Ernst Hoffmann

Kurzbiographie

  • geboren 23. Oktober 1925 in Kailen/Ostpreußen
  • absolviert eine Maschinenbau-Lehre; seit Februar 1943 im Reichsarbeitsdienst und Wehrmachtssoldat; mehrfach schwer verwundet
  • Herbst 1947 Entlassung aus dem Kriegslazarett in Mölln/Lauenburg
  • Arbeit als Elektriker und Filmvorführer in Hamburg
  • Oktober 1950 als Spezialist für Filmgeber und Filmabtaster gelegentliche freiberufliche Mitarbeit beim Fernsehversuchsbetrieb des NWDR im Bunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg
  • Februar 1951 Anstellung mit einem Zeitvertrag beim NWDR als technischer Mitarbeiter
  • Im November 1952 wird Ernst Hoffmann nach Köln geschickt, um dort den Fernsehstart am 25. Dezember 1952 vorzubereiten
  • Bis zu seiner Pensionierung 1986 Tätigkeit in verschiedenen Positionen der Fernsehtechnik des NWDR und NDR
  • gestorben am 29. Januar 2012 in Hamburg

Im August 2002 führte Hans-Ulrich Wagner ein Gespräch mit Ernst Hoffmann über die Fernsehanfänge in Hamburg und Köln.

 

Interviewausschnitt

Ernst Hoffmann im Gespräch mit Hans-Ulrich Wagner über den Start des Fernsehprogramms im Funkhaus Köln. Improvisation und Engagement waren notwendig, um am 25. Dezember 1952 die Fernsehbilder in Westdeutschland zum Laufen zu bringen ...

Hans-Ulrich Wagner (HUW): Herr Hoffmann, Sie sind kurz vor Weihnachten 1952 nach Köln gekommen. Sie saßen in einem ausrangierten Wagen der Kölner Verkehrsbetriebe mit einigen technischen Geräten, die Sie aus Hamburg mitgebracht hatten. Der Hessische Rundfunk stellte seinen Übertragungswagen für den Fernsehstart in Köln zur Verfügung. Wie muss ich mir ihre Arbeit in Köln vorstellen? Sie waren sicherlich sehr angespannt?

Ernst Hoffmann (EH): Lieber Herr Wagner, ich muss Ihnen sagen, jeder von uns war bemüht, seine Geräte funktionstüchtig zu halten und sie zum Einsatz zu bringen. Es waren so viele Probleme am Heiligabend, ich weiß es noch wie heute, es war so gegen 19 Uhr, überall gingen die Lichter an und ich sah die Kerzen brennen am Baum und mir war der Diageber durch die enorm hohe Luftfeuchtigkeit kaputt gegangen. Ich hatte zwar zwei Lüfter in den Wagen gestellt, die den Wagen schön warm machten, aber die Feuchtigkeit konnte ich nicht rausbringen. Ab einer gewissen Luftfeuchtigkeit gab es also einen Überschlag. Es blieb nicht bei dem Überschlag, da gehen immer gleich auch Widerstände oder Kondensatoren kaputt. So habe ich also Hände ringend da gesessen und habe jetzt meinen Diageber repariert.

HUW: Sie haben es aber noch rechtzeitig geschafft?

EH: Ja, Gott sei Dank. Aber auch nur, weil mir die Zeit im Nacken saß. Ich hatte keine Hilfe, weder vom Kölner Funkhaus noch von den Kollegen im Übertragungswagen des Hessischen Rundfunks. Denn die hatten keinen Diageber, konnten mir also auch gar nicht helfen. Ich habe alles versucht, habe auch die Betriebstechnik im Kölner Funkhaus gerufen, aber die sagten: "Herr Hoffmann, wir würden Ihnen ja gerne helfen, aber unser Techniker kennen doch diese Geräte nicht." Und somit musste ich alleine damit fertig werden.

HUW: Gab es denn noch andere technische Pannen während der Eröffnungsphase des regulären Programmbetriebs in Köln?

EH: Oh ja! Es war immer wieder etwas. Meistens immer durch höhere Gewalt. Wir hatten noch nicht viel Erfahrung. Ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe jedes Mal, wenn ich auf Sendung ging, gebetet, dass diese Geräte durchhalten mögen. Ich fühlte mich nicht wohl. Das hat Nerven gekostet. Bis heute ist es so: Es ist eine Sekundenarbeit, um in den Taktverbund zu kommen. Das kann sich keiner vorstellen. Wenn es Punkt acht Uhr gongt, dann weiß jeder von uns in der Technik, Millionen sehen dieses Bild. Und wer kann das gelassen hinnehmen, wenn ihm plötzlich eine Maschine ausfällt? Ich jedenfalls nicht. Man ist todunglücklich dabei. Man kann zwar nichts dafür, aber man fühlt sich irgendwie schuldig.

HUW: Sie sagen: "Millionen gucken zu". Das gilt für das Fernsehen in späteren Jahren. Damals, zu Beginn der 50er Jahren, waren es aber noch keine Millionen?

EH: Das stimmt. Wir hatten sicherlich zunächst nur einige hundert Zuschauer. Aber das änderte sich dann ja auch bald.