50 Jahre Hans-Bredow-Institut

Hamburg, 6.6.2000

Mit einem wissenschaftlichen Symposium und einem festlichen Empfang im Kaisersaal des Hamburger Rathauses wird das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung am 15./16. Juni seinen 50. Geburtstag feiern. 1950 wurde das Institut vom damaligen NWDR und der Universität Hamburg als eigenständige Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet, um "die wissenschaftliche Erforschung der Probleme des Rundfunks und des Fernsehens zu fördern". Seitdem erforscht das Hans-Bredow-Institut insbesondere die jeweils neuen Medien, zunächst den Hörfunk, dann das Fernsehen und heute verstärkt den Bereich der digital verbreiteten öffentlichen Kommunikation. In seiner Stellungnahme zum Hans-Bredow-Institut hat der Wissenschaftsrat 1999 dessen Bedeutung für die Medienforschung hervorgehoben und das Institut zu den renommiertesten Fachinstituten in Deutschland gezählt.

Das Hans-Bredow-Institut wurde benannt nach dem Staatssekretär und Rundfunk-Kommissar im Reichspostministerium der Weimarer Republik, Hans Bredow (1879-1959), der sich in der Weimarer Republik als Pionier der technischen Rundfunkentwicklung einen Namen machte und dem 1954 für seine Verdienste beim Aufbau der Organisationsstrukturen des Rundfunks in der Bundesrepublik-das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.

Das Besondere an der Medienforschung des Hans-Bredow-Instituts war von Anfang an seine interdisziplinäre Ausrichtung, die ihren Ausdruck auch in der fachlichen Orientierung der jeweiligen Direktoren gefunden hat: Von 1950-1967 war mit Egmont Zechlin ein Historiker, von 1968-1970 mit Hans Wenke ein Erziehungswissenschaftler, von 1971-1979 mit Janpeter Kob ein Soziologe Leiter des Instituts. Von 1979-1995 wurde das Institut von dem Rechtswissenschaftler Wolfgang Hoffmann-Riem geleitet, von 1995-1998 von dem Politik- und Publizistikwissenschaftler Otfried Jarren. Seit Sommer 1998 liegt die wissenschaftliche Leitung und Verwaltung des Instituts bei einem Direktorium, dem - zunächst neben Hoffmann-Riem - heute Otfried Jarren und der Kommunikationswissenschaftler und Geschäftsführer des Instituts, Uwe Hasebrink, angehören.

Geschichte

Die Anfänge waren bescheiden: Im Keller des Hauptgebäudes der Universität Hamburg fing alles an, später folgte ein Umzug in die Rothenbaumchaussee und dann in die Heimhuder Straße 21, wo das Institut und seine Bibliothek noch heute zu finden sind. Für den Bereich der Publikationen wurde der Verlag Hans-Bredow-Institut gegründet. Darin erschien sehr bald die Vierteljahresschrift "Rundfunk und Fernsehen", ferner eine wissenschaftliche Schriftenreihe, das "Internationale Handbuch für Hörfunk und Fernsehen" und die "Hörwerke der Zeit", literarisch bedeutsame Hörspiele. Schon früh wurde auch die Bibliothek für Studenten und andere Interessierte geöffnet. Der Aufbau eines Instituts "für Rundfunk und Fernsehen" erfolgte damals ohne Vorbilder; der Bedarf nach wissen-schaftlichen Erkenntnissen im Bereich des Hörfunks und des Fernsehens wuchs jedoch rasch. So war das Institut beteiligt am Aufbau der NWDR-Hörerforschung und später an der Kritik und Analyse von Fernsehsendungen, die Mitarbeiter lehrten an der Universität und übertrugen die amerikanische empirische Hörer- und Zuschauerforschung erstmalig nach Deutschland. Als erstes größeres empirisches Projekt wurde 1968 die Studie "Fernsehen im Leben der Erwachsenen" publiziert. In den 70ern standen dann vor allem die Nachrichten und die lokale Kommunikation im Mittelpunkt der Arbeit, großes öffentliches Interesse fand außerdem die Begleituntersuchung zur "Sesamstraße".

