Abtracts M&K 3/2010

Andreas Hepp / Cigdem Bozdag / Laura Suna: Herkunfts-, Ethno- und Weltorientierte: Aneignungstypen der kulturellen Identität und kommunikativen Vernetzung in der Diaspora

Auf der Basis einer medienethnografischen Untersuchung u. a. mittels qualitativer Interviews und Netzwerkanalysen werden in diesem Artikel für die marokkanische, russische und türkische Diaspora in Deutschland drei Typen des Wechselverhältnisses von kultureller Identität und kommunikativer Vernetzung in der Medienaneignung unterschieden, nämlich „Herkunftsorienierte“, „Ethnoorientierte“ und „Weltorientierte“. Die Form der kommunikativen Vernetzung artikuliert sich zusammen mit der jeweils subjektiv empfundenen kulturellen Zugehörigkeit als „Herkunftsvernetzung“, „bikulturelle Vernetzung“ und „transkulturelle Vernetzung“. Solche Analysen machen deutlich, dass eine Reduktion der Forschungsdiskussion auf die „Integrationsproblematik“ nicht zielführend ist. Im Gegenteil sind die Potenziale, die in der kommunikativen Vernetzung von Migrantinnen und Migranten mittels unterschiedlicher Medien bestehen, weit vielfältiger.

Schlagwörter: Migration, Diaspora, Medien, Identität, Integration, Vernetzung, Medienkultur, Netzwerkanalyse, Grounded Theory

 

Annett Heft / Torsten Maurer / Hans-Jürgen Weiß: Mediennutzung und Medienkompetenz junger russischer Aussiedler in Nordrhein-Westfalen

Die Mediennutzung und Medienkompetenz von Menschen mit Migrationshintergrund ist Gegenstand einer breiten gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Debatte. Neben positiven Erwartungen an die Bildungs-, Kommunikations- und Partizipationspotenziale insbesondere der digitalen Medien für junge Migranten steht dahinter auch die Befürchtung, diese könnten die genannten Potenziale nicht in voller Bandbreite erschließen. Allerdings liegen zur Mediennutzung und Medienkompetenz junger Migranten in Deutschland bislang kaum repräsentative Basisdaten vor. Vor diesem Hintergrund präsentiert der Beitrag Ergebnisse einer repräsentativen Telefonbefragung zur Mediennutzung und Medienkompetenz von jungen russischen Aussiedlern im Alter von 12 bis 19 Jahren in Nordrhein-Westfalen und vergleicht diese mit Befunden für die gesamte Altersgruppe der in Deutschland lebenden 12- bis 19-Jährigen. Im Ergebnis verweist dieser Vergleich vor allem auf die Gemeinsamkeiten, die junge Menschen im Umgang mit den alten und den neuen Medien verbinden. Der Medienumgang der jungen russischen Aussiedler wird weniger durch ihren Migrationsstatus als vielmehr durch Lebensalter, Geschlecht und insbesondere Schulbildung bestimmt.

Schlagwörter: Mediennutzung, Migration, Digital Divide, Migration

 

Sünje Paasch-Colberg / Joachim Trebbe: Mediennutzungsmuster türkischstämmiger Jugendlicher und junger Erwachsener in Nordrhein-Westfalen

Im Jahr 2006 lebten fast 2.5 Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland. Besonders die Jüngeren von ihnen haben oft keine eigene Migrationserfahrung. Der folgende Beitrag nimmt diese junge, für die Untersuchung von sozialen Integrationsprozessen besonders interessante Gruppe daher gezielt in den Blick. Präsentiert werden Ergebnisse einer standardisierten Telefonbefragung 12- bis 29-jähriger Personen mit türkischem Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es dabei, die bisherigen Befunde zur sprachgebundenen Mediennutzung und sozialen Integration von Migranten fortzuschreiben, wobei jedoch neben der konventionellen Massenmediennutzung auch die Nutzung neuer Funktionsmedien berücksichtigt wird. Dabei zeigt sich u.a., dass die Nutzung dieser Funktionsmedien eher mit der sozialen Situation der Befragten zusammen hängt (insbesondere ihrer Bildung) als mit ihrem Integrationsstatus. Analysen zur Wirkung sprachgebundener Massenmediennutzung auf die soziale Integration zeigen keine Einflüsse von exklusiv deutschsprachiger Mediennutzung aber deutliche Effekte einer ausgewogen zweisprachigen Mediennutzung. In der hier untersuchten Altersgruppe werden Funktionsmedien und deutsche Massenmedien also unabhängig vom Integrationsstatus genutzt.

Schlagwörter: Mediennutzung, Integration, Funktionsmedien, türkische Migranten

 

Erk Simon / Gerhard Kloppenburg: Kanal D, Pro Sieben oder Das Erste? Determinanten der Fernsehprogrammnutzung junger Zuschauer mit türkischem Zuwanderungshintergrund

Der Beitrag untersucht die Frage, welche Faktoren für die Fernsehprogrammnutzung junger türkischstämmiger Zuschauer relevant sind und wie die bestehenden Programmpräferenzen erklärt werden können. In einer Sekundäranalyse der Daten der WDR-Studie „Zwischen den Kulturen“ (2006) werden soziodemografische Faktoren, funktionale Aspekte der Fernsehnutzung, Genreinteressen sowie Einstellungen zum türkischen und deutschen Fernsehen in Bezug auf ihren Zusammenhang mit der Nutzung der Programme Kanal D, Das Erste und Pro Sieben analysiert. Die Ergebnisse zeigen differenzierte Strukturen im türkischstämmigen Fernsehpublikum, deren grundlegende Zusammenhänge den Befunden für die deutschen Zuschauer ohne Zuwanderungshintergrund durchaus vergleichbar sind. So haben Zuschauer mit einer ausgeprägten Informationsorientierung eine stärkere Präferenz für Das Erste, während Zuschauer, die in erster Linie Spannung und Spaß vom Fernsehen erwarten, Pro Sieben bevorzugen. Die Nutzung des türkischsprachigen Programms Kanal D steht in einem ausgeprägten Zusammenhang mit einer hohen Affinität zur türkischen Sprache, der Verbundenheit mit der türkischen Herkunft sowie dem Interesse an spezifischen Programmgenres des türkischen Fernsehens.

Schlagwörter: Mediennutzung, Fernsehnutzung, türkische Migranten, Sekundäranalyse

 

Heinz Bonfadelli / Priska Bucher / Andrea Piga / Sara Signer: Rundfunk, Migration und Integration. Schweizerische Befunde zur Integrationsleistung des öffentlichen und privaten Rundfunks

Im Gefolge von verstärkter Migration in den meisten Ländern Europas und der in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Integrationsproblematik hat die Frage nach der Beziehung zwischen Medien und Migration auch in der Kommunikationswissenschaft an Bedeutung gewonnen. Der Beitrag präsentiert und diskutiert schwerpunktmäßig Befunde aus einer schweizerischen Studie für das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) zur Integrationsleistung des öffentlichen und privaten Rundfunks auf der Basis von Inhaltsanalysen und Befragungen. Die Befunde dokumentieren einerseits Unterrepräsentanz, Stereotypisierung und Negativität in der Migrationsberichterstattung, andererseits eine ambivalent negative Wahrnehmung der Funktionen und Leistungen der Mehrheitsmedien durch die Migranten selbst. Zudem konnten keine Belege für die sog. „Medienghetto-These“ gefunden werden.

Schlagwörter: Migration, Rundfunk, Schweiz, Berichterstattung, Inhaltsanalyse