The Genre of Witnessing: Media, History and the Holocaust

In der gesellschaftlichen Erinnerung an Ereignisse der Zeitgeschichte nehmen Erzählungen von Zeitzeugen heute eine zentrale Rolle ein. Dabei werden, wie die Forschung zu Erinnerungs- und Gedenkkulturen darlegt, in einem kommunikativen, zunehmend medial vermittelten Prozess individuelle und private Erinnerungen in ein kollektives und öffentliches Gedächtnis transformiert. Das gilt ganz besonders für die Erinnerung an die Verfolgung der europäischen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.

In Kooperation mit Forschern aus Bochum und Jerusalem soll der Antrag auf ein Projekt weiter verfolgt werden, das auf der Basis mediengeschichtlicher und kultivierungstheoretischer Zugänge Formen, Kontexte und Auswirkungen der medial vermittelten „Zeitzeugenschaft“ über den Holocaust untersucht.

Das Projekt sieht zwei, eng miteinander verknüpfte Module vor, die arbeitsteilig sowohl in Israel als auch in Deutschland bearbeitet werden sollen. Vorgesehen ist, die sich verändernden „Funktionen“ von Zeitzeugen im musealen wie im massenmedialen Kontext und insbesondere die dafür als Folie dienenden Deutungsformationen/ Diskurse/ media frames über den Holocaust zu beleuchten. In diesem Zusammenhang soll auch versucht werden, längerfristigen Medienwirkungen auf die Spur zu kommen.

Vom 27. bis 30. April 2008 fand in diesem Zusammhang ein Research-Symposium zum Thema „Witnessing: Cultural Roots, Media Forms and Cultural Memory“ statt. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft luden die Organisatoren Günter Thomas, Amit Pinchevski und Paul Frosh insgesamt 30 internationale Wissenschaftler zu einer zweitätgigen, intensiven Diskussionsrunde in die Villa Vigoni/ Norditalien ein. Ein Themenband „Thinking Through Media Witnessing“, der diese Weiterarbeit der  Wissenschaftler dokumentiert, ist in Vorbereitung.

Vorträge

  • "Medial and Mental Representations of the Holocaust - Reflections on the Interplay of Mediated History and Individual and Collective Memory", Vortrag von J. Finger und H.-U. Wagner bei der XXIVst Conference of the International Association of Media History am 16. Juli 2011 in Kopenhagen.

  • "Mass Media and Autobiography - The Media Biographical Method as a Method of Media Effects Eesearch", Vortrag von J. Finger bei der "1st International Conference Landscapes of the Self" am 26. November 2010 in Evora, Portugal.

  • "Reconstructions of Long-Term Media Effects - Investigating Holocaust-Related Attitudes", Vortrag von J. Finger bei der 3rd European Communication Conference am 15. Oktober 2010 in Hamburg.

  • "Medien und kollektives Gedächtnis". Modul von J. Finger, H.-U. Wagner, U. Hasebrink in der Summer School „Film, Fernsehen, Internet. Kulturwissenschaftliche Rezeptionsforschung“, Universität Hamburg / Institut für Medien und Kommunikation und Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, Hamburg, 28. Juli 2009 (Programm, pdf-Datei).

  • "Den Holocaust fernsehen – Eine qualitative Studie zur Bedeutung des Fernsehens für die Herausbildung von Rezipientenvorstellungen", Vortrag von J. Finger im Rahmen des "Doc’s Day" am 11. Juli 2009 im Gästehaus der Universität Hamburg.

  • "Witnessing - Zur Konstruktion von Zeitzeugen", Vortrag von H.-U. Wagner auf dem Workshop des DFG-Projekts „Medialität und Modernität im NS-Kino“ im Warburg-Haus der Universität Hamburg, 27. Mai 2009.

  • „Media Witnessing. Reflections on a user-oriented approach to long-term media effects“. Vortrag von H.-U. Wagner und J. Finger auf der „International Bergen-Belsen Conference“ zum Thema „Witnessing: Sites of Destruction and the Representation of the Holocaust“ am 12. Januar 2009 in Bergen-Belsen. - Die „International Bergen-Belsen Conference“ wurde organisiert von PD Dr. Habbo Knoch (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten) und Prof. Dr. Henri Lustiger-Thaler (New York/Paris).

  • „Relating Media Witnessing“, Diskussionspapier von H.-U. Wagner auf dem Research-Symposium „Witnessing. Cultural Roots, Media-Related Forms and Cultural Memory“ am 27.-30. April 2008 in der Villa Vigoni, Loveno di Menaggio, Italien.