Presse-Informationen

 

Kontakt und weitere Informationen:

Christiane Matzen, Telefon: 040/450 217-41, c.matzen[at]hans-bredow-institut.de

30.10.2007

Hans-Bredow-Institut präsentiert Ergebnisse der Evaluation des Jugendmedienschutzes
Die Neukonzeption des Jugendmedienschutzes 2003 hat das Niveau des Jugendschutzes verbessert – Die neuen Systeme der „Regulierten Selbstregulierung“ spielen sich ein – Defizite gibt es im Vollzug der gesetzlichen Regelungen – Die Regulierung von Bund und Ländern sollte wegen der Konvergenz im Medienbereich weiter verzahnt werden mehr
(Presseinfo als pdf-file)

28.6.2007

Mehr Transparenz für bessere Akzeptanz
Hans-Bredow-Institut veröffentlicht Studie zum Jugendschutzsystem im Bereich Video- und Computerspiele

Akzeptanz und Nachvollziehbarkeit des Jugendschutzes im Bereich Video- und Computerspiele könnten durch eine konsistentere und transparentere Praxis verbessert werden, so die Schlussfolgerung des Berichts vom Hamburger Hans-Bredow-Institut. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Länder untersucht das Institut derzeit, ob und inwieweit der Jugendmedienschutz effektiv funktioniert. Der Bereich der Video- und Computerspiele wurde dabei aufgrund der aktuellen Diskussion vertieft und vorgezogen ... mehr
(Presseinfo als pdf-file)

14.07.2007

Faszinierend verführerisch: Medien in den Lebenswelten von Kindern
Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe nachgedacht - Geisteswissenschaften in Hamburg am 23. April 2007, 19 Uhr, in der Spiegelkantine

Am Beispiel zahlreicher aktueller Kinderangebote und anhand verschiedener Studien zeigen die Kommunikationswissenschaftler Uwe Hasebrink und Claudia Lampert, wie sich Kinder heute Medienangebote aneignen und welche Herausforderungen sich dadurch ergeben. (Presseinfo als pdf-file)

21.11.2006

Hintergrundinformationen "Killerspiele": Im Zusammenhang mit dem Amoklauf in einer Schule in Emsdetten werden erneut Computerspiele dafür verantwortlich gemacht, dass Kinder und Jugendliche Gewalttaten begehen, und es wird erneut die Frage nach der rechtlichen Kontrolle medialer Gewalt gestellt. Hierzu hat das Hans-Bredow-Institut einige Hintergrundinfos zusammengestellt (pdf-file).

06.06.2005 Werbung und Programm: Warnung vor Streichung des Trennungsgrundsatzes in EU-Fernsehrichtlinie
Direktor des Hans-Bredow-Instituts fordert Unterscheidung von Fiktionalem und Berichterstattung / Für Direktor der HAM steht Trennungsgrundsatz nicht zur Disposition

21.06.2004

Bredow-Institut Hans-Bredow-Institut erarbeitet Grundlage zum Medienbericht der Bundesregierung
Direktorium auf 100. Kuratoriumssitzung wiedergewählt

03.07.2003

Medientreff im Hans-Bredow-Institut
Vorstellung des Forschungsberichts 2003

13.06.2002 �Exzellentes Beispiel für wissenschaftliche Poltikberatung�: Jahresempfang 2002 des Hans-Bredow-Instituts im Zeichen des Themas �Jugend und Medien�
15.04.2002 Aggressiver Humor in der Comedy-Show �TV total�
13.03.2002 Neue Professorin für Medienwissenschaft in Hamburg
01.10.2001 Computerspiele - Medienangebot mit Zukunft
12.07.2001 Hans-Bredow-Institut verabschiedet Otfried Jarren
03.07.2001 Neues Direktorium im Hans-Bredow-Institut
26.06.2001

Europas Kinder leben in eigener Medienwelt. Europäische Studie zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit den neuen Medien erschienen

25.06.2001 Hans-Bredow-Institut und Universität Hamburg besetzen gemeinsame Professur
09.03.2001 Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland gegründet
07.03.2001 Bibliothek des Bredow-Instituts online
16.06.2000 Hoffmann-Riem Ehrenmitglied des Direktoriums
06.06.2000 50 Jahre Hans-Bredow-Institut
07.04.2000 Rundfunk und Fernsehen erscheint unter dem neuen Namen Medien & Kommunikationswissenschaft
03.04.2000 Qualifikationsbedarfe in der professionellen Multimediaproduktion in Hamburg und Niedersachsen
26.11.1999 Direktor des Hans-Bredow-Instituts wird Verfassungsrichter
09.06.1999 Multimediaforschung am Multimediastandort Hamburg
21.05.1999 Wissenschaftsrat attestiert dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg hohen Leistungsstandard. Pressemitteilung des Wissenschaftsrats
07.05.1999 Tabellenband mit Befragungsergebnissen erschienen
16.07.1998 Hans-Bredow-Institut mit neuer Leitung
27.03.1998 Computer erobern das Kinderzimmer

Hans-Bredow-Institut präsentiert Ergebnisse der Evaluation des Jugendmedienschutzes

Bericht komplett online abrufbar (pdf-file, 1.951 kb, 394 Seiten)
Zusammenfassung der Ergebnisse (pdf-file, 12 Seiten)
Presse-Mitteilung als pdf-file
Teilstudie des JFF zur Akzeptanz des Jugendmedienschutzes

Die Neukonzeption des Jugendmedienschutzes 2003 hat das Niveau des Jugendschutzes verbessert – Die neuen Systeme der „Regulierten Selbstregulierung“ spielen sich ein – Defizite gibt es im Vollzug der gesetzlichen Regelungen – Die Regulierung von Bund und Ländern sollte wegen der Konvergenz im Medienbereich weiter verzahnt werden.

Das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung hat die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation des Jugendmedienschutzes vorgestellt. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Länder hat das Institut untersucht, ob und inwieweit der Jugendmedienschutz effektiv funktioniert. Die Untersuchung analysiert das Jugendschutzgesetz des Bundes und den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder, die beide 2003 in Kraft traten.

Insgesamt hat die Novelle 2003 das Niveau des Jugendschutzes verbessert. Die Einbeziehung von Computerspielen (USK-Kennzeichen) in das vom Kino bekannte System der Altersfreigaben im Jugendschutzgesetz bringt – trotz der teilweise berechtigten Kritik – eine effektivere Vertriebslenkung. Weitere Verbesserungen sind hier denkbar beim Verfahren der Begutachtung, der Gestaltung der Kennzeichen und im Hinblick darauf, dass beim Blick auf die Verpackungen die deutschen mit den europäischen PEGI-Kenn¬zeichen „konkurrieren“. Dies hatte das Institut bereits in seinem vorgezogenen Bericht zu Computer- und Videospielen festgestellt, der Ende Juni 2007 veröffentlicht wurde.

Die Evaluation belegt, dass sich bei Telemedien und Rundfunk das System der regulierten Selbstregulierung zunehmend als funktionale Regulierungsform erweist. Bei Telemedien, also v. a. Angeboten im Internet, sind mit der Einrichtung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) als zentralem Ansprechpartner verbesserte Aufsichtsstrukturen entstanden. Allerdings sind die Verfahren bei der KJM zu komplex, so dass es über ein Jahr dauern kann, bis Verstöße geahndet werden. Die Zusammenarbeit von KJM und den Selbstkontrolleinrichtungen Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) spielt sich ein, zum Teil gibt es aber noch Optimierungsmöglichkeiten. Die Stelle jugendschutz.net, die die KJM unterstützt, ist mit ihrer Online-Kompetenz für die Aufsicht bei Telemedien von entscheidender Bedeutung. Ihre Aufgaben sollten jedoch noch klarer zugeschnitten werden.

Der prinzipiell sinnvolle gesetzliche Ansatz, den Zugang zu entwicklungsbeeinträchtigenden Telemedien über technische Jugendschutzprogramme zu steuern, die von der KJM anerkannt werden müssen, ist bislang in der Praxis nicht umsetzbar; hier bedarf es einer gesetzlichen Nachsteuerung.

Der Evaluationsbericht nennt zahlreiche weitere Stellen, an denen das System des Jugendschutzes verbessert werden kann (s. Zusammenfassung der Ergebnisse). Aufgrund der Entwicklung im Medienbereich kommt es z. B. vermehrt zu Überschneidungen bei den Aufgaben der verschiedenen Institutionen, die zu unproduktiver Doppelarbeit führen, etwa wenn bereits geprüfte Fernsehserien für die DVD-Auswertung noch einmal von einer anderen Institution geprüft werden. Der Bericht diskutiert Möglichkeiten einer besseren Verzahnung der Arbeit aller Selbstkontrollen.

Vor dem Hintergrund einer vom JFF - Institut für Medienpädagogik durchgeführten Teilstudie zur Akzeptanz des Jugendschutzes bei Eltern, Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften stellt die Evaluation fest, dass der Jugendmedienschutz dort im Grunde akzeptiert wird, im Alltag aber an Grenzen stößt. Minderjährige nutzen Medien zunehmend zeitlich und räumlich autonom, so dass ihre Mediennutzung aus dem Blick der Eltern gerät. Wo sich die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen von der der Erwachsenen entfernt – etwa bei Computerspielen – sind Eltern in der Medienerziehung dringend auf Unterstützung angewiesen. Nur im Zusammenwirken aller Verantwortlichen (Industrie einschließlich der Gerätehersteller, Kontroll- und Beratungsinstanzen, Verbände, Eltern, Schulen und die Minderjährigen selbst) wird es gelingen, die Risiken zu mindern.

Projektteam: Inka Brunn, Stephan Dreyer, Prof. Dr. Uwe Hasebrink, Dr. Thorsten Held, Dr. Claudia Lampert, Christine Scheunert und Dr. Wolfgang Schulz (Projektleitung)

In Kooperation mit: JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

Unterstützt durch: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (MPFS)

Endbericht: Hans-Bredow-Institut: Analyse des Jugendmedienschutzsystems – Jugendschutzgesetz und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Endbericht, Oktober 2007, 394 S.


Mehr Transparenz für bessere Akzeptanz
Hans-Bredow-Institut veröffentlicht Studie zum Jugendschutzsystem im Bereich Video- und Computerspiele

Bericht komplett online abrufbar (pdf-file, 879 kb, 177 Seiten)
Beilage: Expertisen
Presse-Mitteilung als pdf-file

Akzeptanz und Nachvollziehbarkeit des Jugendschutzes im Bereich Video- und Computerspiele könnten durch eine konsistentere und transparentere Praxis verbessert werden, so die Schlussfolgerung des Berichts vom Hamburger Hans-Bredow-Institut. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Länder untersucht das Institut derzeit, ob und inwieweit der Jugendmedienschutz effektiv funktioniert. Der Bereich der Video- und Computerspiele wurde dabei aufgrund der aktuellen Diskussion vertieft und vorgezogen.

Die Rahmenbedingungen für einen wirksamen Jugendmedienschutz im Bereich der Video- und Computerspiele sind durch die Gesetzesreform von 2003 grundsätzlich besser geworden. Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es jedoch Bereiche, in denen Verbesserungen möglich und sinnvoll wären. So könnten die Entscheidungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) nachvollziehbarer werden, wenn die jeweiligen Bewertungskriterien transparenter dargestellt würden. Im Bereich der Indizierung von Computerspielen könnte eine noch systematischere Kooperation zwischen USK und BPjM sicherstellen, dass die von beiden Institutionen verwendeten Kriterien möglichst gleich interpretiert werden.

Außerdem führt die grafische Darstellung der Altersfreigaben auf den Spieleverpackungen in der Praxis oft zu falschen Vorstellungen darüber, wer über die Kennzeichnung letztlich entscheidet und wie deren rechtliche Verbindlichkeit aussieht. Auch das Nebeneinander verschiedener Alterskennzeichen und -empfehlungen erweckt in der Öffentlichkeit den Eindruck, dass im Jugendmedienschutz Inkonsistenzen bestehen.

