Computer erobern das Kinderzimmer
Vorabergebnisse einer repräsentativen Studie
Hamburg, den 27.3.1998
Jeder zweite deutsche Haushalt mit Kindern zwischen 6 und 17 Jahren besitzt einen Computer. Fast 40 Prozent dieser Computer stehen im Zimmer des Kindes bzw. Jugendlichen. Einer Studie des Hans-Bredow-Instituts zufolge spielt jedes Kind mit PC täglich mehr als 37 Minuten damit, Jungen sogar fast 50, Mädchen nur 18 Minuten pro Tag. In 27 Prozent der untersuchten Haushalte wird zudem ein Tamagotchi gepflegt. Jedes dritte Mädchen, aber weniger als jeder vierte Junge besitzt ein solches elektronisches Haustier. Die computervermittelten Medien dienen jedoch nicht bloß zum Zeitvertreib, sondern werden für ganz unterschiedliche Zwecke verwandt. 22 bzw. 23 Minuten täglich nutzen Mädchen und Jungen ihr Gerät fürs Arbeiten. Knapp 6 Prozent der Kinder haben zu Hause Zugang zum Internet.
Männliche Jugendliche sind im Durchschnitt besser ausgestattet: 26 Prozent der männlichen, aber nur 12 Prozent der weiblichen Jugendlichen haben ihren PC im eigenen Zimmer immer verfügbar. Der Besitz eines Computers hängt zudem vom Familieneinkommen ab: Kinder aus Haushalten mit höherem Einkommen haben zu 60 Prozent einen Computer, solche aus Familien mit mittlerem Einkommen zu 36 Prozent und solche aus Familien mit niedrigem Einkommen nur zu 27 Prozent.
Haushalte mit Kindern verfügen im Schnitt über eine sehr viel bessere Computerausstattung als Haushalte ohne Kinder. Eltern geben sich also Mühe, ihrem Nachwuchs neue Technologien zugänglich zu machen. Das staatliche Bildungssystem hingegen tut sich schwer mit den neuen Medien: Mehr als 70% aller Schulkinder hat in der Schule noch nie einen PC bedient.
Die wissenschaftliche Studie des Hans-Bredow-Instituts wird von der Hamburgischen Anstalt für Neue Medien, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen sowie der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen gefördert. Die Ergebnisse beruhen sowohl auf qualitativen Untersuchungen als auch auf einer repräsentativen Umfrage, bei der 1.234 Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren und die Eltern jedes zweiten Kindes befragt wurden.
Parallele Untersuchungen mit vergleichbaren Instrumenten werden derzeit auch in Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, den Niederlanden, Schweden, in der Schweiz und in Spanien durchgeführt.