Zu Wasser, zu Lande und in der Luft für die Hörer — Der "Allround"-Reporter Günter Schwermer
Nicht auf Sensationen kommt es mir an bei Reportagen im Rundfunk, jedoch darauf, den Menschen unserer Zeit, den Hörer, mit den vielfältigen Erscheinungen und Entwicklungen der Gegenwart vertraut zu machen.
Günter Schwermer, der 1949 diesen Anspruch formulierte, war einer der umtriebigsten Reporter in der westdeutschen Hörfunklandschaft der Nachkriegsjahre. Etwa 1.200 Beiträge soll er in den Jahren zwischen 1946 und 1953/4 für den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) produziert haben. Die NWDR-Hauszeitschrift "Die Ansage" nannte ihn 1951 "Allround-begabt: Schwermer liegt die Provinzialreportage genau so wie die internationale Berichterstattung."
Zweifelsohne war er einer der profiliertesten Reporter des NWDR-Hörfunks. Schwermer wurde 1911 in Berlin geboren, wo er auch die Jugend verbrachte. Nach dem Abitur schloss er zunächst eine Ausbildung zum Zeitungsverlagskaufmann ab und arbeitete bis 1937 in Berlin als Verlagskorrespondent und als Werbefachmann. Danach war er für den Weltkunst-Verlag sowie den Deutschen Verlag als Verlagskaufmann tätig. Für den Deutschen Verlag vertrieb er seit 1939 von Dresden aus Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Zeitschriften, darunter "Deutsche Allgemeine Zeitung", "Berliner Morgenpost", "Das 12 Uhr Blatt", "B.-Z. am Mittag", "Reichssportblatt", "Deutsche Infanterie", "Sirene" oder die "Berliner Illustrirte Zeitung". Dabei hegte Schwermer aber stets eine besondere Begeisterung für den Rundfunk. 1934 nahm er in Berlin an einem Sprecherwettbewerb der Reichsrundfunkgesellschaft (RRG) teil. Aus dem Stegreif gewann Schwermer mit einer Reportage über eine Sportveranstaltung den dritten Preis. Fortan arbeitete er neben seinem eigentlichen Beruf als freier Mitarbeiter im Rundfunk mit.
Endgültig zum Hörfunk-Journalisten wurde Schwermer dann allerdings unter den Vorzeichen des Zweiten Weltkriegs. 1941 eingezogen, wurde er bald Kriegsberichterstatter an der Ostfront: 1943 leitete er dort einen kleinen Rundfunktrupp (Schwermer als Berichter sowie zwei Techniker und ein Fahrer) beim "Heereskriegsberichterzug Mitte" und erstellte Berichte über das Kriegsgeschehen für die Frontnachrichten des Rundfunks. In Kurland traf er auf Peter von Zahn, der damals ebenfalls Kriegsberichter war und später journalistisches Aushängeschild des NWDR wurde. Von Zahn war es auch, der ihn - wie sich Schwermer erinnerte - 1945 für den Nordwestdeutschen Rundfunk empfahl. Das Einstellungsgespräch musste er mit dem deutschstämmigen britischen Kontrolloffizier Walter Everitt führen. Mit dessen "Okay" arbeitete Schwermer seit 1. Januar 1946 in der Reportageabteilung im Funkhaus Hamburg. Im Kreise der NWDR-Mitarbeiter, die zu einem Großteil erst nach 1945 zum Hörfunkjournalismus fanden, gehörte Schwermer also zu den alten Hasen.
"So müssen Interviews immer sein!"