Im Hinblick auf die Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und den ordnungs- und strafrechtlichen Vollzug bei Verstößen sieht die Studie erheblichen Verbesserungsbedarf, etwa indem Ordnungsbehörden Testkäufe gestattet werden.
Das Hans-Bredow-Institut betont, dass eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Diskussion zu mehr Transparenz im Jugendmedienschutz führen müsse, damit Eltern, Kinder und Jugendliche dessen Kriterien nachvollziehen und akzeptieren könnten.

Der Bericht, der gemeinsam von Juristen und Sozialwissenschaftlern des Hans-Bredow-Instituts im aktiven Austausch mit den beteiligten Institutionen im Jugendmedienschutz erarbeitet wurde, enthält neben den Ergebnissen der Analysen auch einen ökonomischen Überblick in den Games-Sektor, aktuelle Daten zur Nutzung von Spielen durch Kinder und Jugendliche, eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse der Medienwirkungsforschung in Bezug auf Video- und Computerspiele sowie eine Darstellung der verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

  • Der § 131 StGB (Gewaltverherrlichung) ist bereits auf Computer- und Videospiele anwendbar. Einer Erweiterung des Anwendungsbereiches (also z. B. das Verbot bestimmter Spielgattungen) sind enge verfassungsrechtliche Grenzen gesetzt, da etwa ein Totalverbot auch erwachsenen Nutzerinnen und Nutzern die Inhalte vorenthält und in die Rechte der Hersteller eingreift. Auch Spiele sind nach Art. 5 Abs. 1 GG geschützte Kommunikationsinhalte. Eine Konkretisierung kann aber im Hinblick auf das derzeitige Tatbestandsmerkmal "Schildern" angezeigt sein, um den Besonderheiten von Video- und Computerspielen Rechnung zu tragen.
  • Auch wenn der Jugendmedienschutz zu Recht überwiegend auf Verfahren sachverständiger Gremien baut und sich nicht durch Kriterien-Checklisten für die Beeinträchtigung oder Gefährdung von Kindern und Jugendlichen vorprogrammieren lässt, die einfach auf Spiele anzuwenden wären, sind Konkretisierungen in diesem Bereich möglich.
  • Die Prüfungsgutachten der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) sind von sehr unterschiedlicher Struktur, Differenziertheit und Qualität. Dies ist im Hinblick auf Akzeptanz und Evaluierbarkeit nicht optimal. Eine Verbesserung könnte durch die Ausarbeitung von nach außen kommunizierten Kriterienkatalogen erfolgen, die im Rahmen der Gesamtbetrachtung eines Prüfungsgegenstandes systematisch berücksichtigt werden.
  • Inhaltlich stehen die Kriterien, die die USK derzeit anwendet, weitgehend in Übereinstimmung mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Wirkung von Computer- und Videospielen. Ausdifferenzierungen und Ergänzungen sind im Hinblick auf die konkrete Einbindung von Gewalt sowie auf Sucht- und Angstpotenzial sinnvoll. Im Hinblick auf die Kriterien, die der Altersfreigabe durch die USK zugrunde liegen, ist allerdings auf ihre verbesserungsfähige Kriterientransparenz hinzuweisen.
  • Angesichts der Zahl der zu prüfenden Spiele ist die Kritik plausibel, dass die Kapazität der Spieletester an ihre Grenzen geraten muss. Angesichts ihrer zentralen Stellung - sie präsentieren das zu prüfende Spiel dem Prüfgremium, das selbst ein Spiel nicht vollständig durchspielt - ist es für die Akzeptanz des Systems sinnvoll, die personelle Ausstattung, die Auswahl, die Schulung und die systematische Kontrolle des Testbereichs weiter zu verbessern.
  • Auch im Hinblick auf die Kennzeichen selbst ist eine Umgestaltung empfehlenswert. Die zentrale Altersangabe der Kennzeichen ist nicht hinreichend auffällig gestaltet; zudem kommt es in der Praxis zu Fehlinterpretationen, etwa hinsichtlich der Verbindlichkeit (sie kann als Empfehlung interpretiert werden) und dem Urheber der Kennzeichnungsentscheidung. Das Problem verschärft sich dadurch, dass die USK-Kennzeichen nicht selten in optischer Konkurrenz zu - teils abweichenden - Altersempfehlungen des europäischen PEGI-Systems stehen. Dies kann in der Wahrnehmung von Eltern, aber auch Kindern und Jugendlichen eine gewisse Beliebigkeit vermitteln, die die Orientierungsfunktion der Kennzeichen insgesamt konterkariert.
  • Die Indizierung erweist sich als weiterhin wirksamer Weg des Jugendschutzes, da sie das Spiel am Markt durch Werbe- und Ausstellungsverbote weitgehend "unsichtbar" macht, ohne Erwachsenen den Zugang zu versperren; allerdings muss damit gerechnet werden, dass vor Abschluss eines mehrere Wochen andauernden Indizierungsverfahrens bereits ein großer Teil eines Spieles abverkauft sein kann. Verfahren vorläufiger Anordnungen können diese Entwicklung relativieren.
  • Eine wichtige Schnittstelle des Jugendschutzes bei Video- und Computerspielen ist die Kooperation von USK und Bundesprüfstelle: Aufgrund der Indizierungssperre, die für alle USK-gekennzeichneten Spiele gilt, wird die Prüfung der Indizierungskriterien faktisch auf den Zeitpunkt der USK-Prüfung vorverlegt. Insofern ist es wichtig, dass die Anwendung der Indizierungskriterien durch die USK möglichst identisch mit denen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) sind. Hier sind zwar keine systematischen Hinweise darauf gefunden worden, dass es zu größeren Abweichungen kommt. Eine Verstärkung der bisherigen Kooperation in dieser wichtigen Nahtstelle erscheint aber dennoch sinnvoll.
  • Systeme der Kooperation von staatlicher und nicht-staatlicher Regulierung sind im Jugendmedienschutz durchaus leistungsfähig. Es ist aber auf eine klare Kompetenzzuordnung zu achten. Eine Optimierung des USK-Systems im Hinblick auf transparente Verantwortungsstrukturen erscheint - zumindest nachdem oder gerade weil es unter Legitimationsdruck geraten ist - sinnvoll.
  • Auch im Hinblick auf die Kontrolle der Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben und den Vollzug bei Verstößen ist ein Defizit an Transparenz festzustellen. Es gibt keine zentrale Anlaufstelle, die es erlaubt, sich ein Bild über die Vollzugskontrollen zu machen. Eine auch für die beteiligten Institutionen klarer kommunizierte Aufgabenverteilung im Dreieck Ordnungsämter bzw. Gewerbeaufsicht, Polizei und Oberste Landesjugendbehörden wäre sinnvoll und deren verstärkte Kooperation wünschenswert. Im Hinblick auf die Kontrolle der Abgabe in Ladengeschäften, die grundsätzlich durch die zuständigen Ordnungsämter vorgenommen werden, ist ein Grund für Vollzugsdefizite, dass bisher keine gesetzliche Grundlage für Testkäufe existiert.
  • Im Hinblick auf die zahlenmäßig geringe Verfolgung von Straftaten nach § 131 StGB oder § 27 JuSchG im Bereich Spiele ist ein - nachvollziehbarer - Grund, dass sich die Staatsanwaltschaften angesichts knapper Ressourcen auf Delikte konzentrieren, bei denen konkrete Gefährdungen von Opfern vorliegen (Kindesmissbrauch, Kinderpornographie). Eine Umsteuerung durch die Länder wäre möglich - aber wegen der Gewichtigkeit der Rechtsgüter nur bei Ausweitung der Ressourcen sinnvoll.
  • Viele Fragen - etwa der mangelnden Wirkung von Vertriebsbeschränkungen - ergeben sich durch den zunehmenden Onlinevertrieb der Spiele selbst oder von Mods, Demo-Versionen oder Trailern. Damit ist der Bereich des Jugendschutzes in konvergenten Medienumgebungen angesprochen, der Teil der Hauptevaluation sein wird.

Publikation:
Inka Brunn, Hardy Dreier, Stephan Dreyer, Uwe Hasebrink, Thorsten Held, Claudia Lampert und Wolfgang Schulz (Projektleitung): Das deutsche Jugendschutzsystem im Bereich der Video- und Computerspiele. Endbericht, 28. Juni 2007.

 

Faszinierend verführerisch: Medien in den Lebenswelten von Kindern

Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe nachgedacht - Geisteswissenschaften in Hamburg, am Montag, den 23. April 2007 in der Spiegelkantine, Hamburg

Hamburg, 17.04.2007

Presseinfo als pdf-file

Medien spielen in den Lebenswelten von Kindern eine wichtige Rolle. Die Medienumgebungen, in denen sie aufwachsen, sind aufgrund technischer Innovationen einem stetigen Wandel unterworfen. Aufgabe der Medienforschung ist es, diese Entwicklungen zu beobachten und kritisch-konstruktiv zu begleiten. Am Beispiel zahlreicher aktueller Kinderangebote und anhand verschiedener Studien zeigen die Kommunikationswissenschaftler Uwe Hasebrink und Claudia Lampert, wie sich Kinder heute Medienangebote aneignen und welche Herausforderungen sich dadurch ergeben.

Die Diskussion über mögliche negative Wirkungen von Medienangeboten auf Kinder und Jugendliche bewegt die Gemüter. Gegenseitige Schuldzuweisungen an die Medien einerseits sowie an die Eltern, Lehrer und "die Gesellschaft" andererseits sind an der Tagesordnung. Bei Erwachsenen, Eltern und Pädagogen ist großes Unbehagen und Unsicherheit gegenüber dem Umgang von Kindern mit den Medien zu spüren. Heranwachsende hingegen fühlen sich angesichts der Berichterstattung über "Medienverwahrlosung" und "killerspielende" Kinder und Jugendliche und entsprechende politische Aktionsprogramme oft unverstanden.

Im Sinne des Titels der Veranstaltungsreihe lädt der Vortrag zum Nachdenken ein: Ein sorgfältiger Blick auf die Rolle der Medien in den Lebenswelten heutiger Kinder soll helfen, allzu einseitige Perspektiven und vorschnelle Wirkungsannahmen zu vermeiden, und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.

Der Blick auf das Thema soll aus drei Perspektiven erfolgen:

  1. Der Umgang von Kindern mit den Medien muss in allgemeine Veränderungen von Kindheit eingeordnet werden, die unter anderem mit Schlagworten wie Kommerzialisierung und Mediatisierung beschrieben werden. Bereits Babys und Kleinkinder werden heute als Konsumenten von morgen umworben und mit entsprechenden Medienangeboten versorgt. Bezeichnungen wie "digital natives" für Kinder der heutigen Generation verweisen darauf, dass diese ganz selbstverständlich in digitalen Medienumgebungen aufwachsen, die vielen Erwachsenen noch fremd sind.

  2. Am Beispiel ausgewählter Angebote soll beleuchtet werden, worin bei den Medien-angeboten das Faszinierende und Verführerische liegt. Der Blick auf die mit ihnen verbundenen Vermarktungsstrategien soll eine Vorstellung davon vermitteln, in welchen weit verzweigten und vielschichtigen medialen bzw. virtuellen Welten sich Heranwachsende heute bewegen.

  3. Die dritte Perspektive rückt die kindlichen Mediennutzer selbst in den Mittelpunkt: Hier geht es einmal um die Frage, zu welchen Angeboten Heranwachsende welchen Alters bereits Zugang haben und in welchem Umfang sie diese nutzen. Vor allem aber geht es darum, der Faszination der Medien aus Sicht von Kindern und Jugendlichen auf die Spur zu kommen: Welche Angebote, Themen und Figuren sind es, die sie faszinieren, und für welche Zwecke nutzen sie diese? Ergebnisse verschiedener Studien zeigen, dass den Medien für Heranwachsende, die im Rahmen ihrer psychischen und sozialen Entwicklung nach Orientierung suchen, ein zentraler Stellenwert zukommt.

