Abstracts für M&K 2/2007
Richard Collins: The BBC and "public value"
The paper identifies the roots of 'public value' management in the work of the American scholar Mark Moore, describes its mediation to the UK and its adoption by the BBC as a regulatory as well as a management doctrine. The author proposes that the BBC's adoption of public value doctrine responds to critique of the BBC's divergence from public service principles in its broadcasting practice and to the challenges of the contemporaneous review of the BBC's Charter. The paper describes the Work Foundation's public value model of authorisation, creation and measurement of public value and its application to the BBC. It evaluates the concepts of co-production and contestation (derived from Mark Moore) and reach, impact, quality and value for money (the four public value 'drivers' adopted by the BBC) and considers Hirschman's 'exit, voice and loyalty' model of institutional responsiveness to users and the applicability of the concepts 'consumer' and citizen' to the BBC's public value doctrine and practice. The paper concludes that the Moorean core concepts 'co-production' and 'contestation' are of limited applicability to the BBC and that the BBC's distinctive status and scale may limit the relevance of its pathbreaking implementation of public value management to other parts of the UK's public cultural sector.
Keywords: BBC, public value, co-production, contestation, UK public cultural sector, Work Foundation, Hirschman, four drivers - reach, impact, quality, value for money.
Thomas
Hanitzsch / Klaus-Dieter Altmeppen: Über das Vergleichen: Komparative
Forschung in deutschen kommunikationswissenschaftlichen Fachzeitschriften
1948-2005
Die vorliegende Studie zieht eine inhaltsanalytische Bilanz aus mehr aus einem halben Jahrhundert ländervergleichender Forschung in den drei führenden deutschen kommunikationswissenschaftlichen Fachzeitschriften Medien & Kommunikationswissenschaft (Rundfunk und Fernsehen), Publizistik und Media Perspektiven. Dabei offenbart sich - trotz eines positiven Trends, der in den 1990er Jahren einsetzt - ein größerer Nachholbedarf im Hinblick auf die Beachtung grundlegender Qualitätsstandards. So liefern die meisten Studien keinerlei Begründung für das komparative Vorgehen und die Auswahl der Länder. Zudem ist die vergleichende Forschung nur ungenügend in eine theoretische Perspektive eingebettet, der größte Teil der untersuchten Arbeiten ist atheoretischer Natur. Zu wichtigen Qualitätsstandards wie der Äquivalenz von Datenerhebungsmethoden, Forschungsinstrumenten, Erhebungszeiträumen, Grundgesamtheiten und Verfahren der Fallauswahl fehlen oftmals hinreichende Angaben.
Schlagwörter: Komparative Forschung, methodologische Standards, Inhaltsanalyse
Rudolf Stöber: Vom deutsch-französischen Krieg zum Zweiten Weltkrieg. Kriegsberichterstattung zwischen journalistischen Routinen und politischer Propaganda
Wie groß ist in der Kriegsberichterstattung der Grad journalistischer Autonomie? Quellen, die diese Frage explizit klären würden, sind rar. Mit der Methode der historischen Quellenkritik überprüft der Aufsatz die Frage für die letzten drei großen Kriege, die Deutschland führte (1870/71, 1914-18 und 1939-45). Input und Verarbeitung von Presseorganen, die unterschiedlicher Programmatik folgen, werden miteinander verglichen. Ein Indizienbeweis untersucht anhand dreier zentraler Medienfunktionen (Informations-, Meinungsbildungs- und Orientierungsfunktion) den journalistischen Gestaltungsspielraum. Dabei zeigen sich signifikante Unterschiede, die sich durch die maßgebliche Randbedingung der Kriegsberichterstattung, das tangierte politische Interesse, erklären lassen. Generell gilt: Nicht Zensur schränkt Kriegsberichterstattungsautonomie am weitesten ein, sondern positive Pressepolitik - v.a. wenn sie journalistische Routinen nutzt. Im Ausblick werden Konsequenzen der Kriegsberichterstattung für das journalistische System erörtert.
Schlagwörter: Kriegsberichterstattung, Pressepolitik, Medienfunktionen, Journalismus, Propaganda, Mediengeschichte
Birgit Stark: Programmauswahl in digitalen Fernsehwelten: Der EPG als Gatekeeper? Ergebnisse einer Nutzerbefragung
Seit über zehn Jahren sind in Deutschland digitale Fernsehangebote empfangbar. Nicht nur die Verspartung der Programme sondern auch die größere Vielfalt macht die digitale Fernsehwelt für den Zuschauer unübersichtlich. Orientierungshilfe in der neuen Programmfülle soll der Elektronische Programmführer (EPG) bieten. Das Spektrum möglicher Funktionen und damit die Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Angebote sind groß. Die hier vorgestellte Untersuchung präsentiert EPG-Nutzungsdaten, die im Rahmen einer Nutzerstudie zum digitalen Fernsehen aus der Uses-and-Gratifications-Perspektive erhoben wurden. Mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens wurden rund 600 digitale Fernsehabonnenten eines Kabelnetzbetreibers postalisch interviewt. Die Ergebnisse bestätigen zum einen die Schlüsselfunktion von EPGs im digitalen Fernsehen, da eine hohe Nutzungsintensität zu differenzierter Kanalkenntnis und -nutzung führt. Zum anderen zeigen sich auch unterschiedliche Verwendungszusammenhänge, die maßgeblich von etablierten Fernsehgewohnheiten und Programmsuchstrategien beeinflusst werden. Alles in allem haben EPGs langfristig das Potenzial, weitaus mehr als nur Bildschirm-Programmzeitschriften zu werden.
Schlagwörter: Digitales Fernsehen, Programmauswahl, Publikumsaktivität, Elektronische Programmführer, Fernsehnutzung
Carsten Winter: (Raymond Williams 1921-1988 - Medien- und Kommunikationsforschung für die Demokratisierung von Kultur und Gesellschaft
Der Beitrag stellt Williams' materialistische und vermittlungstheoretische Konzeptualisierung medialer Kommunikation dar, die maßgeblich durch sein Interesse an der Demokratisierung von Kultur und Gesellschaft bestimmt ist. Sie begründet mit den Arbeiten "Culture & Society" (1958), "The Long Revolution"(1960) und "Communications"(1962) im angelsächsischen Raum ein neues Verständnis medialer Kommunikation als schöpferische Praxis, bei der Leute ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen mit ihren konkreten Lebensbedingungen vermitteln und dabei konstruieren, konstituieren und verändern können. Das belegen "Television: Technology and Cultural Form" (1974) und spätere Schriften. Sie thematisieren spezifische Aspekte dieser Vermittlung differenzierter und materialistischer und gewinnen im Kontext aktueller Theorien zu Flows, Netzwerken und Konnektivitäten medialer Kommunikation an Bedeutung.
Schlagwörter: Kultur, Demokratie, Cultural Studies, Technologie, "mobil- und "planned-flow", kultureller Materialismus, Kritik an Massenkommunikation, Kommunikationsgeschichte