In den nächsten Jahren bereiste Schwermer mit dem Mikrofon den gesamten Norden des NWDR-Sendegebiets und - auch Jahre nach dem Krieg noch eine Besonderheit - hin und wieder das Ausland. Dabei führte er zahllose Interviews: Mit Menschen von der Straße, die dem Hörfunkjournalisten ihr alltägliches Erleben, ihre Hoffnungen, Anliegen und Nöte mitteilten, mit einer 250 Jahre alten Schildkröte im Hamburger Tierpark Hagenbeck, aber auch mit zahlreichen Prominenten - etwa dem Boxer Max Schmeling, der Schauspielerin Henny Porten oder dem französischen Hohen Kommissar in Deutschland André François-Poncet. Für jeden Gesprächspartner nahm sich Schwermer Zeit, hörte aufmerksam zu. Die Schauspielerin Henny Porten schrieb dem Reporter ins Album: "So war's nett! Ungezwungen und gemütlich! So müssen Interviews immer sein!"
Auf diese Weise begleitete Günter Schwermer die unmittelbare Nachkriegszeit und den an Fahrt gewinnenden Wiederaufbau im westlichen Deutschland. Seine Berichte und Reportagen entstanden vor allem für die bei den Hörern bald sehr beliebte Sendereihe "Echo des Tages", die jeden Tag in den frühen Abendstunden auf der Mittelwelle des NWDR gesendet wurde. Dazu gehörte ein Bericht über die Kinder-Speisungen des Internationalen Roten Kreuzes in Schleswig-Holstein (ca. 1946), eine Reportage aus dem Salzbergwerk Mariaglück bei Celle (1947), ein Beitrag über die Aufräumarbeiten in Hafen und Werftanlagen von Wilhelmshaven (1950) oder etwa über den Stapellauf der "Santa Ursula" am 16. Dezember 1950 im Hamburger Hafen. Die "Santa Ursula" war das erste nach dem Krieg in Hamburg neu gebaute Schiff der Handelsgesellschaft "Hamburg Süd". Bürgermeister Max Brauer persönlich sprach beim Stapellauf, mit dem die Hamburger große Hoffnungen im Hinblick auf ein Wiederaufleben des Hafens als Knotenpunkt im weltweiten Seehandel verknüpften. Die Reportage Günter Schwermers zu diesem Ereignis ist erhalten geblieben - leider gilt dies nur für einen geringen Bruchteil der insgesamt gesendeten Beiträge Schwermers.
- Hörprobe 1: Chronist des Wiederaufbaus: Günter Schwermer mit einer Reportage über den Stapellauf der "Santa Ursula" am 16.12.1950 im Hamburger Hafen. (flash plug-in erforderlich). Mit freundlicher Genehmigung des Norddeutschen Rundfunk
1950
konnte Schwermer von der Wiedereröffnung des Hamburger Flughafens
Fuhlsbüttel unter deutscher Regie berichten. Seit Ende des Kriegs
hatte dieser unter Kontrolle der britischen Besatzungsmacht gestanden
und war der zivilen Nutzung entzogen. Daneben produzierte er Berichte
und Reportagen zur verheerenden Hochwasser-Katastrophe in der italienischen
Poebene 1951, zur Einweihung der Hamburger Schiffsbegrüßungsanlage
am Willkomm Höft 1952, und zur Trauerfeier für den SPD-Vorsitzenden
Kurt Schumacher 1952. Das sozialdemokratische "Hamburger Echo"
bedankte sich für die "würdige Berichterstattung".
Klassische Politikberichterstattung war jedoch nicht die Absicht oder
primäre Aufgabe Schwermers. Stattdessen setzte er auf thematische
Vielseitigkeit und die umfassend interessierte und leichtfüßig
charmante Betrachtung des bunten, sich wandelnden Nachkriegs- und frühen
bundesrepublikanischen Alltags. 1949 reiste er auf die Nordseeinsel
Borkum und traf das damals 90-jährige Insel-Original Hermann Akkermann,
einen alt gedienten Seehundjäger und Lebensretter.