  4. Wissenschaft kann und soll Eltern, Lehrern, Medienanbietern und Politikern mit theoretischer Reflexion und mit abgesicherten empirischen Befunden darüber, wie Kinder mit den Medien umgehen, Stoff zum Nachdenken geben. Sie hilft damit, sowohl die Faszination und das Entwicklungspotenzial als auch die potenziell beeinträchtigenden Auswirkungen der Mediennutzung von Kindern ernst zu nehmen.

Kontakt und weitere Informationen:
Christiane Matzen, Telefon: 040/450 217-41, c.matzen@hans-bredow-institut.de

Weitere Informationen zur Reihe nachgedacht - Geisteswissenschaften in Hamburg und zu den anderen Veranstaltungen im Rahmen dieser Reihe finden Sie unter www.nachgedacht-hamburg.de.

nachgedacht ist eine Initiative von: Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, Bucerius Kunst Forum, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Hamburger Institut für Sozialforschung, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Körber-Stiftung, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Universität Hamburg, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
Aus Anlass des Jahres der Geisteswissenschaften 2007. Unter der Schirmherrschaft von Senator Jörg Dräger, Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung, Hamburg, und mit freundlicher Unterstützung des Spiegel-Verlags.


Werbung und Programm: Warnung vor Streichung des Trennungsgrundsatzes in EU-Fernsehrichtlinie
Direktor des Hans-Bredow-Instituts fordert Unterscheidung von Fiktionalem und Berichterstattung / Für Direktor der HAM steht Trennungsgrundsatz nicht zur Disposition

Hamburg, 6.6.2005

"Die Trennung zwischen Werbung und Programm ist auch eine journalistische Handlungsregel. Was passiert, wenn sie rechtlich nicht mehr gestützt wird?" Dieser Sorge gab Dr. Wolfgang Schulz, Direktor des Hans-Bredow-Instituts in Hamburg, Ausdruck. Hintergrund ist die Berichterstattung über Pläne der EU-Kommission, bei der Novellierung der Fernsehrichtlinie für "kommerzielle Kommunikation", der neue Oberbegriff für unterschiedliche Werbeformen, nicht mehr auf einer Trennung vom Programm zu bestehen. Eine Kennzeichnung etwa im Abspann könne genügen. Derzeit ist es in der Regel verboten, Produkte oder Dienstleistungen gegen Geld in Fernsehsendungen zu präsentieren. Schulz äußerte aber Verständnis dafür, dass über Flexibilisierungen nachgedacht würde. Mit unkomplizierter Werbeausblendung durch Personal Video Recorder kann klassische Spotwerbung auch für große Sender zum Problem werden, so der Medienrechtler. Er schlug vor, dass zwischen fiktionalen Sendungen und Berichterstattung unterschieden wird. Für die Berichterstattung könnten Sonderformen kommerzieller Kommunikation entwickelt werden, etwa Kennzeichnungen als Unternehmens-TV, sofern hinreichend gesichert wäre, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer dann wissen, was sie erwartet. Darüber, wie die Nutzer mit derartiger medialer Werbung umgehen, sei aber noch zu wenig bekannt. Es müsse sichergestellt werden, dass das Vertrauen der Zuschauer in die Unabhängigkeit des Journalismus nicht missbraucht und sie als Konsument hinters Licht geführt werden.

Anlass der Rede war der Jahresempfang des Hans-Bredow-Instituts in Hamburg. Auch der Gastredner, der Direktor der Hamburgischen Anstalt für neue Medien, Dr. Lothar Jene, ging auf das Problem der Werberegulierung ein. "Der Grundsatz der Trennung von Programm und Werbung steht nicht zur Disposition". Außerdem müssten die Zuschauer wissen, mit welcher Art von Sendung sie es zu tun haben. Die unterschiedlichen Formen werblicher Kommunikation müssten angemessen gekennzeichnet werden. Solche Transparenz schütze letztendlich die informationellen Kernbereiche.

Auf dem Jahresempfang stellte das Institut auch seinen neuen Forschungsbericht 2004/2005 vor. Er dokumentiert u. a. die Zunahme der Aktivitäten auf europäischer Ebene. Der Bericht ist hier abrufbar (pdf-file).

Bredow-Institut Hans-Bredow-Institut erarbeitet Grundlage zum Medienbericht der Bundesregierung
Direktorium auf 100. Kuratoriumssitzung wiedergewählt

Hamburg, 21.6.2004

Das Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung wird den wissenschaftlichen Teil des Kommunikations- und Medienberichts der Bundesregierung verfassen. Wie Institutsdirektor Dr. Wolfgang Schulz am 21.6. anlässlich des Jahresempfangs in Hamburg mitteilte, werde die Forschungseinrichtung Basismaterial zu den Themenbereichen Film, Rundfunk, Musikwirtschaft, Presse und interaktive Medien zusammen-stellen. Die von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Dr. Christina Weiss, in Auftrag gegebene Studie werde damit die Grundlage für den neuen Bericht der Bunderegierung über die Lage der Medien in Deutschland bilden, der zuletzt 1998 erschienen war. Das multidisziplinär arbeitende Hans-Bredow-Institut wird neben der Erfassung von aktuellen Medienstrukturdaten auch mehrere Expertenworkshops durchführen, Entwicklungslinien herausarbeiten, Problemfelder benennen und Optionen der Problemlösung formulieren.

Auf der 100. Sitzung des Kuratoriums des Hans-Bredow-Instituts war am Vormittag das Direktorium wieder gewählt worden: Prof. Dr. Uwe Hasebrink und Dr. Wolfgang Schulz werden das Institut weitere drei Jahre leiten. Universitätspräsident Dr. Jürgen Lüthje, Vorsitzender des Kuratoriums, würdigte die große Bedeutung des Hamburger Instituts für die Wissenschaftsszene und die erfolgreiche Arbeit des Instituts: "Das Institut hat es in den 54 Jahren seines Bestehens immer verstanden, Veränderungen als neue Chancen zu begreifen und als Herausforderung zu sehen. Es hat sich zum renommiertesten Institut für Medienforschung entwickelt, wie der Wissenschaftsrat bei seiner Evaluation mit einem hervorragenden Zeugnis bescheinigt hat". Das Hans-Bredow-Institut habe ein breites internationales Netzwerk aufgebaut, von dem die wissenschaftliche Arbeit lebe und das ständig Impulse in die Forschungsarbeit einbringen könne.

Prof. Jobst Plog, NDR-Intendant, ARD-Vorsitzender und ebenfalls Kuratoriumsmitglied, betonte die Fähigkeit des Instituts, seine wissenschaftliche Grundlagenforschung in praxisrelevante Fragestellungen zu überführen: "Medienforschung bestimmt auch die praktische Arbeit der Rundfunkanstalten, und Strategien für die Zukunft sind ohne wissenschaftliche Grundlage nicht denkbar."

Das Hans-Bredow-Institut war 1950 gemeinsam vom damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk und der Universität Hamburg gegründet worden.

Medientreff im Hans-Bredow-Institut
Vorstellung des Forschungsberichts 2003

Hamburg, 3.7.2003

Auf dem Jahresempfang des Hans-Bredow-Instituts haben über 100 führende Köpfe der Hamburger Medienszene die Perspektiven des Medienstandorts Hamburg diskutiert. Im Mittelpunkt standen das kürzlich verabschiedete Hamburgische Mediengesetz, die Hamburg Media School und das Zentrum für Medienkommunikation der Universität Hamburg. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch einen Kurzvortrag des Intendanten der Deutschen Welle, Erik Bettermann, zum dynamischen Programmauftrag für den Auslandsrundfunk.

Vor dem Hintergrund der geplanten Änderung des Deutsche-Welle-Gesetzes forderte Festredner Bettermann inhaltlichen Gestaltungsspielraum beim Programmauftrag sowie mittelfristige Planungssicherheit für den Auslandsrundfunk. Die direkt aus Steuermitteln finanzierte Deutsche Welle dürfe nicht zum Spielball der Haushaltspolitik werden.

Das Hans-Bredow-Institut hat für die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Christina Weiß, ein Gutachten zum Programmauftrag für den Auslandsrundfunk erstellt. Das Gutachten befürwortet einen Spielraum zur eigenen Gestaltung des Programmauftrages, fordert aber auch die Einrichtung von Verfahren zur Selbstregulierung. Wolfgang Schulz, Direktor des Hans-Bredow-Instituts, erläuterte hierzu, dass es sich bei dem Gutachten um eine Projektform handelt, die typisch für die Arbeit des Instituts im Bereich Medienregulierung ist, weil sie die rechtliche Analyse mit konkreten Gestaltungsvorschlägen verbindet. Schulz ging auch auf die Diskussion um die Novelle des Hamburgischen Mediengesetzes ein, dessen Verfassungsmäßigkeit er geprüft hatte. In diesem Zusammenhang bezeichnete Schulz den Stil, mit dem das Gesetz politisch umgesetzt wurde, als unnötigen Affront gegenüber der Hamburgischen Anstalt für neue Medien (HAM).

Mit der Gründung des Zentrums für Medienkommunikation (ZfM) an der Universität, mit dem das Hans-Bredow-Institut kooperiert, werde der Medienforschungsstandort Hamburg und die universitäre Ausbildung für Medien und Kommunikationsberufe sowie die wissenschaftliche Forschung gestärkt, so der zweite Direktor des Instituts, Uwe Hasebrink. Auch die Hamburg Media School sei eine große Chance für Hamburg, die jetzt mit Verantwortung genutzt werden müsse.

Beim Jahresempfang des Instituts trafen sich unter anderem medienpolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktionen, Vertreter der norddeutschen Staatskanzleien, der Hamburg Media School, des Zentrums für Medienkommunikation, des NDR, des FilmFonds Hamburg und verschiedener Universitäten.

Das Hans-Bredow-Institut stellt seine Arbeit alljährlich in einem ausführlichen Forschungsbericht der Öffentlichkeit vor. Der Forschungsbericht 2003 kann über die Website kostenlos heruntergeladen werden.

�Exzellentes Beispiel für wissenschaftliche Poltikberatung�: Jahresempfang 2002 des Hans-Bredow-Instituts im Zeichen des Themas �Jugend und Medien�

Hamburg, 13. Juni 2002

In einem Grußwort hob Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin hervor, dass das Institut sowohl Sensibilität im Umgang mit wissenschaftlichen Argumenten aufweise als auch Sensibilität für die besonderen Zwänge, in denen Politik stattfände. Er bezog sich auf das von Wolfgang Schulz und Thorsten Held verfasste Gutachten �Regulierte Selbstregulierung als Form modernen Regierens�, das in dieser Woche der Öffentlichkeit vorgestellte wurde. Das Gutachten sei �ein exzellentes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Politikberatung aussehen sollte� � so Nida-Rümelin, der wegen einer kurzfristig anberaumten Bundestagssitzung zum Thema Jugendschutz sein Grußwort per Video übermittelt hatte. Das Gutachten soll vor allem den Diskurs um eine Reform des Jugendmedienschutzes anregen. Beim Jugendschutz komme es, so der Staatsminister � auf eine zivilgesellschaftliche Umsetzung an, das heißt eine Kooperation zwischen Eigenverantwortung und staat-licher Regulierung. Hier liefere das Gutachten: wichtige Orientierungsmarken.

Wolfgang Schulz, Mitglied des Direktoriums des Instituts, wies vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Gutachtens auf Defizite des aktuellen Entwurfes zu einem Jugendmedienstaatsvertrag hin. Es sei ein vielversprechender Ansatz, Funktionsfähig sei das Konzept aber noch nicht, so Schulz.

Uwe Hasebrink, Vorsitzender des Direktoriums, verwies auf wissenschaftlich fundierte Aussagen zu anderen relevanten Fragen der Medienentwicklung, die das Institut in diesem Forschungsjahr erarbeit hat oder in Angriff nimmt. Im vergangenen Herbst sei auf einer HAMburger Mediendebatte eine Studie präsentiert worden, in der das Institut im Detail untersucht hat, wie das Thema Alkohol im deutschen Fernsehen behandelt wird. In einem erst vor kurzem angelaufenen Projekt untersucht das Institut aus ökonomischer und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive die multimediale Verwertung von Markenzeichen für Kinder und geht damit dem Phänomen von weltweit und über verschiedenste Medien verbreiteten Marken wie Pokémon, Dragon Ball, Harry Potter oder Herr der Ringe nach.

