Deutsche Internetnutzer bleiben Nachrichten aus Tageszeitungen und Fernsehen treu

Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Survey 2013“ zur Nachrichtennutzung im internationalen Vergleich veröffentlicht

Hamburg, 20. Juni 2013. Bei ihrer Nachrichtennutzung halten die deutschen Internetnutzer etablierten Nachrichtenmedien die Treue: Im Vergleich zu anderen Ländern wenden sie sich häufiger Tageszeitungen, Fernseh- oder Radionachrichten zu, während Online-Nachrichten eine geringere Rolle spielen. Dies ist eines der Ergebnisse des heute veröffentlichten „Reuters Institute Digital News Survey 2013“. „Im internationalen Vergleich scheint das dicht ausgebaute Netz regionaler und lokaler Tageszeitungen sowie der leistungsfähige öffentlich-rechtliche Rundfunk dazu beizutragen, dass die betreffenden Anbieter ihr Publikum besser halten können, als das in anderen Ländern der Fall ist“, erklärt Prof. Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Instituts, das die Befunde zu Deutschland erarbeitet hat.

Der Bericht basiert auf repräsentativen Online-Befragungen der Internetnutzer in neun Ländern, außer Deutschland wurden im Januar 2013 Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Japan, die USA sowie städtische Regionen Brasiliens untersucht. Die Studie liefert international vergleichende Befunde zu der Frage, über welche Geräte, Plattformen und Anbieter Menschen heute Nachrichten nutzen. Koordiniert wird die Studie vom Reuters Institute for the Study of Journalism (RISJ) an der Universität Oxford; das Hans-Bredow-Institut in Hamburg beteiligte sich daran als deutscher Partner.

Für alle untersuchten Länder gilt, dass sich das Spektrum der technischen Verbreitungswege und Informationsdienste erheblich ausdifferenziert hat und dass Nachrichten mittlerweile über eine große Zahl von Endgeräten, vom Fernseher über den klassischen Radioempfänger, PCs und Laptops bis hin zu Tablets und Mobiltelefonen genutzt werden. Unterschiede zeigen sich hingegen in der relativen Bedeutung der verschiedenen Wege, sich zu informieren. Neben Deutschland gehört auch Frankreich zu den Ländern, die eine enge Bindung an etablierte Nachrichtenanbieter zeigen. Im Gegensatz dazu stehen bei den Nutzern in Japan und den USA eindeutig Online-Quellen im Vordergrund.

Publikumsbeteiligung über Soziale Netzwerke

Auch im Hinblick auf die aktive Beteiligung am Nachrichtenaustausch unterscheiden sich die Länder erheblich: In Brasilien (38%), Spanien (27%), Italien (26%) und den USA (21%) geben deutlich mehr Internetnutzer über ein soziales Netzwerk Kommentare zu aktuellen Nachrichten ab als in Großbritannien (10%) oder Deutschland (8%).

Nutzung von Live Blogs

Live Blogs, in denen aktuell über herausragende Ereignisse oder Sportveranstaltungen berichtet wird, werden von mehr als einem Drittel (35%) der Japaner mindestens wöchentlich genutzt; auch unter Franzosen (19%), Italienern (16%) und Spaniern (16%) ist diese Form der Nachrichtennutzung recht geläufig, während sie in Dänemark und Deutschland recht niedrig liegt (jeweils 8%). Dies scheint zu dem weiteren Befund zu passen, dass die Onlinenutzer in diesen beiden Ländern am ehesten dazu neigen, längere Artikel zu lesen – mehr als 40 Prozent geben das an –, während in den anderen Ländern die Online-Nachrichtennutzung eher vom Scannen von Schlagzeilen geprägt wird.

Ergebnisse zur Situation in Deutschland

Der heute veröffentlichte Gesamtbericht enthält auch einen Artikel von Uwe Hasebrink und Sascha Hölig vom Hans-Bredow-Institut zu den im internationalen Vergleich auffälligen Ergebnissen für Deutschland. Sie betonen, dass diese nicht unbedingt als eine besondere Skepsis der deutschen Nachrichtennutzer gegenüber neuen Angebotsformen und damit als „technologische Rückständigkeit“ zu interpretieren sind, denn genutzt werden die neuen Optionen durchaus. Die Ergebnisse dokumentieren vielmehr ein über Jahrzehnte gewachsenes Vertrauen in etablierte Nachrichtenanbieter.

Bericht zum Download

Den vollständigen Bericht (pdf-Datei) können Sie hier herunterladen: https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/fileadmin/documents/Publications/Working_Papers/Digital_News_Report_2013.pdf

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier: http://www.digitalnewsreport.org/ (Englisch) und auf der Projektseite des Hans-Bredow-Instituts (Deutsch)

Kontakt

Prof. Dr. Uwe Hasebrink

Dr. Sascha Hölig, Tel. 040 450 217 84

Information zum Reuters Institute for the Study of Journalism:

Das Institut wurde 2006 von der Thomson Reuters Foundation gegründet; es ist angesiedelt am Department of Politics and International Relations an der University of Oxford. Das Institut ist ein international aktives Forschungszentrum für vergleichende Journalismusforschung, das in seiner Forschung eine globale Perspektive verfolgt und Forschern unterschiedlichster Disziplinen ein Forum bietet, um mit Journalisten aus aller Welt zusammenzukommen. Mehr unter http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/