Nachrichtennutzung über mobile und soziale Medien steigt

Hans-Bredow-Institut veröffentlicht deutsche Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2015“ zur Nachrichtennutzung im internationalen Vergleich

Hamburg. 16.6.2015. 57 Prozent der deutschen Onliner nutzen regelmäßig den Computer, jeder Dritte ein Smartphone und 16 Prozent ein Tablet, um sich über aktuelle Nachrichten auf dem Laufenden zu halten. Jeder Vierte nutzt regelmäßig soziale Netzwerke, um sich über Nachrichtenereignisse zu informieren. Die gründlichere Nachrichtennutzung erfolgt aber noch immer stark über das Fernsehen und die Online-Angebote klassischer Medien. Dies sind Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2015“, dessen Befunde für Deutschland am 16. Juni vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung veröffentlicht wurden.

„Im internationalen Vergleich auffällig ist die nach wie vor starke Orientierung der deutschen Onlinenutzer an den klassischen Nachrichtenmedien und vor allem dem Fernsehen“, erläutert Prof. Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Instituts. 82 Prozent schauen mindestens einmal in der Woche Nachrichten im Fernsehen. Die Nutzung von Printmedien hingegen ist in allen Altersgruppen weiter rückläufig.

Im internationalen Vergleich zeigt sich: Auch wenn die Nachrichtennutzung über mobile und soziale Medien steigt, so informieren sich die meisten doch über mehr als eine Quelle und kombinieren Fernsehen, Radio, Print und Online. Dies gilt über alle untersuchten Länder hinweg besonders für die über 45-Jährigen, die digitale Medien zunehmend als Ergänzung zu ihrem gewohnten Medienrepertoire nutzen. Die traditionellen Medienmarken spielen in fast allen untersuchten Ländern nach wie vor eine dominante Rolle, auch wenn sie vermehrt über Intermediäre angesteuert werden.

Smartphone, Facebook und Suchmaschinen gewinnen an Bedeutung

20 Prozent der Deutschen, die online sind, werden über soziale Netzwerke auf Nachrichtenartikel aufmerksam. Besonders relevant ist dieser Zugangsweg für die unter 45-Jährigen. Es sind also nicht mehr nur die ganz jungen Onliner, die über soziale Netzwerke auf Artikel und Berichte stoßen. Auch ältere Altersgruppen nutzen zunehmend diese Möglichkeit.

Das für nachrichtliche Inhalte wichtigste soziale Netzwerk in Deutschland ist Facebook. Fast ein Viertel nutzt regelmäßig Facebook, um Nachrichten zu suchen, anzuschauen, zu teilen oder darüber zu diskutieren. Unter den 18- bis 24-Jährigen sind es 37 Prozent und bei den über 55-Jährigen 17 Prozent. Über 13 Prozent nutzen YouTube, um sich Nachrichten anzuschauen.

Wichtigste Nachrichtenquelle bleibt das Fernsehen, Print verliert weiter

Vier von fünf Nutzern verwenden für Nachrichten mindestens zwei unterschiedliche Quellen der Gattungen TV, Online, Radio und Print. 91 Prozent der deutschen Onliner nutzen Nachrichtenangebote klassischer Rundfunk-Anbieter – entweder über ihre originären Verbreitungswege oder über das Internet.

Die am häufigsten genutzte Nachrichtenquelle ist das Fernsehen (82 %). Das Fernsehen ist auch die Nachrichtenquelle, die die meisten Nachrichtennutzer für besonders vertrauenswürdig und zuverlässig halten. Auch Analysen und Kommentare werden bevorzugt im Fernsehen gesucht. Das Internet wird hierfür nur von 21 bzw. 17 Prozent der Onliner bevorzugt.

Für etwas mehr als die Hälfte der deutschen Onliner sind TV-Nachrichten die insgesamt wichtigste Quelle (53 %), gefolgt von Nachrichten im Internet mit 23 Prozent, im Radio mit 13 Prozent und in Tageszeitungen und Zeitschriften mit 9 Prozent.

Gedruckte Zeitungen haben erneut an Reichweite verloren. 38 Prozent der deutschen Onliner und damit 6 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr, sagen, dass sie regelmäßig Nachrichten aus gedruckten Zeitungen erhalten. Stabil bei 20 Prozent ist hingegen der Wert für gedruckte Zeitschriften geblieben.