Aggressiver Humor in der Comedy-Show �TV total�

Hamburg, 15.04.2002

Stefan Raabs Comedy-Show �TV total� gilt als typisches Beispiel für neue Formen der deutschen Fernsehunterhaltung. Die Sendung wurde zum Sinnbild für respektlose Provokationen und einzigartige Konfrontationen zwischen dem Moderator und seinen Gästen. Wie Stefan Raab im Umgang mit seinen Gästen Komik herstellt, wird in einer Studie des Frankfurter Soziologen Axel Schmidt deutlich, die jetzt in der Zeitschrift �Medien & Kommunikationswissenschaft� erschienen ist.

Schmidt arbeitet auf der Basis einer analytischen Betrachtung einzelner Sendungselemente typische Merkmale der Sendung heraus und kommt zu dem Ergebnis, dass die Sendung �TV total� vor allem auf die künstliche Erzeugung unfreiwilliger Komik setzt. Unter anderem beschreibt Schmidt folgende allgemeine Merkmale des Formats �TV total� sowie der Gesprächsstrategie Raabs:

  • Stefan Raab spielt mit kommunikativen Regeln und Höflichkeitsstandards: Er versucht seine Gäste systematisch zu verunsichern: Er missversteht seine Gäste absichtlich, er heuchelt ironisch Interesse, er reitet penetrant auf nebensächlichen Details herum und versucht ständig, Inkonsistenzen und Fehler in der Rede seines Gegenübers aufzudecken, um ihn dann bloßzustellen. Er bricht darüber hinaus ständig die in Alltagsgesprächen gebräuchlichen Höflichkeitsstandards: Er fällt dem Gast fortwährend ins Wort, hört demonstrativ nicht zu, steht unvermittelt auf, fasst seinen Gast plötzlich an, produziert offensichtlich unwahre, irrelevante (Themen-)Beiträge, befiehlt unverblümt etwas oder beendet die Unterhaltung oder die Vorführung des Gastes in barscher Art und Weise. Durch solches als Respektlosigkeit zu interpretierendes Kommunikationsverhalten entstehen häufig verbale Duelle. Raab bewegt sich damit ständig auf der Kippe zwischen kumpelhaftem Humor und verletzender Provokation. Gerade diese Gratwanderung und die Spannung, wie sich eine Situation entwickelt, bringen jene Unterhaltsamkeit hervor, die typisch für �TV total� geworden ist.

  • Stefan Raab schafft Komik durch Neurahmung und Redundanz: Ein Großteil der Sendung besteht aus Zitaten bereits gesendeter TV-Szenen, deren komisches Potenzial zumindest zweifelhaft ist. Erst durch den Eingang in die Comedy-Show �TV total� erhalten sie eine komische Rahmung, vor allem durch eine klare Rezeptionssteuerung des Moderators (�Ich hab� was Tolles gesehen��, �Gucken Sie sich das bitte mal an� etc.). Häufig werden Ausschnitte mehrmals gezeigt, durch den Moderator aufwändig erklärt und gerahmt und z.T. am Monitor durch den Moderator akribisch �zerpflückt� (mit Techniken wie Standbild, Vor- und Zurück-Laufen-Lassen, Slow-Motion etc.). Typisch für �TV total� ist es, dass der Begriff des Komischen sehr weit auslegt wird, zum Teil so weit, dass die Komik darin besteht, dass etwas als komisch gerahmt wird, was im Original alles andere als komisch ist, bei dem der Moderator aber so lange darauf beharrt, dass es komisch ist (Redundanz), bis die penetranten Versuche und die absurde Situation, die dadurch entsteht, das eigentlich Komische darstellen.

  • Stefan Raab präsentiert Umdeutungen und -wertungen: Er kündigt ständig etwas �Tolles�, �Spektakuläres� oder �Sensationelles� an. Die Einlösung dieser Ankündigungen erfolgt zumeist in Form von TV-Ausschnitten, die das Versprechen nach traditionellen Maßstäben nicht erfüllen. Systematisch gesucht werden Situationen, in denen Menschen sich blamieren � zentrale Quelle von Humor ist unfreiwillige Komik.

Axel Schmidt: Agressiver Humor in den Medien � am Beispiel der Fernseh-Comedy-Show �TV-Total�. In: Medien & Kommunikationswissenschaft (M&K), Vol. 50, Heft 2/2002, S. 195-226, zu beziehen über den Nomos-Verlag, Tel. 07221/2104-0.

Neue Professorin für Medienwissenschaft in Hamburg

Hamburg, 13.3.2002

Joan Kristin Bleicher (42) ist zur Professorin für �Medienwissenschaft� ernannt worden. Die Professur war gemeinsam von der Universität Hamburg und dem Hans-Bredow-Institut ausgeschrieben worden. Joan Kristin Bleicher bietet Lehrveranstaltungen in den neu eingerichteten Hauptfachstudiengängen �Medienkultur� und �Journalistik und Kommunikationswissenschaft� an und ist daneben an Forschungsprojekten des Hans-Bredow-Instituts beteiligt.

Mit der Besetzung einer zweiten gemeinsamen Professur setzen die Universität und das Hans-Bredow-Institut eine Empfehlung des Wissenschaftsrates um. Dieser hatte 1999 bei der positiven Evaluation des Hans-Bredow-Instituts für eine verstärkte Kooperation mit der Universität plädiert, um so die in Hamburg verfügbaren Kräfte in diesem für die Medienstadt Hamburg so bedeutsamen Bereich zu bündeln. Bereits seit dem letzten Jahr ist Uwe Hasebrink, Mitglied des Direktoriums des Hans-Bredow-Instituts, zugleich Professor für �Empirische Kommunikationswissenschaft� an der Universität Hamburg.

Joan Kristin Bleicher studierte Germanistik, Amerikanistik und Allgemeine Literaturwissenschaft in Gießen, Bloomington/USA und Siegen. Sie promovierte an der Universität-GH-Siegen und arbeitete von 1986-1995 im DFG-Sonderforschungsbereich 240 �Ästhetik, Pragmatik und Geschichte der Bildschirmmedien. Schwerpunkt: Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland�. Nach Lehrtätigkeiten an den Universitäten in Saarbrücken, Marburg, Lüneburg und Hamburg schrieb Joan Kristin Bleicher ihre Habilitation an der Universität Hamburg. Ihre Interessenschwerpunkte liegen in den Bereichen Medienästhetik und -geschichte, Narrationstheorie, zeitgenössische Literatur und Grundlagenforschung zum Internet.

Computerspiele � Medienangebot mit Zukunft

Hamburg, 4.10.2001

Medienwissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern befassen sich ab heute auf der vom Hamburger Hans-Bredow-Institut organisierten internationalen Konferenz G@ME mit der wachsenden ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Computer- und Videospiele, die bislang öffentlich kaum Beachtung gefunden hat.

Die ökonomische Bedeutung der Spiele ist mittlerweile beträchtlich: Im Jahr 2000 hat der weltweite Umsatz der Computer- und Videospielebranche denjenigen der Filmindustrie erstmals übertroffen. Eine neue Generation von Endgeräten und die Möglichkeiten der Vernetzung über das Internet werden eine neue Ära für die Branche einläuten. Auch in den Markt der mobilen Spiele, z.B. über das Handy, werden große Erwartungen gesetzt. Welche Auswirkungen dies auf die internationale Medienbranche insgesamt, aber auch auf die Nutzung der anderen Medien wie Radio und Fernsehen haben wird, darüber beraten ab heute Kommunikationswissenschaftler aus vielen europäischen Ländern und aus Israel.

Der große Erfolg des Moorhuhns in Deutschland zeigt zwar, dass sich nicht nur Kinder und Jugendliche für Spiele interessieren. Computer- und Videospiele bestimmen aber bei Kindern und Jugendlichen einen besonders großen Teil ihrer Lebenswelt: Spiele, Kinofilme und Fernsehserien werden wie beim Beispiel Pokémon durch Begleithefte, (Lösungs-)Bücher und Sammelkarten ergänzt. In ihrer derzeitigen Form sind on- oder offline gespielte Computer- und Videospiele etwas Neues und ermöglichen sehr komplexe und interessante Beschäftigungen, können aber � etwa als Spiel mit Gewaltdarstellung � auch problematisch sein. Die Bedeutung der neuen Spiele für Kultur und Gesellschaft, für den Alltag und die sozialen Beziehungen der Menschen muss daher auf psychischer, sozialer und kultureller, auf ökonomischer und pädagogischer Ebene untersucht werden. Da Spiele global vermarktet werden und damit die gleichen Spiele weltweit Bestandteil der jeweiligen Kultur werden, muss dies auf internationaler Ebene geschehen.

Die von der Europäischen Union finanzierte Konferenz G@ME wird sich mit diesen Themen auseinander setzen. Sie wurde vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung vorbereitet und von einem international zusammengesetzten wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Teilnehmen werden international renommierte Kommunikationswissenschaftler unterschiedlicher disziplinärer Herkunft. Basis der Konferenz ist eine in den letzten Jahren durchgeführte Studie über elf europäische Länder und Israel, die die Medienumgebungen von Kindern und Jugendlichen vergleichend beschrieben und analysiert hat. Die Wissenschaftler stellen Ansätze und Untersuchungen aus ihren Ländern vor und werden sich vor allem folgenden den Fragen widmen:

  • Was ist kommunikationswissenschaftlich und ökonomisch das Neue am Medienangebot Computerspiele und wie können sie in Bezug auf die etablierte Mediennutzung und ihre Veränderung untersucht werden?

  • Welche langfristige Bedeutung für die Gesellschaft, insbesondere die Verände-rungen von Kindheit, sind mit dem Aufkommen der neuen Medien und insbesondere dem interaktiven Entertainment zu vermuten?

  • Wie lassen sich die unterschiedlichen europäischen und internationalen Ansätze der Forschung zur Diskussion stellen und wie kann die Rolle von Spielen als Globalisierungsfaktor erforscht werden?

  • Welche medienpädagogischen Schlussfolgerungen sind aus der Entwicklung zu ziehen, wie können sie für Schul- und Bildungszwecke fruchtbar gemacht werden?

Nähere Informationen zur Tagung und ihren Teilnehmern finden sich auf der Startseite unter www.hans-bredow-institut.de.

Hans-Bredow-Institut verabschiedet Otfried Jarren

Hamburg, 12.7.2001

Der bisherige Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Prof. Dr. Otfried Jarren (47), ist auf dem Jahresempfang der Medienforschungseinrichtung feierlich verabschiedet worden. Er war von Oktober 1995 bis Juli 2001 zunächst Direktor, später dann Vorsitzender des Direktoriums des Instituts. Seit dem 1. Juli bilden Dr. Uwe Hasebrink und Dr. Wolfgang Schulz das Direktorium.

Für die turnusgemäß alle drei Jahre stattfindende Wahl des Leitungsgremiums hat sich Jarren mit Blick auf seine Professur für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich und vielfältige andere Verpflichtungen nicht wieder zur Verfügung gestellt. �Wir bedauern die Entscheidung von Otfried Jarren, auch wenn wir sie gut nachvollziehen können�, so der neue Vorsitzende des Direktoriums Hasebrink. �Das Institut verdankt Otfried Jarren entscheidende Impulse für seine Arbeit. Wir freuen uns daher sehr darüber, ihn als Kooperationspartner in verschiedenen Projekten und als strategischen Berater weiter an unserer Seite zu wissen.� Otfried Jarren sei einer von denen, die �die Beziehung von Theorie und Praxis so lange gepflegt haben, bis sie anfing zu blühen�, würdigte Festredner Dr. Norbert Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), die Arbeit Jarrens. Schneider betonte außerdem nachdrücklich die Bedeutung der Medienforschung für die Gesellschaft und die Politik. Dafür sei es wichtig, dass beide Seiten geben und nehmen, einen wirklichen deal miteinander eingingen. Der auf dem Jahresempfang präsentierte Forschungsbericht des Instituts beschreibe eine Fülle internationaler Projekte, bei denen das Institut als �deutscher Knoten in einem internationalen Netzwerke unabhängiger Medienforschung� fungiere, so Direktor Hasebrink. Das breite Spektrum der Arbeitsformen mit ganz unterschiedlichen Kooperationspartner zeige, dass das Institut ein professioneller Partner für die kritische und konstruktive Auseinandersetzung mit der aktuellen Medienentwicklung sei. Wichtig seien dem Institut aber auch innovative Beiträge zur Grundlagenforschung zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung.

