Von Werbung verfolgt: Ein Viertel der Internetnutzer hat Adblocker installiert

Hans-Bredow-Institut veröffentlicht deutsche Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2016“ zur Nachrichtennutzung im internationalen Vergleich

Hamburg, 15.06.2016. Mehr als die Hälfte der deutschen Internetnutzer über 18 Jahre empfindet die Anzahl der Werbungeinblendungen als lästig (55 %), vor allem in der Altersgruppe über 35 Jahren. 25 Prozent setzen bereits Adblocker ein, die das Anzeigen von Werbung im Internet verhindern. Unter den jungen Nutzergruppen sind Adblocker wesentlich weiter verbreitet als unter den älteren Erwachsenen: Fast jeder zweite Onliner zwischen 18 und 24 Jahren setzt einen Adblocker aktiv ein, während noch nicht einmal jeder Sechste der über 55-Jährigen diese Software verwendet. 92 Prozent der Anwender von Adblockern haben die Programme auf ihren Laptops oder PCs installiert. Auf Tablets und Smartphones sind sie deutlich weniger verbreitet. Dies sind Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2016“, dessen Befunde für Deutschland am 15. Juni vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung veröffentlicht wurden. Um Erkenntnisse über die Einstellungen der Internetnutzer und ihren Einsatz von Adblockern zu bekommen, wurde in der aktuellen Repräsentativbefragung zur Nachrichtennutzung erstmals ein gesonderter Abschnitt integriert.

64 Prozent der Nutzer von Adblockern haben die Software installiert, weil sie sich von der Anzahl von Werbeeinblendungen belästigt fühlen. 57 Prozent kritisieren, dass ihnen personalisierte Werbung von einer Website zur nächsten folgt und sie dadurch ihre Privatsphäre gefährdet sehen. Dass die Seiten in den Browser schneller geladen werden, war für 38 Prozent ein entscheidender Anlass für die Einrichtung des Blockers.
Trotz lästiger Werbung sind zwei von drei Internetnutzern bereit, im Tausch gegen kostenlose Nachrichten Werbung zu akzeptieren. Sie lehnen Werbung also nicht generell ab. Es ist vielmehr eine Frage der Dosis. Die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu bezahlen, liegt in Deutschland stabil auf geringem Niveau (8 %).

Informationen zur Studie

Für die Nutzung von Nachrichten stehen heute mehr Inhalte, mehr Anbieter und mehr Trägermedien bzw. Geräte zur Verfügung als es in der Geschichte zuvor jemals der Fall gewesen ist. Nicht nur über traditionelle Wege, sondern auch über das Internet können wir uns jederzeit und an jedem Ort mit nachrichtlichen Informationen versorgen. Welche Arten von Nachrichten dabei von Interesse sind; welche Geräte und Wege genutzt werden, um diese zu finden; welchen Anbietern vertraut wird und welche Standpunkte Menschen hinsichtlich der Finanzierung von Journalismus vertreten: Das sind Fragen, die seit 2012 im Rahmen des Reuters Institute Digital News Survey untersucht werden.

Die Studie wird unter Koordination des in Oxford (UK) ansässigen Reuters Institute for the Study of Journalism zeitgleich in Australien, Belgien, Brasilien (urbane Regionen), Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Spanien, Südkorea, Tschechien, Türkei, Ungarn, den USA und dem Vereinigten Königreich realisiert, um generelle Trends, aber auch nationale Besonderheiten erkennen zu können. Pro Land wurden 2016 rund 2.000 Personen befragt. Insgesamt basiert die Studie in der vierten Wiederholung auf 53.330 Befragten aus 26 Ländern. Das Hans-Bredow-Institut ist seit 2013 als Kooperationspartner für die deutsche Teilstudie verantwortlich; die Erhebung im Jahr 2016 wurde dabei von den Landesmedienanstalten und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) unterstützt.

Download der Studie

Der vollständige Bericht mit allen internationalen Befunden ist über http://www.digitalnewsreport.org/ (Englisch) verfügbar, die Ergebnisse für Deutschland sind auf der Projektseite des Hans-Bredow-Instituts (Deutsch) unter http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/1135 zu finden.

Kontakt

Dr. Sascha Hölig, Tel. 040 450 217 84

Information zum Reuters Institute for the Study of Journalism

Das Institut wurde 2006 von der Thomson Reuters Foundation gegründet; es ist angesiedelt am Department of Politics and International Relations an der University of Oxford. Das Institut ist ein international aktives Forschungszentrum für vergleichende Journalismusforschung, das in seiner Forschung eine globale Perspektive verfolgt und Forschern unterschiedlichster Disziplinen ein Forum bietet, um mit Journalisten aus aller Welt zusammenzukommen. Mehr unter http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/.

Information zum Hans-Bredow-Institut

Gerade weil individuelle Kommunikation heute allgegenwärtig ist – der Austausch von Fotos in jeder Lebenslage, maßgeschneiderte Werbeangebote und individualisierte Internet-Suche – braucht es den Blick auf Kommunikation, die auch Andere oder sogar die ganze Gesellschaft betrifft: Öffentliche Kommunikation. Dies ist seit 66 Jahren Forschungsgegenstand des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg. Verändern neue Medien – wie früher das Farbfernsehen und heute mobile, internetbasierte Dienste – die öffentliche Kommunikation? Wie wird sie produziert, reguliert, genutzt und welche Wirkung hat sie? Das Hans-Bredow-Institut beantwortet diese Fragen mit dem Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen und stellt die Ergebnisse nicht nur der Fachwelt, sondern auch Politik, Regulierern, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft zur Verfügung. Mehr unter http://www.hans-bredow-institut.de