Faszinierend verführerisch: Medien in den Lebenswelten von Kindern

Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe nachgedacht - Geisteswissenschaften in Hamburg, am Montag, den 23. April 2007 in der Spiegelkantine, Hamburg

Hamburg, 17.04.2007

Medien spielen in den Lebenswelten von Kindern eine wichtige Rolle. Die Medienumgebungen, in denen sie aufwachsen, sind aufgrund technischer Innovationen einem stetigen Wandel unterworfen. Aufgabe der Medienforschung ist es, diese Entwicklungen zu beobachten und kritisch-konstruktiv zu begleiten. Am Beispiel zahlreicher aktueller Kinderangebote und anhand verschiedener Studien zeigen die Kommunikationswissenschaftler Uwe Hasebrink und Claudia Lampert, wie sich Kinder heute Medienangebote aneignen und welche Herausforderungen sich dadurch ergeben.

Die Diskussion über mögliche negative Wirkungen von Medienangeboten auf Kinder und Jugendliche bewegt die Gemüter. Gegenseitige Schuldzuweisungen an die Medien einerseits sowie an die Eltern, Lehrer und "die Gesellschaft" andererseits sind an der Tagesordnung. Bei Erwachsenen, Eltern und Pädagogen ist großes Unbehagen und Unsicherheit gegenüber dem Umgang von Kindern mit den Medien zu spüren. Heranwachsende hingegen fühlen sich angesichts der Berichterstattung über "Medienverwahrlosung" und "killerspielende" Kinder und Jugendliche und entsprechende politische Aktionsprogramme oft unverstanden.

Im Sinne des Titels der Veranstaltungsreihe lädt der Vortrag zum Nachdenken ein: Ein sorgfältiger Blick auf die Rolle der Medien in den Lebenswelten heutiger Kinder soll helfen, allzu einseitige Perspektiven und vorschnelle Wirkungsannahmen zu vermeiden, und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.

Der Blick auf das Thema soll aus drei Perspektiven erfolgen:

  • Der Umgang von Kindern mit den Medien muss in allgemeine Veränderungen von Kindheit eingeordnet werden, die unter anderem mit Schlagworten wie Kommerzialisierung und Mediatisierung beschrieben werden. Bereits Babys und Kleinkinder werden heute als Konsumenten von morgen umworben und mit entsprechenden Medienangeboten versorgt. Bezeichnungen wie "digital natives" für Kinder der heutigen Generation verweisen darauf, dass diese ganz selbstverständlich in digitalen Medienumgebungen aufwachsen, die vielen Erwachsenen noch fremd sind.
  • Am Beispiel ausgewählter Angebote soll beleuchtet werden, worin bei den Medien-angeboten das Faszinierende und Verführerische liegt. Der Blick auf die mit ihnen verbundenen Vermarktungsstrategien soll eine Vorstellung davon vermitteln, in welchen weit verzweigten und vielschichtigen medialen bzw. virtuellen Welten sich Heranwachsende heute bewegen.
  • Die dritte Perspektive rückt die kindlichen Mediennutzer selbst in den Mittelpunkt: Hier geht es einmal um die Frage, zu welchen Angeboten Heranwachsende welchen Alters bereits Zugang haben und in welchem Umfang sie diese nutzen. Vor allem aber geht es darum, der Faszination der Medien aus Sicht von Kindern und Jugendlichen auf die Spur zu kommen: Welche Angebote, Themen und Figuren sind es, die sie faszinieren, und für welche Zwecke nutzen sie diese? Ergebnisse verschiedener Studien zeigen, dass den Medien für Heranwachsende, die im Rahmen ihrer psychischen und sozialen Entwicklung nach Orientierung suchen, ein zentraler Stellenwert zukommt.

Wissenschaft kann und soll Eltern, Lehrern, Medienanbietern und Politikern mit theoretischer Reflexion und mit abgesicherten empirischen Befunden darüber, wie Kinder mit den Medien umgehen, Stoff zum Nachdenken geben. Sie hilft damit, sowohl die Faszination und das Entwicklungspotenzial als auch die potenziell beeinträchtigenden Auswirkungen der Mediennutzung von Kindern ernst zu nehmen.

Weitere Informationen zur Reihe nachgedacht - Geisteswissenschaften in Hamburg und zu den anderen Veranstaltungen im Rahmen dieser Reihe finden Sie unter www.nachgedacht-hamburg.de.

nachgedacht ist eine Initiative von: Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, Bucerius Kunst Forum, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Hamburger Institut für Sozialforschung, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Körber-Stiftung, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Universität Hamburg, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
Aus Anlass des Jahres der Geisteswissenschaften 2007. Unter der Schirmherrschaft von Senator Jörg Dräger, Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung, Hamburg, und mit freundlicher Unterstützung des Spiegel-Verlags.