Neues Direktorium im Hans-Bredow-Institut

Hamburg, 3.7.2001

Dr. Uwe Hasebrink und Dr. Wolfgang Schulz bilden seit dem 1. Juli 2001 das Direktorium des Hans-Bredow-Instituts. Das Kuratorium des Instituts wählte die beiden Wissenschaftler für eine Amtszeit von drei Jahren. Es bestätigte damit das Modell eines interdisziplinär zusammengesetzten Direktoriums, in dem die beiden Hauptsäulen der Institutsarbeit, die kommunikations- und die rechtswissenschaftliche Medienforschung, vertreten sind.

Dr. Uwe Hasebrink (43), Professor für Empirische Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg und bereits seit 1998 Mitglied des Direktoriums, wird in der neuen Amtszeit den Vorsitz des Leitungsgremiums übernehmen und das Institut vor allem in sozial- und kommunikationswissenschaftlichen Fragen repräsentieren.

Dr. Wolfgang Schulz (37) wird in der Institutsleitung für die rechtswissenschaftlichen Aktivitäten des Instituts stehen. Er war in den letzten Jahren bereits stellvertretender Geschäftsführer des Instituts und hat zahlreiche rechtswissenschaftliche Projekte und Kooperationsvorhaben zu Kernfragen der Medienentwicklung bearbeitet, die bundesweit und international Anerkennung fanden.

Für die turnusgemäß alle drei Jahre stattfindende Wahl des Leitungsgremiums hat sich der bisherige Vorsitzende des Direktoriums, Prof. Dr. Otfried Jarren, mit Blick auf seine Professur für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich und vielfältige andere Verpflichtungen nicht wieder zur Verfügung gestellt. �Wir bedauern die Entscheidung von Otfried Jarren, auch wenn wir sie gut nachvollziehen können�, so der neue Vorsitzende des Direktoriums Hasebrink. �Das Institut verdankt Otfried Jarren entscheidende Impulse für seine Arbeit. Wir freuen uns daher sehr darüber, ihn als Kooperationspartner in verschiedenen Projekten und als strategischen Berater weiter an unserer Seite zu wissen.�

Europas Kinder leben in eigener Medienwelt

Europäische Studie zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit den neuen Medien erschienen

Hamburg, 26.06.2001

Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren in Europa leben zunehmend in einer eigenständigen Medienkultur. Für Fernsehen/Video und Radio werden täglich im Schnitt deutlich mehr als vier Stunden aufgewendet. Mit dem Lesen von Büchern, Zeitung und Zeitschriften verbringen Kinder dagegen weniger als eine Stunde ihrer Freizeit. Für Computer und Spielgeräte wie Playstation und Gameboy oder Internet beträgt der tägliche Zeitaufwand etwa 50 Minuten pro Tag, wobei nicht alle Kinder und Jugendlichen Zugang dazu haben. Innerhalb dieser pauschalen Werte unterscheiden sich die Nutzungszeiten in den einzelnen Nationen allerdings erheblich. Dies sind Ergebnisse einer vergleichenden Studie, die in elf europäischen Ländern sowie in Israel durchgeführt wurde und am 27. Juni 2001 unter www.fathom.com präsentiert wird.

An der Studie beteiligt waren Forscherteams aus Großbritannien, Israel, Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden, Italien, Spanien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und aus Flandern. Insgesamt wurden mehr als 15.000 Kinder in allen Ländern im Zeitraum 1997/1998 interviewt. Es handelt sich um die erste vergleichende Studie dieser Art, die nach wissenschaftlichen Kriterien und Fragestellungen durchgeführt wurde. Die deutschen Untersuchungen im Rahmen dieses Projekts wurden von Friedrich Krotz und Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung durchgeführt und von der Hamburgischen Anstalt für neue Medien, der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen in Berlin sowie dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen finanziert.

Der Abschlussbericht des Projekts wird am 27. Juni 2001 zugleich in den USA und in Großbritannien unter dem Titel �Children and their Changing Media Environ-ments� der Öffentlichkeit vorgestellt. Er erscheint im renommierten US-amerikanischen Lawrence Erlbaum Associates Verlag und wird von den Projektkoordinatoren Professor Sonia Livingstone und Moira Bovill von der London School of Economics herausgegeben. Einen ersten Eindruck über die Ergebnisse kann man sich im Internet unter www.fathom.com verschaffen. Dabei handelt es sich um eine Internet-Site, die von der London School of Economics, der New Yorker Columbia University und einer Reihe weiterer Forschungs- und Bildungseinrichtungen geschaffen und betreut werden. Sie dient dazu, universitäre Forschungsergebnisse, Kurse und Vorlesungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und funktioniert kostenlos.

Weitere Ergebnisse der Studie

Fernsehkonsum: Britische und israelische Kinder sind die Spitzenreiter im Fernsehgucken: Täglich sitzen sie 160 Minuten vor dem Bildschirm. Deutsche Kinder und Jugendliche verbringen hingegen nur 133 Minuten vor diesem Medium. Auch sonst liegen deutsche Kinder eher im Mittelfeld, was den Zeitaufwand für Mediennutzung angeht � für alle Medien, das Lesen wie auch die Computermedien.

Digitale Medien: Die digitalen Medien, wie Computer und Internet, spielen vor allem in den skandinavischen Ländern bereits eine wichtige Rolle. Auch in Belgien und den Niederlanden haben vier Fünftel der Kinder zu Hause Zugang zu einem PC, zunehmend auch mit Internetanschluss. Die großen Flächenstaaten wie Deutschland oder Frankreich und Großbritannien hinken hier noch weit hinterher.

Neue Medien ersetzten die alten nicht, sie werden eher ergänzend genutzt: Im Rahmen des europäischen Vergleichs wird deutlich, dass Bildschirm- und Printmedien einander keineswegs ausschließen. Britische Jugendliche sehen mehr fern als deutsche und stehen dem Lesen insgesamt ablehnender gegenüber. Aber auch finnische Jugendliche sehen deutlich mehr fern als deutsche und haben im europäischen Vergleich zudem eine großartige Ausstattung mit digitalen Medien in ihrem Kinderzimmer. Dennoch lesen sie im Schnitt täglich deutlich länger. Wenn weniger gelesen wird, so die Schlussfolgerung, so liegt dies eher an den allgemeinen Lebensbedingungen, vielleicht einem leseunfreundlichen Klima oder einem schlechten Vorbild, das Erwachsene abgeben, und nicht so sehr an den anderen Medien.

Entwicklung einer Kinderzimmer-Medienkultur: Insgesamt gilt im europäischen Vergleich, dass Kindheit und Jugend immer mehr Medienkindheit und Medienjugend werden und sich überall in Europa eine immer breitere Kinderzimmer-Medienkultur entwickelt. Sie ist für die Jugendlichen wichtig, damit sie sich in einer immer komplexeren Welt zurechtfinden. Sie nutzen die ihnen zugänglichen Medien häufig zusammen mit Anderen, sie tauschen Videos und Computerspiele ebenso wie Bücher und Comics, sie lassen sich auf mediales Erleben ein und sprechen mit ihren Freundinnen und Freunden darüber. Dabei entsteht auch der Eindruck, dass sie meist souverän mit medialen Inhalten umgehen. Es ist weitgehend eine peer-group-Kultur, die sich hier entwickelt, zu der Erwachsene kaum Zugang haben � und oft ja auch keinen wollen.

Einführungsszenarien für neue Medien: In den verschiedenen Ländern Europas werden die neuen Medien auf unterschiedlichen Entwicklungspfaden eingeführt � manchmal eher in Privatinitiative, manchmal mit Unterstützung von Staat, Schulen und öffentlichen Bibliotheken wie in den skandinavischen Ländern. Insgesamt aber ist die Rolle der Schulen dabei offen. Zwar gibt es überall Bestrebungen, die neuen Medien im Unterricht einzusetzen, aber wie dies genau geschehen soll, dafür gibt es unterschiedliche, manchmal auch gar keine inhaltlichen Konzepte.

Digital Divide: In allen Ländern lassen sich Prozesse sozialer Spaltung durch die neuen Medien beobachten � in diejenigen, die Zugang haben, und diejenigen, die keinen Zugang haben. Wessen Eltern ärmer oder schlechter gebildet sind und wer Mädchen ist, hat es da schwerer. In den skandinavischen Ländern versuchen Staat und Gesellschaft auf aktive Weise durch Angebote etwa in öffentlichen Bibliotheken oder Kurse, diese Spaltungen wieder zu schließen. Dies wirkt sich vermutlich langfristig als größere Innovationsbereitschaft aus. Vor allem aber wird die Entwicklung nur dann sozialverträglich sein, wenn Staat und Zivilgesellschaft die Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft nicht nur der Industrie überlassen.

Förderung von Medienkompetenz: Insgesamt ist die Medienkultur eher eine peer-group-Kultur. Wenn die Erwachsenen sich darum nicht kümmern, überlassen sie ihre Kinder in einem wichtigen Feld sich selbst und damit auch einem zunehmenden Werbedruck. Daraus ist allerdings nicht abzuleiten, dass Erwachsene die Medienaktivitäten ihrer Kinder schärfer kontrollieren sollten. Sie sollten vielmehr an dieser Welt mit partizipieren und mit ihren Kindern über Inhalte und Inszenierungsformen sprechen. Und im Übrigen dafür sorgen, dass das Medienangebot auch das liefert, was Kinder und Jugendliche brauchen. Für eine breite Medienausbildung von Kindern und Jugendlichen müssen auch die Schulen mehr Ressourcen haben, dazu müssen verstärkt auch öffentliche Bibliotheken eingesetzt und ausgerüstet werden.

Studie:
Sonia Livingstone, Moira Bovill (Hrsg.): Children and their changing media envi-ronment. A European comparative study. New York: Erlbaum 2001.

Hans-Bredow-Institut und Universität Hamburg besetzen gemeinsame Professur

Hamburg, 25.06.2001

Uwe Hasebrink (42) hat den Ruf auf eine gemeinsam von Universität Hamburg und Hans-Bredow-Institut ausgeschriebene Professur für Empirische Kommunikationswissenschaft angenommen. Vom Wintersemester 2001 an wird er Lehrveranstaltungen für die neu eingerichteten Hauptfachstudiengänge "Journalistik und Kommunikationswissenschaft" und "Medienkultur" anbieten. Daneben wird er weiterhin Forschungs- und Leitungsaufgaben am Hans-Bredow-Institut wahrnehmen.

Einen Ruf auf eine Professur an der Hochschule für Fernsehen und Film München hatte er zuvor abgelehnt: "Die Chance, hier in Hamburg Forschung am Hans-Bredow-Institut und Lehre an der Universität zu verbinden, ist sehr reizvoll. Es herrscht Aufbruchstimmung: Die Kolleginnen und Kollegen an der Universität, die Universitätsleitung und die Wissenschaftsbehörde ziehen an einem Strang, um die Medienforschung und Medienausbildung in Hamburg weiter zu stärken. Das ist ein motivierendes Umfeld."

Mit der Besetzung einer gemeinsamen Professur setzen die Universität und das Hans-Bredow-Institut eine Empfehlung des Wissenschaftsrates um. Dieser hatte 1999 bei der positiven Evaluation des Hans-Bredow-Instituts für eine verstärkte Kooperation mit der Universität plädiert, um so die in Hamburg verfügbaren Kräfte in diesem für die Medienstadt Hamburg so bedeutsamen Bereich zu bündeln.