Aktive Teilnahme an Nachrichtennutzung zurückhaltend

14 Prozent markieren in sozialen Netzwerken regelmäßig Artikel oder Beiträge als „gefällt mir“, 13 Prozent teilen Artikel oder Berichte und elf Prozent kommentieren sie. Der Anteil derjenigen, die regelmäßig Kommentare verfassen, ist unter politisch links oder rechts ausgerichteten Nutzern doppelt so hoch wie bei Nutzern mit einer neutralen Einstellung. Auch sind sie aktiver beim Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken oder beim Markieren als „Gefällt mir“.

Deutsche Besonderheiten im internationalen Vergleich

Ein Rückgang der Nachrichtennutzung im TV ist in Deutschland kaum zu verzeichnen – im Gegenteil zu den meisten anderen Ländern. Deutschland liegt mit der regelmäßigen TV-Nutzung im internationalen Vergleich an der Spitze. Die Online-Nutzung für Nachrichten ist hingegen im Ländervergleich gering.

Im Ländervergleich zeigt sich außerdem, dass das Vertrauen in die Medien in Ländern mit einem starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk am größten ist. An der Spitze liegt Finnland, wo zwei Drittel der Befragten angaben, den Nachrichten prinzipiell zu vertrauen, in Deutschland sind es 60 Prozent, während das Vertrauen in den USA (32%), Spanien (34%) und Italien (35%) deutlich geringer ist.

Informationen zur Studie

Die Studie wird unter Koordination des in Oxford ansässigen Reuters Institute for the Study of Journalism zeitgleich im Vereinigten Königreich, in Australien, Brasilien , Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Irland, Japan, Spanien und den USA realisiert, um generelle Trends, aber auch nationale Besonderheiten erkennen zu können. Das Hans-Bredow-Institut ist als Kooperationspartner verantwortlich für den deutschen Beitrag. Pro Land wurden 2015 rund 2.000 Personen befragt, in Irland und in Finnland rund 1.500. Insgesamt basiert die Studie auf 23.557 Befragten aus zwölf Ländern. Ergänzend hierzu wurden in diesem Jahr jeweils zwischen 1.000 und 2.000 Onliner in den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Tschechien und der Türkei  zu ihrer Nachrichtennutzung befragt.

Download der Studie (erst ab 16.6. möglich)

Der vollständige Bericht mit allen internationalen Befunden wird am 16. Juni 2015 in London der Öffentlichkeit vorgestellt und dann auch über die Website des Hans-Bredow-Instituts verfügbar gemacht.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier: http://www.digitalnewsreport.org/ (Englisch) und auf der Projektseite des Hans-Bredow-Instituts (Deutsch)

Kontakt

Dr. Sascha Hölig, Tel. 040 450 217 84

Information zum Reuters Institute for the Study of Journalism

Das Institut wurde 2006 von der Thomson Reuters Foundation gegründet; es ist angesiedelt am Department of Politics and International Relations an der University of Oxford. Das Institut ist ein international aktives Forschungszentrum für vergleichende Journalismusforschung, das in seiner Forschung eine globale Perspektive verfolgt und Forschern unterschiedlichster Disziplinen ein Forum bietet, um mit Journalisten aus aller Welt zusammenzukommen. Mehr unter http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/

Information zum Hans-Bredow-Institut

Gerade weil individuelle Kommunikation heute allgegenwärtig ist – der Austausch von Fotos in jeder Lebenslage, maßgeschneiderte Werbeangebote und individualisierte Internet-Suche – braucht es den Blick auf Kommunikation, die auch Andere oder sogar die ganze Gesellschaft betrifft: Öffentliche Kommunikation. Dies ist seit 65 Jahren Forschungsgegenstand des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg. Verändern neue Medien – wie früher das Farbfernsehen und heute mobile, internetbasierte Dienste – die öffentliche Kommunikation? Wie wird sie produziert, reguliert, genutzt und welche Wirkung hat sie? Das Hans-Bredow-Institut beantwortet diese Fragen mit dem Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen und stellt die Ergebnisse nicht nur der Fachwelt, sondern auch Politik, Regulierern, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft zur Verfügung.