- Hörprobe 2: Günter Schwermer im Gespräch mit dem 90 Jahre alten Hermann Akkermann am 30.3.1949.(flash plug-in erforderlich). Mit freundlicher Genehmigung des Norddeutschen Rundfunks
In Lebensgefahr
Spektakulär war vor allem eine Reportage aus dem Sommer 1947 anlässlich der 1.000. Wrackbergung im Hamburger Hafen. Überhaupt war der Hamburger Hafen, das Tor zur Welt, einer der liebsten Plätze Schwermers. Hier holte er sich viele Anregungen für Reportagen. Annähernd 3.000 verschieden große Schiffswracks versperrten im Mai 1945 die ohnehin weitgehend zerstörten Hafenanlagen Hamburgs. Hinzu kamen Trümmer von Hafenanlagen, Kränen und Brücken. Sie waren Überbleibsel der amerikanischen und britischen Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs und behinderten die Wiederaufnahme des Hamburger Seehandels. Bei der Beseitigung spielten insbesondere Taucher der Bergungsfirmen eine zentrale Rolle. Sie mussten die Wracks zur Hebung durch Lenzpumpe, Pressluft und Kräne vorbereiten: die Ladung löschen, Lecks abdichten, Haltebolzen und Stahltrossen fest schweißen usw. - ein gefährlicher, in jenen Jahren aber notwendiger Beruf. Der Schriftsteller und zeitweilige NWDR-Kollege Siegfried Lenz hat den Wracktauchern in verschiedenen Werken ein literarisches Denkmal gesetzt.
Schwermer begleitete für seinen Beitrag im Sommer 1947 einige Wracktaucher bei ihrer Arbeit unter die Wasseroberfläche. Ein Steinkohlefrachter, der bei einem Luftangriff samt seiner Ladung im Hamburger Hafen versenkt worden war, wurde auf seine Hebung vorbereitet. Abenteuerlustig ließ sich der Rundfunkmann den ungewohnten Gummianzug anlegen, die 25 Pfund schweren Bleischuhe, den 48 Pfund schweren Kupferhelm samt Brust- und Rückenplatten, vier Mann mussten dabei helfen - wie eine Ritterrüstung erscheint sie Schwermer. Seine hilflos schwerfälligen Bewegungen in Richtung Bordwand erinnern ihn an einen Dinosaurier. Dann geht es hinab ins kalte, dunkle Nass der reißenden Elbe.
"Etwas Neues, Fremdes wirkt auf mich ein. Von einer bestimmten Tiefe beim Sinken umschließt mich der Wasserdruck allseitig, kühl und drückend, irgendwie unheimlich. […] Aber nun muss es endlich nach unten gehen. Ich betätige immer mehr mein Kopfventil. Es wird noch kälter..., der Druck nimmt so zu, dass ich nur noch unter Kraftanstrengungen meinen Brustkorb zum regelmäßigen Atmen jedes Mal weiten muss. Gebe noch längere Abluft durch das Kopfventil... sinke..., sinke noch weiter und nun bin ich mit meinen Beinen auf dem, was man hier Grund nennt... es ist knietiefer Morast, dazu eiskalt. Kleine Steine geraten mir zwischen Gummistrümpfe und Bleischuhe, unter die Füße. Verdammt unangenehm, sie wirken so kantig und spitz wie Glassplitter."
Überaus anschaulich schildert Schwermer das von ihm Erlebte. Stellvertretend für die Hörer begab er sich in diese Situation. Seine Eindrücke sprach Schwermer sogar unmittelbar über das im Taucherhelm integrierte Arbeitstelefon auf ein Magnetofonband. Das Tonbandgerät befand sich an Bord des an der Wasseroberfläche wartenden Taucherschiffs. Es klang "wie aus einer Gießkanne", zudem verzerrten der unterschiedliche Wasserdruck und das "stete Zischen der Atemluft" im Helm die Stimme, wie Schwermer später der Rundfunkzeitschrift "Hör Zu!" anvertraute.
Als
der Reporter schließlich bereit ist, wieder aufzutauchen, passiert
es: "Als ich nun an der bauchigen Schiffswand weiter nach oben
steige, höre ich plötzlich ein metallisches Schurren und im
nächsten Augenblick spüre ich einen gewaltigen Druck auf meinen
Körper, unter irrsinnigen hohen Pfeifentönen sticht es wie
mit Stricknadeln in beide Ohren... Meine Kombination bläht sich
plötzlich auf wie der Körper eines jungen Elefanten. Meine
Beine werden jäh nach oben gerissen. Ich weiß nicht, wie
mir geschieht", schrieb Schwermer dazu später nieder.