Nach einem Studium der Psychologie und Germanistik sowie einer Promotion in Sozialpsychologie kam Uwe Hasebrink 1986 als Wissenschaftlicher Referent an das Hans-Bredow-Institut. 1988 übernahm er die Funktion des Geschäftsführers, und 1998 wurde er neben Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem und Prof. Dr. Otfried Jarren in das Direktorium des Instituts gewählt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Mediennutzung und Medienwirkung, sein Interesse gilt außerdem besonders der europäischen Medienentwicklung und der internationalen Zusammenarbeit in der Medienforschung.

Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland gegründet

Hamburg, 9. März 2001

Die �Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland� hat an der Universität Hamburg ihre Arbeit aufgenommen. Die neu eingerichtete Forschungsstelle ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Universität Hamburg (Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur), dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Die Leitung der Forschungsstelle hat der Medienwissenschaftler und -historiker Prof. Dr. Peter von Rüden übernommen, wissenschaftlicher Mitarbeiter ist der Rundfunkhistoriker Dr. Hans-Ulrich Wagner. Aufgearbeitet werden soll zunächst die Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR), der von 1945-1955 für den Rundfunk in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin (britischer Sektor) verantwortlich war und hier den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als unabhängiges publizistisches Medium etablierte. 1956 entstanden aus dem NWDR die heutigen ARD-Anstalten NDR, WDR und SFB.

Als Projektbeirat für die Forschungsstelle hat sich eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dieter Roß (Universität Hamburg/Institut für Journalistik) gebildet. Weitere Mitglieder des Beirates sind Prof. Dr. Wolfgang Becker (Arbeitsstelle für Medienforschung an der Universität Osnabrück), PD Dr. Joan Bleicher (Universität Hamburg/Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur), Dr. Ansgar Diller (Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt), Dr. Hans-Wilhelm Eckardt (Staatsarchiv Hamburg), Dr. Uwe Hasebrink (Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Hamburg), Prof. Dr. Knut Hickethier, (Universität Hamburg/Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur), Christiane Matzen (Hans-Bredow-Institut), Dr. Holger Ohmstedt (Leiter der NDR-Intendanz), Christoph Rohde (NDR-Prinarchiv), Prof. Dr. Axel Schildt (Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg), Dietrich Schwarzkopf (Vorsitzender der Historischen Kommission der ARD) und Petra Witting-Nöthen (Historisches Archiv des WDR).

Die Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks ist ein zentrales Kapitel der Rundfunkgeschichte nach dem zweiten Weltkrieg. Wesentliche Modelle für Hörfunk und Fernsehen nach 1945 wurden beim NWDR entwickelt. Dem NWDR kommt aber auch eine allgemein zeitgeschichtliche Bedeutung zu, denn der NWDR hatte eine prägende Rolle beim Aufbau demokratischer Strukturen in Deutschland und beeinflusste die Gestaltung von Gesellschaft, Kultur und Politik.

In der bisherigen Rundfunkgeschichtsschreibung gibt es bislang nur wenige und umeist unvollständige Darstellungen über die Geschichte des NWDR und seiner Programme. Systematisch erschlossen werden jetzt die in Hamburg vorhandenen NWDR-Akten. Der NDR hat sie komplett an das Hamburger Staatsarchiv übergeben. Die Nachfolgeanstalten des NWDR, der NDR und der WDR, unterstützen die Aktenerschließung am Hamburger Staatsarchiv durch finanzielle Zuwendungen für die Jahre 2001 und 2002. Auf der Grundlage dieser Aktenbestände � ebenso wie der beim WDR befindlichen Akten seit 1945 � soll erstmals eine detaillierte Gesamtdarstellung des NWDR und seiner Hörfunk- und Fernsehprogramme entstehen. Geplant sind zu diesem Zweck auch umfangreiche Zeitzeugeninterviews, die zur Quellensicherung vom NDR-Hörfunk aufgezeichnet und im NDR-Schallarchiv archiviert werden. Die Nutzung dieser Interviews für eine Hörfunkreihe ist vorgesehen.

Die Anregung zur systematischen Erforschung der Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks stammt von der Historischen Kommission der ARD. NDR-Intendant Prof. Jobst Plog griff diese Anregung auf und bat zunächst das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg, unter Beteiligung des WDR und einschlägiger Forschungseinrichtungen eine Arbeitsgruppe zu bilden und einen Forschungsplan zu entwickeln. Auf Grundlage dieses Planes haben die drei Partner Universität, NDR und Hans-Bredow-Institut einen Kooperationsvertrag geschlossen, in dem es heißt: �Die Vertragspartner haben sich zum Ziel gesetzt, die bisher vernachlässigte Rundfunkgeschichte Norddeutschlands aufzuarbeiten, insbesondere im Hinblick auf die Phase des NWDR, des Senders, der für die Rundfunkgeschichte Deutschlands besondere Bedeutung gewonnen hat. Zum anderen wollen sie einen Beitrag dazu leisten, die Kooperation zwischen Medienunternehmen, Universität und Forschungs-einrichtungen zu fördern und dadurch das Gewicht der medienwissenschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtungen der Universität anzuheben.� Die Stellen des Forschungsprojekts werden beim Hans-Bredow-Instituts geführt und ebenso wie der Projektbeirat von dort organisatorisch betreut. Die Universität Hamburg und das Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur stellen die Räume und die Infrastruktur für das Projekt zur Verfügung. Für zunächst 4 ½ Jahre finanzieren der NDR und zu einem geringen Teil der WDR die Personalkosten und einen Teil der Sachkosten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter von Rüden, Tel.: 040 42838�4501
E-Mail: peter.vonrueden@uni-hamburg.de
Dr. Hans-Ulrich Wagner, Tel.: 040 42838�2724
E-Mail: hans-ulrich.wagner@uni-hamburg.de
Forschungsstelle zur Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland
Universität Hamburg, Institut für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur
Von-Melle-Park 6
20146 Hamburg
Fax: 42838-3553

Bibliothek des Bredow-Instituts online

Hamburg, 07.03.2001

In der medienwissenschaftlichen Fachbibliothek des Hans-Bredow-Instituts kann jetzt auch online über das Internet recherchiert werden. Unter www.hans-bredow-institut.de ist der gesamte Katalog mit über 30.000 Datensätzen einzusehen. Recherchiert werden kann u.a. nach Verfassern, Titel, Schlagworten, Reihen, Verlag und Erscheinungsjahr. Auch einzelne Artikel aus Büchern oder Zeitschriften � häufig mit Abstract - sind erfasst. Nur Ausleihen muss man derzeit noch vor Ort.

Der Bibliotheksbestand umfasst etwa 25.000 Bände deutsch- und fremdsprachiger Literatur. Darin enthalten sind Publikationen u.a. zu sozialen, rechtlichen, pädagogischen und ökonomischen Aspekten von Hörfunk, Fernsehen sowie den neuen elektronischen Medien. Zurzeit besonders berücksichtigt werden Veröffentlichungen zur Entwicklung des Telekommunikationsmarktes und zu den Nutzungs- bzw. Einsatzmöglichkeiten von Multimedia. Hinzu kommt eine ca. 155 Titel umfassende Zeitschriftenabteilung, die sowohl deutschsprachige als auch ausländische Fachzeitschriften sowie Presse- und Informationsdienste zu den erwähnten Forschungsgebieten enthält. Die Bibliothek des Hans-Bredow-Instituts ist damit eine der wichtigsten Spezialbibliotheken zum Thema Medien/ Medienforschung in Norddeutschland.

Die Bibliothek ist für jedermann zugänglich. Genutzt wird das umfangreiche Literaturangebot zum einen von Studentinnen und Studenten der Hamburger Universitäten und Fachhochschulen sowie von der Lüneburger und der Oldenburger Universität. Zum anderen gibt es häufige Literatur-Anfragen aus dem journalistischen Bereich: Redaktionen der in Hamburg ansässigen Verlage und Rundfunkveranstalter nutzen den Buchbestand zu Recherche-Zwecken. Auch wächst die Zahl der Werbeagenturen bzw. Wirtschaftsunternehmen, die Informationen über die Medienbranche für ihre Arbeit benötigen.

Hoffmann-Riem Ehrenmitglied des Direktoriums

Hamburg, 16.6.2000

Prof. Wolfgang Hoffmann-Riem ist für seine langjährigen Verdienste um das Hans-Bredow-Institut zum Ehrenmitglied des Direktoriums ernannt worden. Wie der Geschäftsführer des Instituts, Dr. Uwe Hasebrink, am 16. Juni 2000 auf dem Empfang zum 50. Geburtstag des Instituts im Kaisersaal des Hamburger Rathauses bekannt gab, soll damit die herausragende Leistung Hoffmann-Riems für das Institut gewürdigt werden. Hoffmann-Riem, u.a. ehemaliger Hamburger Justizsenator, hatte das Institut 1979 in einer personell und finanziell schwierigen Lage übernommen und das interdisziplinäre Profil mit der Verbindungen von Sozial- und Rechtswissenschaft geschärft. Nach seiner Wahl zum Verfassungsrichter im November 1999 hatte er den Vorsitz im Direktorium an Otfried Jarren abgegeben und war wenig später aus dem Direktorium ausgeschieden. Dem Hans-Bredow-Institut sei weiterhin sehr daran gelegen, die Fachkompetenz und den Rat Hoffmann-Riems nutzen zu können und ihm im Rahmen des mit seiner neuen Funktion zu Vereinbarenden an seiner Seiten zu wissen. Mit der neuen Funktion des �Ehrenmitglieds des Direktoriums� sind keine wechselseitigen Rechte und Pflichten verbunden, sie umfasst jedoch die gegenseitige Information und den fachlichen Austausch.

50 Jahre Hans-Bredow-Institut

Hamburg, 6.6.2000

Mit einem wissenschaftlichen Symposium und einem festlichen Empfang im Kaisersaal des Hamburger Rathauses wird das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung am 15./16. Juni seinen 50. Geburtstag feiern. 1950 wurde das Institut vom damaligen NWDR und der Universität Hamburg als eigenständige Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet, um �die wissenschaftliche Erforschung der Probleme des Rundfunks und des Fernsehens zu fördern�. Seitdem erforscht das Hans-Bredow-Institut insbesondere die jeweils neuen Medien, zunächst den Hörfunk, dann das Fernsehen und heute verstärkt den Bereich der digital verbreiteten öffentlichen Kommunikation. In seiner Stellungnahme zum Hans-Bredow-Institut hat der Wissenschaftsrat 1999 dessen Bedeutung für die Medienforschung hervorgehoben und das Institut zu den renommiertesten Fachinstituten in Deutschland gezählt.

Das Hans-Bredow-Institut wurde benannt nach dem Staatssekretär und Rundfunk�Kommissar im Reichspostministerium der Weimarer Republik, Hans Bredow (1879-1959), der sich in der Weimarer Republik als Pionier der technischen Rundfunkentwicklung einen Namen machte und dem 1954 für seine Verdienste beim Aufbau der Organisationsstrukturen des Rundfunks in der Bundesrepublik-das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.

Das Besondere an der Medienforschung des Hans-Bredow-Instituts war von Anfang an seine interdisziplinäre Ausrichtung, die ihren Ausdruck auch in der fachlichen Orientierung der jeweiligen Direktoren gefunden hat: Von 1950-1967 war mit Egmont Zechlin ein Historiker, von 1968-1970 mit Hans Wenke ein Erziehungswissenschaftler, von 1971-1979 mit Janpeter Kob ein Soziologe Leiter des Instituts. Von 1979-1995 wurde das Institut von dem Rechtswissenschaftler Wolfgang Hoffmann-Riem geleitet, von 1995-1998 von dem Politik- und Publizistikwissenschaftler Otfried Jarren. Seit Sommer 1998 liegt die wissenschaftliche Leitung und Verwaltung des Instituts bei einem Direktorium, dem � zunächst neben Hoffmann-Riem � heute Otfried Jarren und der Kommunikationswissenschaftler und Geschäftsführer des Instituts, Uwe Hasebrink, angehören.

