Abstracts 1/2009

Ralph Weiß: Politisch-kommunikative Milieus. Notwendigkeit und Nutzen einer milieutheoretischen Analyse politischer Kommunikation

Lebenslagen und Formen der Lebensführung bestimmen darüber, ob und wie die medienvermittelte politische Kommunikation Einfluss auf politische Vorstellungen, Einstellungen und Handlungen ausübt. Auf diesen Zusammenhang stoßen sowohl die Kommunikationswissenschaft als auch die Politikwissenschaft bzw. die politische Soziologie. Der Beitrag diskutiert, inwieweit die Milieutheorie helfen könnte, den offenbar prägenden lebensweltlichen Kontext angemessen zu erfassen. Zunächst wird bilanziert, wie die kommunikationswissenschaftliche Forschung zur politischen Kommunikation die Relevanz von Dimensionen der Lebensführung zum Vorschein bringt. Daran schließt sich ein komplementärer Überblick an, wie die Politikwissenschaft bzw. die politische Soziologie die Bedeutung sozialstruktureller Dimensionen der Lebenslage für politische Einstellungen und Handlungen kennzeichnen. Abschließend wird der Milieubegriff als konzeptionelle Klammer genutzt, um Ansätze aus beiden disziplinären Perspektiven zusammenzuführen. Damit werden Grundlagen für eine milieutheoretisch instruierte Kommunikationsforschung skizziert, die zu ermitteln versteht, wie Formen politischer Kommunikation und Modi politischer Partizipation ineinandergreifen und aus welchem lebensweltlichen Gefüge diese Zusammenhänge erwachsen.

Schlagwörter: Politische Kommunikation, politische Milieus, politisierte Sozialstruktur, politische Partizipation

Michael Meyen: Medialisierung

Der Beitrag sichtet und systematisiert die Literatur zum Thema Medialisierung und schlägt einen Rahmen vor, in dem sich empirische Studien bewegen können. Es wird dafür plädiert, unter Medialisierung Reaktionen in anderen gesellschaftlichen Teilbereichen zu verstehen, die sich entweder auf den Strukturwandel des Mediensystems beziehen oder auf den generellen Bedeutungszuwachs medial vermittelter öffentlicher Kommunikation. Diese Definition hat Folgen für die empirische Umsetzung. Benötigt werden Längsschnittstudien, die erstens nach der Medienlogik und möglichen Veränderungen dieser Logik fragen und dabei Medieninhalte sowie (individuelle und kollektive) Medienakteure genauso berücksichtigen wie die Faktoren, die das Handeln der Medienakteure beeinflussen. Um Medialisierung nachweisen und dabei differenzieren zu können, sind zweitens Untersuchungen auf mehreren Ebenen und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen nötig. Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass sich das Verhalten und der Alltag von Menschen, Organisationen, Institutionen und Systemen verändern, weil Akteure davon ausgehen, dass Massenmedien nicht wirkungslos sind.

Schlagwörter: Medialisierung, Medienwirkung, sozialer Wandel, Medienlogik

Ines Engelmann: Der mediale Diskurs über die EU-Osterweitung. Europäisierung der deutschen Medienöffentlichkeit am Beispiel zweier Qualitätszeitungen

Der Beitrag untersucht den Europäisierungsgrad in der Welt und der Frankfurter Rundschau am Beispiel der EU-Beitritte Polens und Tschechiens im Mai 2004 sowie Rumäniens und Bulgariens im Januar 2007. Anhand einer Argumentanalyse des medialen Beitrittsdiskurses wird Europäisierung als prozessuales, graduelles und multidimensionales Phänomen empirisch beschrieben. Das zugrunde gelegte Öffentlichkeitsmodell berücksichtigt unterschiedlich anspruchsvolle Informationsebenen des Beitrittsdiskurses. Neben „medialer Sichtbarkeit“ liegt der Analyseschwerpunkt auf den voraussetzungsreicheren Diskursebenen „diskursiver Interaktion“ und „diskursiver Qualität“. Die Ergebnisse bestätigen punktuell einen zunehmenden Europäisierungsgrad auf einer Teildimension „medialer Sichtbarkeit“, nicht aber für „diskursive Interaktion“ und „diskursive Qualität“. Auf der Deutungsebene bestehen sowohl im Vergleich der Beitrittszeiträume als auch der untersuchten Zeitungen Unterschiede, während sich Meinungen zu den Beitritten einzelner Kandidatenländer über die untersuchte Zeitspanne nicht verändern. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die europäisierte Öffentlichkeit in Deutschland ideologisch segmentiert ist.

Schlagwörter: Europäisierung, deutsche Medienöffentlichkeit, Argumentanalyse, EU-Osterweiterung, EU-Beitritt, Presseberichterstattung

Jens Tenscher / Sonja Schmid: Berichterstattung nach Wahl. Eine vergleichende Analyse von Bundes- und Landtagswahlkämpfen in der Regionalpresse

Eine Reihe tief greifender Veränderungen im Umfeld politischen Handelns hat die Art und Weise, wie Wahlkämpfe von den Parteien in Deutschland bestritten werden, nachhaltig beeinflusst. Auch die journalistische Wahlkampfberichterstattung ist einem steten Wandlungsprozess unterworfen. Während den entsprechenden Veränderungen und Charakteristika der Wahlkampfkommunikation auf nationaler Ebene in den vergangenen Jahren im Rahmen einiger länder- und zeitvergleichender Studien wiederholt empirische Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, ist die wahlkampfspezifische politische Kommunikation außerhalb der Bundesebene weithin unbeachtet geblieben. Die zunehmende Indifferenz, mit der die Bürger der Landespolitik begegnen, und die nachlassende Bereitschaft, sich an Landtagswahlen zu beteiligen, deuten jedoch auf Defizite in der Art und Weise hin, wie Parteien und Massenmedien im regionalen Kontext Politik darstellen und vermitteln. Diesen Vermittlungsprozessen widmet sich der vorliegende Beitrag, der hierzu exemplarisch die Berichterstattung regionaler Printmedien anlässlich des Bundestagswahlkampfes 2005 und der Landtagswahlkämpfe des Frühjahrs 2006 inhaltsanalytisch untersucht. Der direkte Vergleich untermauert die Annahme einiger genereller Charakteristika in der Wahlkampfberichterstattung, aber vor allem die durch institutionelle und prozessuale Settings geprägten Spezifika der politischen Berichterstattung auf Landesebene. Diesen sollte zukünftig verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Schlagwörter: Politische Kommunikation, Wahlkampfberichterstattung, Wahlkampfkommunikation, Landtagswahlen, Printmedien, Presseberichterstattung, Inhaltsanalyse