Panik ergreift den Rundfunkmann, ehe er die Situation erfasst. Unbeabsichtigt
hat sich das Ventil der Luftflaschen an seinem Taucheranzug geöffnet.
Zusätzlich zur Kompressorluft vom Taucherschiff strömt unkontrolliert
weitere Atemluft ein, sorgt für Überdruck und Auftrieb: Lebensgefahr.
Verzweifelt hält er sich an dem Wrack fest. Nachdem er sich gefasst
hat, schließt Schwermer das Ventil der Atemflasche an seinem Anzug
- und erhält in diesem Moment gar keine Atemluft mehr. Ging es
eben noch mit Gewalt an die Wasseroberfläche, sinkt er nun gleichfalls
unkontrolliert auf den Grund. An Bord des Taucherschiffes hatten sie
seine missliche Lage, den Auftrieb durch ein Zuviel an Luft bemerkt
und den Kompressor kurzerhand abgestellt, um das Schlimmste zu verhüten.
Zu allem Überfluss war das Tauchtelefon just in diesem Moment außer
Betrieb, damit an Bord des Taucherschiffs ein Magnetofonband gewechselt
werden konnte.
Die Situation wird schließlich gemeistert. Abgekämpft taucht Schwermer wieder auf: "Nie werde ich das schöne Gefühl vergessen, als ich wieder oben angelangt nach abgedrehter Sichtscheibe die ersten Atemzüge frischer Luft und das Tageslicht in mich aufnehmen konnte." Die Aufzeichnungen und späteren Erzählungen Schwermers bezeugen den höchsten Respekt gegenüber den Tauchern, deren anstrengenden, unangenehmen und lebensgefährlichen Arbeit. Eine Aufnahme dieser Reportage ist leider nicht erhalten, wie das Schallarchiv des NDR bestätigte.
Die Reportage machte offenkundig auch damals schon gehörigen Eindruck. Sie soll zu einer Anhebung der Lebensmittelrationen der Wracktaucher geführt haben, berichtet Gisela Schwermer. Angesichts der prekären Versorgungslage in der britischen Besatzungszone, die im Frühjahr 1947 ihren Tiefpunkt erreicht hatte und sich nur langsam entspannte, und angesichts der Strapazen der Bergetaucherei, war dies von enormer Bedeutung. Die Taucher bedankten sich 1948 mit einem überraschenden Auftritt in voller Tauchermontur bei der Hochzeit Günter Schwermers mit seiner Gisela an Bord des Schulschiffs "Seute Deern" im Hamburger Hafen. Sie ernannten den Rundfunkberichter zudem zum Ehrenmitglied ihrer Vereinigung.
"Noch nie sind 90,-- Mark bei uns besser angelegt gewesen"
Doch eben nicht nur im unmittelbaren Sendegebiet des NWDR war Schwermer im Einsatz. Für Aufsehen sorgte 1949 eine sechswöchige Reportage-Reise Schwermers, die ihn ins weit entfernte Südamerika führte. Schwermer war der erste deutsche Rundfunkjournalist nach dem Zweiten Weltkrieg, dem dies gelang. Mit "50 Kilo technischem Gepäck" und einem Empfehlungsschreiben des "Senior Liaison Officer" der Hamburger "Broadcasting Liaison Branch ISD" machte er sich im Sommer 1949 an Bord einer Maschine des "Scandinavian Airline Service" von Frankfurt aus auf den Weg. Vom Fensterplatz 13 D - neben ihm und ebenso angeschnallt, das kleine Magnetofon-Aufnahmegerät vom Typ R 25 - flog Schwermer über die Schweiz (Genf), Portugal (Lissabon), Westafrika (Dakar) und den Südatlantik nach Rio de Janeiro und Buenos Aires. Die Eindrücke der Reise bannte er auf zahlreiche Textmanuskripte, Magnetofonbänder und Fotos. Die "Hamburger Freie Presse" lobte am 8. November 1949 nach Ausstrahlung einer Viereinhalb-Stunden-Sendung über diese Reise: "Der Sprung über den Südatlantik (mit tragbarem Magnetophon) hat sich sehr gelohnt."
