Projektergebnisse zu Electronic Programme Guides vorgestellt

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Auf einem Workshop zur elektronischen Programmführung im digitalen Fernsehen sind am 22. Oktober 2008 im Preußischen Landtag in Berlin die Ergebnisse des Projekts des Hans-Bredow-Instituts zur Entwicklung des Angebots an Elektronischen Programmführern vorgestellt worden. Die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) und des Satellitenbetreiber SES ASTRA erstellte Analyse ist jetzt als Buch erschienen. Zur Präsentation der Ergebnisse

  • Hasebrink, U., Schröder, H.-D., Stark, B. (2008): Elektronische Programmführung im digitalen Fernsehen. Nutzerstudie und Marktanalyse. Berlin: Vistas (Schriftenreihe der Landesmedienanstalten, Bd. 40). Verlagsinformationen

Jeder Empfänger, jede Set Top Box für digitales Fernsehen benötigt mindestens einen Basis-Navigator, damit in dem digitalen Datenstrom die einzelnen Programme gefunden werden können. Ein Electronic Programme Guide (EPG), mit dem auch Informationen über einzelne Sendungen ausgewertet und am Bildschirm präsentiert werden, fehlt aber bei vielen Modellen. Um ein EPG-Angebot neu auf den Markt zu bringen, bedarf es der Kooperation der Gerätehersteller, der Plattformbetreiber und der Programmanbieter, die jeweils eigene Interessen haben. Mit der Anschaffung der Set Top Box fällt die Entscheidung über die Verfügbarkeit eines EPG – eine einheitliche Plattform, mit der auf einem Gerät unterschiedliche EPGs eingesetzt werden könnten, gibt es derzeit noch nicht.

Im ersten Panel des Workshops stellte Dr. Birgit Stark von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Erfahrungen und Einschätzung der Nutzer vor: Nur in der Hälfte der Haushalte, die mit einem EPG-tauglichen Gerät ausgestattet sind, wird der EPG auch regelmäßig genutzt. Dies hängt damit zusammen, dass von der Angebotserweiterung durch das digitale Fernsehen nur zögernd Gebrauch gemacht wird. Viele Zuschauer behalten auch mit der neuen Technik erst einmal die alten Nutzungsgewohnheiten bei.

Präsentation "Der Markt für Navigatoren und Elektronische Programmführer" von Prof. Dr. Uwe Hasebrink

 

 

In einem zweiten Panel stellten drei Anbieter von EPGs ihre Produkte und ihre Strategie vor. Petra Schmietendorf von NDS berichtet, dass ihr Unternehmen international bereits 80 EPGs entwickelt hat, darunter in Deutschland für Premiere. Christina Hirsch präsentierte das Angebot von tvtv, einem Sony-Tochterunternehmen, das in Deutschland u. a. mit Kabelnetzbetreibern kooperiert und die Fernsteuerung eines Festplatten-Videorecorders per Handy oder über das Internet ermöglicht. Stephan Zech berichtet über die Pläne des Axel Springer-Verlages, einen neuen EPG anzubieten, der zunächst nur über das Internet verfügbar sein soll.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde die Frage der Geschäftsmodelle diskutiert. Martin Herkommer vom Kabelnetzbetreiber KabelBW berichtete von der Absicht seines Unternehmens, in Zusammenarbeit mit NDS eine eigene Middleware zu etablieren, die als Basis für unterschiedliche EPGs fungieren kann. Kai Flatau von Pro Digital TV betonte die Probleme kleiner Fernsehanbieter, in der Vielzahl der Kanäle überhaupt gefunden zu werden. Christian Töpper, Geschäftsführer der dpa-Tochter PPS, machte die Interessengegensätze besonders deutlich: Während manche Fernsehveranstalter die Verwendung ihre Programminformationen möglichst kontrollieren wollen, wollen die Redaktionen der Zeitungen, Zeitschriften, Internet-Portale und EPGs, dass die Inhalte entsprechend den Interessen ihres Publikums aufbereitet werden, und PPS als Dienstleister steht genau in diesem Spannungsfeld. Dies wurde bestätigt von Klaus Hofmann von ProSiebenSat.1. Aus seiner Sicht seien EPGs zum Scheitern verurteilt, wenn nicht alle Beteiligten einen Vorteil davon haben.