Geschichte
Die Anfänge waren bescheiden: Im Keller des Hauptgebäudes der Universität Hamburg fing alles an, später folgte ein Umzug in die Rothenbaumchaussee und dann in die Heimhuder Straße 21, wo das Institut und seine Bibliothek noch heute zu finden sind. Für den Bereich der Publikationen wurde der Verlag Hans-Bredow-Institut gegründet. Darin erschien sehr bald die Vierteljahresschrift �Rundfunk und Fernsehen", ferner eine wissenschaftliche Schriftenreihe, das �Internationale Handbuch für Hörfunk und Fernsehen" und die �Hörwerke der Zeit", literarisch bedeutsame Hörspiele. Schon früh wurde auch die Bibliothek für Studenten und andere Interessierte geöffnet. Der Aufbau eines Instituts für Rundfunk und Fernsehen erfolgte damals ohne Vorbilder; der Bedarf nach wissen-schaftlichen Erkenntnissen im Bereich des Hörfunks und des Fernsehens wuchs jedoch rasch. So war das Institut beteiligt am Aufbau der NWDR-Hörerforschung und später an der Kritik und Analyse von Fernsehsendungen, die Mitarbeiter lehrten an der Universität und übertrugen die amerikanische empirische Hörer- und Zuschauerforschung erstmalig nach Deutschland. Als erstes größeres empirisches Projekt wurde 1968 die Studie �Fernsehen im Leben der Erwachsenen� publiziert. In den 70ern standen dann vor allem die Nachrichten und die lokale Kommunikation im Mittelpunkt der Arbeit, großes öffentliches Interesse fand außerdem die Begleituntersuchung zur �Sesamstraße�.

Mit dem medienpolitischen Umbruch in den 80er Jahren und der Einführung des privaten Rundfunks wuchs die Bedeutung der Medienforschung. Das Hans-Bredow-Institut war vor allem aufgrund seiner interdisziplinären Kompetenz gefragt, aufgrund der Kombination rechts- und sozialwissenschaftlicher Forschung, die seit 1979 durch den Direktor Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem gefördert wurde. Die internationalen Kontakte wurden ausgebaut, und Besucher aus aller Welt und Einladungen in alle Welt dokumentieren, dass das Institut auch international zur Kenntnis genommen und als Kommunikationspartner gesucht wurde. Die 90er erweiterten dann mit den Neuen Medien Computer, Online-Medien und Internet den Gegenstandsbereich der Forschung des Instituts. Den Anspruch, öffentliche Kommunikation in Bezug auf alle Medien zu untersuchen, bekräftigte das Institut auch durch eine Namensänderung: Aus dem Institut �für Rundfunk und Fernsehen� wurde das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, aus der Zeitschrift �Rundfunk und Fernsehen� wurde mit dem Jahr 2000 �Medien & Kommunikationswissenschaft�.

Heutige Arbeitsbereiche und Projekte
Heute forscht das Hans-Bredow-Institut in fünf Arbeitsbereichen, zwischen denen ein reger Austausch besteht: Medien-/Telekommunikationsrecht, Medienpolitik und Mediensystem, Medienorganisation und Medienwirtschaft, Mediennutzung und Medienwirkung sowie Medienangebote und Medienkultur. Daneben betreuen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Publikationen und bieten Serviceleistungen für die Öffentlichkeit.

Die Forschung des Hans-Bredow-Instituts bezieht sich stets auf aktuelle gesellschaftliche Probleme, sie umfasst sowohl die schnelle und gleichwohl wissenschaftlich fundierte Expertise als auch grundsätzliche empirische und theoretische Arbeiten.

Ein Beispiel ist eine Studie des Instituts, die 1999 die Darstellung Ostdeutschlands im Fernsehen analysierte und hierbei das Problem der Wahrnehmungs- und wechselseitigen Verständnisbarrieren zwischen der west- und ostdeutschen Gesellschaft aufgriff.

Die Real Life Soap �Big Brother� ist derzeit Anlass, sich über die Qualität von Medienangeboten Gedanken zu machen und die Diskussion darüber zu fördern, welche Konsequenzen es für die kulturellen Grundlagen einer Gesellschaft hat, wenn das, was bislang als privat und intim galt, nun in Talkshows und Real Life Soaps öffentlich wird.

Ebenfalls Bestandteil der Institutsarbeit sind unmittelbar praxisrelevante Studien und Gutachten, etwa zu Qualifikationsbedarfen und �möglichkeiten im Rundfunk- und Multimedia-Bereich oder zu der Frage, wie der Medienbereich künftig rechtlich geregelt werden kann.

Finanzierung
Jeweils von Jahr zu Jahr auf Antrag des Instituts gewährte Zuwendungen bilden die finanzielle Basis der Institutsarbeit. Dazu kommen Einnahmen aus Forschungsprojekten und Verlagserzeugnissen. Die Zuwendungen kommen aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg, der NDR Media GmbH, der Westdeutschen Rundfunkwerbung, der ARD-Werbung, des Zweiten Deutschen Fernsehens, der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten sowie der Medienstiftung Hamburg. Daneben arbeitet das Institut mit einer Vielzahl von Medienunterneh-men und �organisationen im Rahmen von Drittmittel- und Auftragsprojekten zusammen. Neben den Partnern im Bereich der klassischen Medien ergeben sich zunehmend Kooperationen mit Akteuren aus dem Multimedia-Bereich; so konnte neben der Stadt Hamburg AOL als Hauptsponsor für die Aktivitäten zum 50jährigen Jubiläum gewonnen werden.

Perspektiven
Aus Anlass des 50. Geburtstags veranstaltet das Institut am 15./16. Juni 2000 ein wissenschaftliches Symposium, das sich mit den Funktionen, Aufgaben und Strukturen der Medienforschung auseinandersetzt. Diese Veranstaltung ist Teil einer Reihe von Aktivitäten, mit denen sich das Institut derzeit auf die sich rasch ändernde Medienlandschaft einstellt. Die Vision ist klar: Das Institut will seine Rolle als ein maßgeblicher Knoten in einem Netzwerk unabhängiger Einrichtungen, die sich mit der kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Bedeutung von Medien und öffentlicher Kommunikation beschäftigen, bewahren und ausbauen � auch auf internationaler Ebene. Hierzu bedarf es einer verlässlichen finanziellen Grundlage und einer Lösung der derzeit akuten Raumprobleme. Das Institut ist zuversichtlich, diese Grundvoraussetzungen in Kooperation mit seinen Zuwendungsgebern und anderen Kooperationspartnern aus dem Medienbereich sichern zu können. Denn angesichts der heutigen Mediensituation erweist sich die Entscheidung der damaligen Gründer als sehr vorausschauend; hätten sie das Institut nicht bereits damals gegründet, wäre es spätestens jetzt Zeit dafür.

�Rundfunk und Fernsehen� erscheint unter dem neuen Namen �Medien & Kommunikationswissenschaft�

Hamburg, 7.4.2000

Mit dem Heft 1/2000 trägt die Zeitschrift �Rundfunk und Fernsehen� einen neuen Namen: �Medien & Kommunikationswissenschaft�, abgekürzt M&K. Der neue Titel benennt, was seit langem Gegenstand und Perspektive der Zeitschrift ist: Zu ihrem Gegenstandsbereich gehören alle Medien � seien es �alte� oder �neue� � und sie versteht sich als interdisziplinäres Forum für theoretische und empirische Beiträge aus der gesamten Medien- und Kommunikationswissenschaft. Der neue Titel, der keine Begrenzung des Spektrums auf Hörfunk und Fernsehen mehr nahe legt, soll auch Autoren und Lesern aus neuen Bereichen, z.B. den Online-Medien, signalisieren, dass die Zeitschrift für sie relevante Inhalte bietet.

So neu Titel und Cover von �Medien & Kommunikationswissenschaft� jedoch auch sind: Inhaltlich wird die Zeitschrift dem bisherigen Konzept folgen. Es wird weiterhin die Rubriken Aufsätze, Berichte und Diskussionsbeiträge, Rezensionen und Literaturberichte geben, ebenso die Serviceteile Literaturverzeichnis und Zeitschriftenlese. Unverändert wird sich die Redaktion um die Qualität der Inhalte bemühen und das anonymisierte externe und interne Begutachtungsverfahren fortführen. So soll �Medien & Kommunikationswissenschaft� in den kommenden Jahren das bieten, was �Rundfunk und Fernsehen� in der Vergangenheit ausgemacht hat: innovative Theorie, aktuelle Themen, aufschlussreiche Empirie, professionelle Methoden und fruchtbare Diskussionen.

Heft 1/2000 von �Medien und Kommunikationswissenschaft� ist nun erschienen, u.a. mit folgenden Beiträgen:

  • Wolfgang Hoffmann-Riem: Thesen zur Regulierung der dualen Rundfunkordnung

  • Otfried Jarren: Gesellschaftliche Integration durch Medien? Zur Begründung normativer Anforderungen an Medien

  • Ralph Weiß: �Praktischer Sinn�, soziale Identität  und Fern-Sehen. Ein Konzept für die Analyse der Einbettung kulturellen Handelns in die Alltagswelt

  • Britta M. Schultheiss /Stefan A. Jenzowsky: Infotainment: Der Einfluss emotionalisierend-affektorientierter Darstellung auf die Glaubwürdigkeit

  • Ulrich Saxer: Mythos Postmoderne: Kommunikationswissenschaftliche Bedenken

  • Karl-Heinz Ladeur, Der �Funktionsauftrag� des öffentlich-rechtlichen Rundfunks � auf �Integration� festgelegt oder selbst definiert? Anmerkungen zu drei Rechtsgutachten

Ein Rezensionsexemplar erhalten Sie über:
Nomos Verlagsgesellschaft
Herrn Dr. Markus Höreth
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 07221 21 07 60
Fax: 07221 21 04 27
E-Mail: hoereth@nomos.de

Kontakt zur Redaktion:
Christiane Matzen M.A.
Telefon: 040/450 217-41, Fax: 040/450 217-77
c.matzen@hans-bredow-institut.de

Qualifikationsbedarfe in der professionellen Multimediaproduktion in Hamburg und Niedersachsen

Studien mit Hintergrundinfos kostenlos zum Download unter www.hans-bredow-institut.de

Hamburg, 3.4.2000

Seit Ende Februar haben 20 Berufsanfänger die Möglichkeit, den �Hamburger Multimediaführerschein� zu erwerben und in einem praxisnahen Lehrgang die Tätigkeitsfelder im Bereich der Multimediaproduktion kennen zu lernen. Entwickelt wurde dieses Pilotprojekt auf Basis einer Studie, die Interviews mit Experten der beruflichen Bildung und eine telefonische Befragung von rund fünfzig Hamburger Unternehmen der Multimedia-Branche umfasste. Diese Studie von Kerstin Engels ist nun kostenlos unter www.hans-bredow-institut.de herunterzuladen.

Die Untersuchung beschreibt die Ausbildungspraxis, die Rolle der dualen Berufsausbildung, Qualifizierungsbedarfe in den wichtigsten Tätigkeitsfeldern sowie die Voraussetzungen und Erfolgsaussichten einer einjährigen Qualifizierungsmaßnahme. Die Untersuchung bestätigt den hohen Qualifizierungsbedarf in den Unternehmen sowie starke Informations- und Erfahrungsdefizite der vielfach kleinen und jungen Unternehmen mit der beruflichen Ausbildung. Die im April 1999 fertig gestellte Studie wurde im Auftrag des Bildungswerks Medien e.V. durchgeführt und von der Hamburger Wirtschaftsbehörde unterstützt.

Ebenfalls kostenlos zum Download erschienen ist eine Untersuchung zum Angebot von Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für die professionelle AV-Medien und Multimedia-Produktion in Niedersachsen, die in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erstellt wurde. Das Hans-Bredow-Institut unternahm dabei eine vergleichende Erhebung, Analyse und Bewertung des Angebots an hochschulgebundenen, betrieblichen und außerbetrieblichen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Neben einer synoptischen Aufarbeitung aktueller Qualifizierungskonzepte wurde eine Bestandsaufnahme der niedersächsischen Angebote vorgenommen und durch Experteninterviews ergänzt. Auf der Basis der spezifischen Bedarfssituation und Problemlagen sind Vorschläge für Maßnahmen und Instrumente zur Optimierung der Aus- und Weiterbildung für die AV-Medien in Niedersachsen entwickelt worden.