Mit dem medienpolitischen Umbruch in den 80er Jahren und der Einführung des privaten Rundfunks wuchs die Bedeutung der Medienforschung. Das Hans-Bredow-Institut war vor allem aufgrund seiner interdisziplinären Kompetenz gefragt, aufgrund der Kombination rechts- und sozialwissenschaftlicher Forschung, die seit 1979 durch den Direktor Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem gefördert wurde. Die internationalen Kontakte wurden ausgebaut, und Besucher aus aller Welt und Einladungen in alle Welt dokumentieren, dass das Institut auch international zur Kenntnis genommen und als Kommunikationspartner gesucht wurde. Die 90er erweiterten dann mit den Neuen Medien Computer, Online-Medien und Internet den Gegenstandsbereich der Forschung des Instituts. Den Anspruch, öffentliche Kommunikation in Bezug auf alle Medien zu untersuchen, bekräftigte das Institut auch durch eine Namensänderung: Aus dem Institut "für Rundfunk und Fernsehen" wurde das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, aus der Zeitschrift "Rundfunk und Fernsehen" wurde mit dem Jahr 2000 "Medien & Kommunikationswissenschaft".

Heutige Arbeitsbereiche und Projekte

Heute forscht das Hans-Bredow-Institut in fünf Arbeitsbereichen, zwischen denen ein reger Austausch besteht: Medien-/Telekommunikationsrecht, Medienpolitik und Mediensystem, Medienorganisation und Medienwirtschaft, Mediennutzung und Medienwirkung sowie Medienangebote und Medienkultur. Daneben betreuen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Publikationen und bieten Serviceleistungen für die Öffentlichkeit.

Die Forschung des Hans-Bredow-Instituts bezieht sich stets auf aktuelle gesellschaftliche Probleme, sie umfasst sowohl die schnelle und gleichwohl wissenschaftlich fundierte Expertise als auch grundsätzliche empirische und theoretische Arbeiten.

Ein Beispiel ist eine Studie des Instituts, die 1999 die Darstellung Ostdeutschlands im Fernsehen analysierte und hierbei das Problem der Wahrnehmungs- und wechselseitigen Verständnisbarrieren zwischen der west- und ostdeutschen Gesellschaft aufgriff.

Die Real Life Soap "Big Brother" ist derzeit Anlass, sich über die Qualität von Medienangeboten Gedanken zu machen und die Diskussion darüber zu fördern, welche Konsequenzen es für die kulturellen Grundlagen einer Gesellschaft hat, wenn das, was bislang als privat und intim galt, nun in Talkshows und Real Life Soaps öffentlich wird.

Ebenfalls Bestandteil der Institutsarbeit sind unmittelbar praxisrelevante Studien und Gutachten, etwa zu Qualifikationsbedarfen und -möglichkeiten im Rundfunk- und Multimedia-Bereich oder zu der Frage, wie der Medienbereich künftig rechtlich geregelt werden kann.

Finanzierung

Jeweils von Jahr zu Jahr auf Antrag des Instituts gewährte Zuwendungen bilden die finanzielle Basis der Institutsarbeit. Dazu kommen Einnahmen aus Forschungsprojekten und Verlagserzeugnissen. Die Zuwendungen kommen aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg, der NDR Media GmbH, der Westdeutschen Rundfunkwerbung, der ARD-Werbung, des Zweiten Deutschen Fernsehens, der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten sowie der Medienstiftung Hamburg. Daneben arbeitet das Institut mit einer Vielzahl von Medienunternehmen und -organisationen im Rahmen von Drittmittel- und Auftragsprojekten zusammen. Neben den Partnern im Bereich der klassischen Medien ergeben sich zunehmend Kooperationen mit Akteuren aus dem Multimedia-Bereich; so konnte neben der Stadt Hamburg AOL als Hauptsponsor für die Aktivitäten zum 50jährigen Jubiläum gewonnen werden.

Perspektiven

Aus Anlass des 50. Geburtstags veranstaltet das Institut am 15./16. Juni 2000 ein wissenschaftliches Symposium, das sich mit den Funktionen, Aufgaben und Strukturen der Medienforschung auseinandersetzt. Diese Veranstaltung ist Teil einer Reihe von Aktivitäten, mit denen sich das Institut derzeit auf die sich rasch ändernde Medienlandschaft einstellt. Die Vision ist klar: Das Institut will seine Rolle als ein maßgeblicher Knoten in einem Netzwerk unabhängiger Einrichtungen, die sich mit der kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Bedeutung von Medien und öffentlicher Kommunikation beschäftigen, bewahren und ausbauen - auch auf internationaler Ebene. Hierzu bedarf es einer verlässlichen finanziellen Grundlage und einer Lösung der derzeit akuten Raumprobleme. Das Institut ist zuversichtlich, diese Grundvoraussetzungen in Kooperation mit seinen Zuwendungsgebern und anderen Kooperationspartnern aus dem Medienbereich sichern zu können. Denn angesichts der heutigen Mediensituation erweist sich die Entscheidung der damaligen Gründer als sehr vorausschauend; hätten sie das Institut nicht bereits damals gegründet, wäre es spätestens jetzt Zeit dafür.