Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland gegründet
Die "Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland" hat an der Universität Hamburg ihre Arbeit aufgenommen. Die neu eingerichtete Forschungsstelle ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Universität Hamburg (Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur), dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Die Leitung der Forschungsstelle hat der Medienwissenschaftler und -historiker Prof. Dr. Peter von Rüden übernommen, wissenschaftlicher Mitarbeiter ist der Rundfunkhistoriker Dr. Hans-Ulrich Wagner. Aufgearbeitet werden soll zunächst die Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR), der von 1945-1955 für den Rundfunk in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin (britischer Sektor) verantwortlich war und hier den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als unabhängiges publizistisches Medium etablierte. 1956 entstanden aus dem NWDR die heutigen ARD-Anstalten NDR, WDR und SFB.
Als Projektbeirat für die Forschungsstelle hat sich eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dieter Roß (Universität Hamburg/Institut für Journalistik) gebildet. Weitere Mitglieder des Beirates sind Prof. Dr. Wolfgang Becker (Arbeitsstelle für Medienforschung an der Universität Osnabrück), PD Dr. Joan Bleicher (Universität Hamburg/Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur), Dr. Ansgar Diller (Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt), Dr. Hans-Wilhelm Eckardt (Staatsarchiv Hamburg), Dr. Uwe Hasebrink (Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Hamburg), Prof. Dr. Knut Hickethier, (Universität Hamburg/Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur), Christiane Matzen (Hans-Bredow-Institut), Dr. Holger Ohmstedt (Leiter der NDR-Intendanz), Christoph Rohde (NDR-Prinarchiv), Prof. Dr. Axel Schildt (Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg), Dietrich Schwarzkopf (Vorsitzender der Historischen Kommission der ARD) und Petra Witting-Nöthen (Historisches Archiv des WDR).
Die Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks ist ein zentrales Kapitel der Rundfunkgeschichte nach dem zweiten Weltkrieg. Wesentliche Modelle für Hörfunk und Fernsehen nach 1945 wurden beim NWDR entwickelt. Dem NWDR kommt aber auch eine allgemein zeitgeschichtliche Bedeutung zu, denn der NWDR hatte eine prägende Rolle beim Aufbau demokratischer Strukturen in Deutschland und beeinflusste die Gestaltung von Gesellschaft, Kultur und Politik.
In der bisherigen Rundfunkgeschichtsschreibung gibt es bislang nur wenige und umeist unvollständige Darstellungen über die Geschichte des NWDR und seiner Programme. Systematisch erschlossen werden jetzt die in Hamburg vorhandenen NWDR-Akten. Der NDR hat sie komplett an das Hamburger Staatsarchiv übergeben. Die Nachfolgeanstalten des NWDR, der NDR und der WDR, unterstützen die Aktenerschließung am Hamburger Staatsarchiv durch finanzielle Zuwendungen für die Jahre 2001 und 2002. Auf der Grundlage dieser Aktenbestände - ebenso wie der beim WDR befindlichen Akten seit 1945 - soll erstmals eine detaillierte Gesamtdarstellung des NWDR und seiner Hörfunk- und Fernsehprogramme entstehen. Geplant sind zu diesem Zweck auch umfangreiche Zeitzeugeninterviews, die zur Quellensicherung vom NDR-Hörfunk aufgezeichnet und im NDR-Schallarchiv archiviert werden. Die Nutzung dieser Interviews für eine Hörfunkreihe ist vorgesehen.
Die Anregung zur systematischen Erforschung der Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks stammt von der Historischen Kommission der ARD. NDR-Intendant Prof. Jobst Plog griff diese Anregung auf und bat zunächst das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg, unter Beteiligung des WDR und einschlägiger Forschungseinrichtungen eine Arbeitsgruppe zu bilden und einen Forschungsplan zu entwickeln. Auf Grundlage dieses Planes haben die drei Partner Universität, NDR und Hans-Bredow-Institut einen Kooperationsvertrag geschlossen, in dem es heißt: "Die Vertragspartner haben sich zum Ziel gesetzt, die bisher vernachlässigte Rundfunkgeschichte Norddeutschlands aufzuarbeiten, insbesondere im Hinblick auf die Phase des NWDR, des Senders, der für die Rundfunkgeschichte Deutschlands besondere Bedeutung gewonnen hat. Zum anderen wollen sie einen Beitrag dazu leisten, die Kooperation zwischen Medienunternehmen, Universität und Forschungs-einrichtungen zu fördern und dadurch das Gewicht der medienwissenschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtungen der Universität anzuheben."
Die Stellen des Forschungsprojekts werden beim Hans-Bredow-Instituts geführt und ebenso wie der Projektbeirat von dort organisatorisch betreut. Die Universität Hamburg und das Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur stellen die Räume und die Infrastruktur für das Projekt zur Verfügung. Für zunächst 4,5 Jahre finanzieren der NDR und zu einem geringen Teil der WDR die Personalkosten und einen Teil der Sachkosten.