Günter
Schwermer erinnert an das Bild des rasenden Reporters - im Einsatz für
die Hörer zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Er erwies sich als
überaus geschickter und gewitzter Journalist. Ihm gelangen "Mikrofon-Husarenstreiche",
wie die von der NWDR-Pressestelle herausgegebene Zeitschrift "Die
Ansage" stolz berichtet. 1951 war Schwermer in Le Havre vor allen
anderen in- und ausländischen Reportern an Bord der "America",
des seinerzeit größten Passagierschiffs in den USA, gelangt
- an Bord eine US-amerikanische UNO-Delegation auf dem Weg zu einer
Konferenz in Paris. Die "America" sollte nach dem Zwischenstopp
in Le Havre mit Bremerhaven erstmals einen deutschen Hafen anlaufen.
Während die anderen Journalisten noch warteten, war Schwermer mit
seinem tragbaren Magnetofongerät an Bord der "America"
schon auf der Suche nach Interviewpartnern. "Die Ansage" berichtete
im Dezember 1951 über den folgenden Coup genüsslich:
"Er findet die erste Garnitur der Weltpolitik im Frühstückssalon.
[…] Schwermer greift sich zunächst den Pressereferenten der
Delegation. In diesem Augenblick verlässt eine Dame den Salon:
Mrs. Roosevelt [die Frau des ehemaligen US-Präsidenten; C.H.]!
An der Tür werden ihr UNO-Vertreter von den Philippinen vorgestellt.
Shake hands. ‚And this is Mister...' - ‚Mr. Schwermer, aber
nicht von den Philippinen, sondern vom Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg.'
‚A German reporter? How interesting!' Mrs. Roosevelt lächelt
zugänglich und hat nichts gegen ein Interview. Sogar einige deutsche
Worte spricht sie dabei ins Mikrofon." Auch ein Plausch mit dem
Außenminister der USA Dean Acheson ergibt sich dabei. "Während
die Auslandspresse immer noch am Kai wartet, eilt der NWDR-Reporter
zur Telefonzelle. Spricht dem Hamburger Funkhaus einen ersten Bericht
durch, der sofort gesendet wird. Die Magnetofonbänder gehen mit
Flugzeug hinterher. Am gleichen Abend schon erfahren die NWDR-Hörer,
was prominente Politiker bei ihrer Ankunft in Frankreich über Deutschland
und die Pariser UNO-Konferenz denken." Intendant Ernst Schnabel
anerkennend in einer Notiz an Schwermer: "Die Fahrkarte von Hamburg
nach Le Havre hat DM 90,-- gekostet. Noch nie sind 90,-- Mark bei uns
besser angelegt gewesen."
Schwermer war mit Leib und Seele Reporter. Er suchte den Kontakt zu den Menschen über deren Tun er seinen Hörern stellvertretend berichten wollte, verstand sich als aufrichtiger und neugieriger Mittler, suchte nach dem Besonderen im Alltag ohne falschen Sensationalismus. So hielt sich die Begeisterung auch ein wenig in Grenzen, als er 1952 zum Leiter der Reportageabteilung im NWDR-Landesfunkhaus Hannover berufen wurde. Ein Posten, der ihn für seinen Geschmack viel zu oft an den Schreibtisch fesselte.
Die angegriffene Gesundheit zwang Günter Schwermer 1953/4 überdies schließlich, seinen so geliebten Beruf aufzugeben, ja sich notgedrungen ins Frührentnerdasein zurückzuziehen. Bis zuletzt blieb er jedoch ein aufmerksamer Beobachter der weiteren Hörfunkentwicklung in Hamburg und Deutschland.
Christoph Hilgert, August 2006
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