituts an der Universität Hamburg, Hörsaal C, ESA 1 (Programm als pdf)


Das Schlagwort „Web 2.0“ fasst aktuelle, innovative Anwendungen und Nutzungspraktiken im Internet zusammen und legt die Assoziation eines radikalen Bruchs mit früheren Phasen der Onlinenutzung nahe. Die Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik, Journalismus und Zivilgesellschaft werden derzeit aus verschiedenen Perspektiven diskutiert – die Veranstaltungsreihe „Aktuelle Entwicklungen im Web 2.0“ des Hans-Bredow-Instituts nähert sich ihnen aus einer sozial- und kommunikationswissenschaftlichen Perspektive an.

Vier Vorträge verdeutlichten an ausgewählten Fragestellungen, in welcher Hinsicht wir derzeit tatsächlich qualitativ neue Phänomene beobachten und wo möglicherweise Kontinuitäten zu früheren Phasen der Internetentwicklung vorherrschen.

Veranstaltungsort: Hörsaal C im Hauptgebäude der Universität, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg

Zeit: 18-20 Uhr c.t.

Programm

Montag, 20. Oktober 2008

'Anyone Can Edit': Vom Nutzer zum Produtzer

Dr. Axel Bruns (Queensland University of Technology, Brisbane)


 

Um die kreative und kollaborative Beteiligung zu beschreiben, die heutzutage nutzergesteuerte Projekte wie etwa die Wikipedia auszeichnet, ist ein Begriff wie 'Produktion' nur noch bedingt nützlich - selbst in Konstruktionen wie 'nutzergesteuerte Produktion' oder 'P2P-Produktion'. In den Nutzer­gemeinschaften, die an solchen Formen der Inhaltserschaffung teilnehmen, haben sich Rollen als Konsumenten und Benutzer längst unwiederbringlich mit solchen als Produzent vermischt: Nutzer sind immer auch unausweichlich Produ­zenten der gemeinsamen Informations­­­sammlung, ganz egal, ob sie sich dessens auch bewusst sind: sie haben eine neue, hybride Rolle angenommen, die sich vielleicht am besten als "Produtzer" umschreiben lassen kann. Projekte, die auf solche "Produtzung" (Englisch: produsage) aufbauen, finden sich in Bereichen von Open-Source-Software über Bürger­journalismus bis hin zur Wikipedia und darüberhinaus auch zunehmend in Computerspielen, Filesharing und selbst im Design materieller Güter. Obwohl unterschiedlich in ihrer Ausrichtung, bauen sie doch auf eine kleine Zahl universeller Grund­prinzipien auf.

Dr. Axel Bruns ist der Autor von „Blogs, Wikipedia, Second Life, and Beyond: From Production to Produsage“ (New York: Peter Lang, 2008 - siehe produsage.org). Er ist Senior Lecturer in der Creative Industries Faculty an der Queensland University of Technology in Brisbane, Australien und war Autor von "Gatewatching: Collaborative Online News Production" (New York: Peter Lang, 2005) sowie Herausgeber von "Uses of Blogs", mit Joanne Jacobs (New York: Peter Lang, 2006). Bruns ist ein Mitbegründer des Journals M/C - Media and Culture (www.media-culture.org.au) und des Bürgerjournalismusforschungsblogs Gatewatching.org. Sein persönliches Blog ist snurb.info.

 

Donnerstag, 13. November 2008

Persönliche Öffentlichkeiten im Web 2.0. Entstehen, Gestalt, Konsequenzen

Dr. Jan-Hinrik Schmidt (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, Hamburg)

 

 

 

Im Web 2.0 sinken die technische Hürden, Texte, Fotos oder Videos, aber auch persönliche Informationen zu publizieren und darüber soziale Beziehungen zu anderen Personen zu pflegen oder neu zu knüpfen – ob auf Weblogs oder in Video-, Foto- und Netzwerkplattformen. Die Mehrheit der aktiven Nutzer wendet sich mit ihren Beiträgen allerdings nicht an ein disperses gesellschaftsweites Publikum, sondern an kleine Publika von Personen, mit denen sie Lebenswelt oder thematische Interessen teilen. In den Worten von Clay Shirky: „It is in public, but not for the public.” Der Vortrag erläutert, wie solche „persönlichen Öffentlichkeiten“ entstehen, welche sozialen und technischen Merkmale ihre Gestalt bestimmen, und wie sich diese Entwicklung gesellschaftlich auswirkt, beispielsweise im Hinblick auf Journalismus oder unser Verständnis von Privatsphäre.