Kontakt:
Kerstin Engels M.A.
Projektbearbeiterin
Telefon: 040/450 217-83, Fax 040/450 217-99
k.engels@hans-bredow-institut.de

Direktor des Hans-Bredow-Instituts wird Verfassungsrichter

Hamburg, 26. November 1999

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem (59), Direktor des Hans-Bredow-Instituts, ist vom Bundesrat zum Richter des Bundesverfassungsgerichts gewählt worden. Der Staatsrechtslehrer ist in seiner Funktion als Professor der Universität Hamburg Mitglied im Direktorium des Medienforschungsinstituts. Die laufende Amtszeit Hoffmann-Riems endet im Sommer 2001. Aus Anlass seiner Wahl an das Bundesverfassungsgericht hat Hoffmann-Riem den Vorsitz im Direktorium an Prof. Dr. Otfried Jarren (46) übergeben, drittes Mitglied der Institutsleitung ist Dr. Uwe Hasebrink (41).

Hoffmann-Riem, Professor für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft der Universität Hamburg, war bereits von 1979 bis zu seiner Wahl zum Justizsenator der Freien und Hansestadt Hamburg im September 1995 Direktor des Hans-Bredow-Instituts. Im Sommer 1998 übernahm er den Vorsitz im neu eingerichteten Direktorium des Instituts.

Multimediaforschung am Multimediastandort Hamburg

Hamburg, 9. Juni 1999

Die Arbeit des Hans-Bredow-Instituts zeichnet sich auch im neuen Schwerpunkt Multimedia durch hohe wissenschaftliche Qualität und gleichzeitig einen engen Bezug zu den Anforderungen der Medienpraxis aus. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme zur Arbeit des Instituts, die jetzt auf dem Jahresempfang des Hans-Bredow-Instituts vorgestellt wurde. Mit seinem jüngsten Forschungsschwerpunkt, der sich mit den rechtlichen, ökonomischen und sozialen Folgen der Digitalisierung von Kommunikation und Medien beschäftigt, treffe es den Kern der in diesem Bereich relevanten Fragestellungen. Multimedia stand daher auch im Mittelpunkt des Jahresempfangs des Instituts.

Eröffnungsvortrag von Bernd Schiphorst

"Online - das neue Bildschirmerlebnis" war auch Thema des Vortrags von Bernd Schiphorst, Mitglied im Vorstand von Bertelsmann Multimedia. "Wir müssen in den nächsten Jahren zu einem neuen Fernsehbildschirmerlebnis kommen", so Schiphorst. Dazu gehörten neue Funktionen, wie die Möglichkeit, mit seinem Elektronischen Programmführer Kanäle thematisch in eine persönliche Prioritätenskala zu bringen, sich an Sendungen erinnern zu lassen und Hintergrundinformationen abzurufen. Das Internet habe eine Epoche eingeleitet, in der die Vision von zahlreichen Special-Interest-Kanälen für sehr kleine Zielgruppen endlich wirtschaftlich umsetzbar sei.

Vorstellung des Forschungsberichts

Der Forschungsschwerpunkt "Multimedia", der im Sommer 1998 eingerichtet wurde, findet sich mittlerweile in allen Forschungsbereichen des Instituts, sei es im Bereich Medien-/Telekommunikationsrecht, Medienpolitik, Mediennutzung oder Medienwirtschaft. Der auf dem Jahresempfang vorgelegte Forschungsbericht 1998/99 des Hans-Bredow-Instituts dokumentiert die Breite und den Umfang der Institutstätigkeiten. Die Direktoren des Instituts (Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem, Prof. Dr. Otfried Jarren, Dr. Uwe Hasebrink) stellten exemplarisch einzelne Projekte vor, z.B. zu den "Folgen von Digitalisierung und Konvergenz für die rechtliche Steuerung" und zum "Umgang von Kindern und Jugendlichen in Europa mit den neuen Bildschirmmedien". Sie wiesen jedoch auch darauf hin, daß die Orientierung auf Digitalisierung und ihre Folgen keineswegs eine Abwendung von traditionell durch das Institut bearbeiteten Fragestellungen bedeute. Es gehöre im Gegenteil zur Konzeption des Schwerpunkts, daß die Untersuchung der sogennanten "neuen" Medien gerade mit Blick auf die "alten" Medien erfolge und auch "klassische" Fragestellungen ihre Bedeutung behalten. So hat das Institut kürzlich etwa mit einer Studie zur Darstellung von Ostdeutschland im deutschen Fernsehen von sich reden gemacht.

Ergebnisse der Evaluation durch den Wissenschaftsrat

Die Direktoren konnten auf dem Jahresempfang auch von einer für das Hans-Bredow-Institut sehr positiven Evaluation durch den Wissenschaftsrat berichten. Das Hans-Bredow-Institut zähle zu den ältesten und renommiertesten Fachinstituten in Deutschland, so der Wissenschaftsrat. Die Multidisziplinarität ermögliche die Erarbeitung eines breiten und facettenreichen Überblicks über die Medienentwicklung. Von besonderer Bedeutung sei die ansonsten seltene interdisziplinäre Verknüpfung juristischer mit kommunikationswissenschaftlicher Kompetenz, die wesentlich zur überregionalen Reputation des Instituts beigetragen habe. Der Wissenschaftsrat hat jedoch auch darauf aufmerksam gemacht, daß eine Verbesserung der finanziellen Grundlage Voraussetzung dafür ist, daß das Potential des Instituts weiter ausgeschöpft werden kann.

Den Forschungsbericht und Informationen zu den Ergebnissen der Evaluation schicken wir Ihnen auf Wunsch gerne zu.

Kommentierter Tabellenband mit Befragungsergebnissen zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit alten und neuen Medien erschienen

Hamburg, 7. Mai 1999

Computer stehen deutlich häufiger in Familienhaushalten mit Söhnen als in Familien mit Töchtern. Dies ist ein Ergebnis der wissenschaftlichen Studie des Hans-Bredow-Instituts zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit den neuen und alten Medien. 55 % der Familien mit Söhnen haben einen PC, aber nur 45 % der Familien mit Töchtern. Auch das Familieneinkommen spielt eine wichtige Rolle: PCs mit CD-Rom-Laufwerk finden sich in 55% aller Haushalte mit eher höherem Einkommen, aber nur in 22% mit niedrigem Einkommen.

Im Rahmen der Studie wurden 1269 Kinder und Jugendliche sowie ein Elternteil jedes zweiten Kindes zur Medienausstattung in Haushalt und Kinderzimmer, zur Mediennutzung, dem Freizeitverhalten und zu Einstellungen und Werten befragt.

Die Ergebnisse dieser repräsentativen Befragung in Deutschland sind nun in einem kommentierten Tabellenband nachzulesen, der für DM 50,- über das Hans-Bredow-Institut bezogen werden kann.

Die Studie des Hans-Bredow-Institut ist Teil einer vergleichenden Untersuchung, die in 11 Ländern Europas und Israel durchgeführt worden ist. Dabei standen die alten und neuen Medien im Mittelpunkt. Die Ergebnisse des internationalen Vergleichs werden Ende diesen Jahres publiziert.

Der deutsche Teil wurde gefördert von der Hamburgischen Anstalt für neue Medien, dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales sowie der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und dem Hans-Bredow-Institut.

Kontakt:
Dr. Friedrich Krotz
Telefon: 040/450 21 70, Fax: 040/450 217 77
f.krotz@mail.hbi.uni-hamburg.de

Hans-Bredow-Institut mit neuer Leitung

Hamburg, den 16.7.1998

Das Hans-Bredow-Institut wird künftig von einem Direktorium geleitet, das aus drei Mitgliedern besteht. Eine entsprechende Satzungsänderung ist nun von der zuständigen Stiftungsaufsicht genehmigt worden. Die auf drei Jahre gewählten Mitglieder der neuen Institutsleitung sind Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem (Vorsitz), Prof. Dr. Otfried Jarren und Dr. Uwe Hasebrink.

Wolfgang Hoffmann-Riem, 58, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Hamburg, war bereits von 1979 bis zu seiner Wahl zum Justizsenator der Freien und Hansestadt Hamburg im September 1995 Direktor des Hans-Bredow-Instituts. Sein Nachfolger Otfried Jarren, 44, bis September 1997 Professor am Institut für Journalistik der Universität Hamburg, ist heute am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich tätig. Außer diesen beiden nebenamtlichen Mitgliedern wird künftig auch der Geschäftsführer des Instituts, Uwe Hasebrink, 40, dem Direktorium angehören.

Durch die Besetzung des Direktoriums mit Vertretern verschiedener Wissenschaftsdisziplinen unterstreicht das Hans-Bredow-Institut seine Zielsetzung, die Medienentwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven und über die Grenzen klassischer Wissenschaftsressorts hinweg zu beobachten.

Neuer Schwerpunkt Multimedia-Forschung

Mit der Rückkehr von Prof. Hoffmann-Riem an das Institut wird auch ein neuer Forschungsschwerpunkt eingerichtet, der sich den rechtlichen, ökonomischen und sozialen Fragen im Zusammenhang mit den Neuen Medien, der Telekommunikation und Multimedia widmen wird.

Computer erobern das Kinderzimmer -
Vorabergebnisse einer repräsentativen Studie

Hamburg, den 27.3.1998

Jeder zweite deutsche Haushalt mit Kindern zwischen 6 und 17 Jahren besitzt einen Computer. Fast 40 Prozent dieser Computer stehen im Zimmer des Kindes bzw. Jugendlichen. Einer Studie des Hans-Bredow-Instituts zufolge spielt jedes Kind mit PC täglich mehr als 37 Minuten damit, Jungen sogar fast 50, Mädchen nur 18 Minuten pro Tag. In 27 Prozent der untersuchten Haushalte wird zudem ein Tamagotchi gepflegt. Jedes dritte Mädchen, aber weniger als jeder vierte Junge besitzt ein solches elektronisches Haustier. Die computervermittelten Medien dienen jedoch nicht bloß zum Zeitvertreib, sondern werden für ganz unterschiedliche Zwecke verwandt. 22 bzw. 23 Minuten täglich nutzen Mädchen und Jungen ihr Gerät fürs Arbeiten. Knapp 6 Prozent der Kinder haben zu Hause Zugang zum Internet.

Männliche Jugendliche sind im Durchschnitt besser ausgestattet: 26 Prozent der männlichen, aber nur 12 Prozent der weiblichen Jugendlichen haben ihren PC im eigenen Zimmer immer verfügbar. Der Besitz eines Computers hängt zudem vom Familieneinkommen ab: Kinder aus Haushalten mit höherem Einkommen haben zu 60 Prozent einen Computer, solche aus Familien mit mittlerem Einkommen zu 36 Prozent und solche aus Familien mit niedrigem Einkommen nur zu 27 Prozent.

Haushalte mit Kindern verfügen im Schnitt über eine sehr viel bessere Computerausstattung als Haushalte ohne Kinder. Eltern geben sich also Mühe, ihrem Nachwuchs neue Technologien zugänglich zu machen. Das staatliche Bildungssystem hingegen tut sich schwer mit den neuen Medien: Mehr als 70% aller Schulkinder hat in der Schule noch nie einen PC bedient.

Die wissenschaftliche Studie des Hans-Bredow-Instituts wird von der Hamburgischen Anstalt für Neue Medien, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen sowie der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen gefördert. Die Ergebnisse beruhen sowohl auf qualitativen Untersuchungen als auch auf einer repräsentativen Umfrage, bei der 1.234 Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren und die Eltern jedes zweiten Kindes befragt wurden.

Parallele Untersuchungen mit vergleichbaren Instrumenten werden derzeit auch in Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, den Niederlanden, Schweden, in der Schweiz und in Spanien durchgeführt.