Dr. Jan-Hinrik Schmidt ist wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Entwicklungen des „Web 2.0“ bzw. der „Social Software“, wobei ihn vor allem aktuelle Veränderungen onlinebasierter Öffentlichkeiten und sozialer Netzwerke sowie deren Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft interessieren. Zudem analysiert er im Forschungs- und Transferzentrum „Digitale Spiele und Onlinewelten“ des Hans-Bredow-Instituts das Entstehen und die Konsequenzen von online- und spielbasierten Sozialräumen. Weitere Informationen finden sich auch unter schmidtmitdete.de


Donnerstag, 20. November 2008

Re-publicize this! Web 2.0 oder Die stille Privatisierung der digitalen Grund­versorgung

Sebastian Deterding, M.A. (Universität Utrecht)

Mit dem Web 2.0 feiern auch Utopien und Dystopien rund um das Internet fröhliche Wiederkehr: Die einen feiern die Wiedergeburt von Gemeinschaft und Öffentlichkeit auf Blogs und soziale Netzwerken, die anderen fürchten einen Bürger, der sich selber gläsern macht. Fest steht nur, dass das Internet täglich tiefer in unseren Alltag dringt. Wie viel Web brauchen wir heute, um gleichberechtigt an unserer Gesellschaft teilnehmen zu können? Wo beginnt die "digitale Grundversorgung"? Von diesen Fragen ausgehend, beleuchtet der Vortrag die strukturellen Probleme, die entstehen, wenn immer größere Teile unseres öffentlichen Lebens vermeintlich kostenlos von kommerziellen Webplattformen bereitgestellt werden. Wie sollen Zivilgesellschaft und Staat reagieren?

Sebastian Deterding forscht und publiziert an der Schnittstelle von Medien und Politik zu Serious Games, Social Gaming, User-Centered Design und dem Einfluss von Software-Architekturen auf politische und soziale Prozesse. Hauptberuflich als Online-Konzeptioner bei Gruner+Jahr tätig, arbeitete er zuvor mehrere Jahre als Online-Referent in der Bundeszentrale für politische Bildung zu E-Partizipation, Wissensgesellschaft, Open Source, Creative Commons und Computerspiele sowie zuletzt als Researcher im GATE (Game Research for Training and Entertainment) Project an der Universität Utrecht. Er ist Herausgeber mehrerer Online-Dossiers (www.bpb.de/computerspiele, www.bpb.de/urheberrecht, www.bpb.de/opensource).

 

 

 

Donnerstag, 27. November 2008

Die digitale Selbstdarstellung: Identitätsmanagement und persönliche Informationskontrolle im Social Web

Dipl.-Pol. Ralf Bendrath (Technische Universität Delft)

Wenn Web 1.0 die Vernetzung von Dokumenten war, dann ist Web 2.0 die Vernetzung von Personen. Doch wer sind diese Personen im Netz? Wer kontrolliert ihre Daten und die ihres Beziehungsgeflechts? Wird man auch in Zukunft noch pseudonyme Online-Rollen spielen können, oder wird alles, was man im Netz macht, immer auf die reale Person hinter dem Computer zurückgebunden werden? Wie ist das Verhältnis von individueller Netz-Identität, sozialem Kontext in Peer-Groups und der breiten Öffentlichkeit? Der Vortrag wird anhand dieser Fragen zeigen, was sich für das digitale Identitätsmanagement in den letzten Jahren verändert hat, vor welche normativen Herausforderungen uns dies stellt, und warum im Social Web die Unterscheidung zwischen "privat" und "öffentlich" obsolet geworden ist.

Ralf Bendrath ist Politikwissenschaftler und forscht seit zehn Jahren an der Schnittstelle zwischen Politik und Internet. Im Anschluss an seine Arbeiten zum "Informationskrieg" hat er sich seit 2003 vor allem auf den Bereich "Datenschutz und Überwachung" konzentriert. Daneben war er stark involviert bei den UN-Weltgipfeln zur Informations­gesellschaft 2003 und 2005. Nach Stationen in Berlin, Washington, New York und Bremen ist er seit April 2008 am Fachbereich Technologie, Politik und Management der TU Delft tätig. Ralf Bendrath ist Hard Bloggin' Scientist auf bendrath.blogspot.com und netzpolitik.org.

Die digitale Selbstdarstellung
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