Hans Bierbrauer ("Oskar")

Kurzbiographie

  • geboren 24. Februar 1922 in Berlin
  • nach der Volksschule absolviert Hans Bierbrauer eine Lehre als Lithograph bei der graphischen Kunstanstalt Sauer & Co.
  • parallel zu seiner Lehrzeit besucht er das Berliner Abendgymnasium
  • Studium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin
  • 1939/40 bis 1945 als Soldat eingezogen
  • Dezember 1945 Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft und Fortsetzung des Kunst-Studiums
  • 1948/49 während der Blockade Berlins erste Veröffentlichungen politischer Karikaturen in verschiedenen Berliner Tageszeitungen
  • in dieser Zeit entsteht der Künstlername "Oskar", eine Anspielung auf die redensartige Wendung "frech wie Oskar", mit der viele Berliner auf seine Karikaturen reagieren
  • seit 1951 politischer Karikaturist mit einem monatlichen Fixum beim "Berliner Anzeiger" bzw. später bei der "Berliner Morgenpost"
  • Juni 1952 erste Studioauftritte als Karikaturist beim Fernsehversuchsprogramm des NWDR-Berlin
  • seit den 50er Jahren entstehen nicht nur über 18.000 Karikaturen für die Tagespresse, sondern Hans Bierbrauer ist ebenso für mehrere Fernsehprogramme tätig. Im NWDR-Berlin und seit 1954 im SFB tritt er in der Reihe "Meinungspinsel" auf, danach zeichnet er regelmäßig für die Sendung "Berliner Abendschau". Einem breiten Publikum ist "Oskar" vor allem durch seine Auftritte als Schnellzeichner in der Ratesendung "Dalli-Dalli" bekannt.
  • der Karikaturist, Zeichner und Maler Hans Bierbrauer lebt heute in Schleswig-Holstein und Berlin
  • gestorben am 3. Juli 2006 in Eutin

Das Gespräch mit Herrn Bierbrauer führte Hans-Ulrich Wagner am 5. Juli 2003.

Hans Bierbrauer über seine Arbeit als Karikaturist und über die Entstehung seiner Zeichnungen vor laufender Kamera:

"Ich habe mir von Anfang an folgendes überlegt. Jeder sieht ganz gern zu, wenn ein Zeichner arbeitet, man beobachtet, wie eine Zeichnung langsam entsteht. Auch ich muss, wenn ich heute auf der Straße jemanden sehe, der zeichnet, hingehen und sehen, wie der und was der macht. Man ist so ein bisschen neugierig. Also habe ich mir überlegt: ‚Eigentlich sollte der Zuschauer noch mehr gefesselt werden. Er soll mitraten: Was wird aus der Zeichnung?' Ich habe daher zwar immer von der fertigen Zeichnung aus gedacht bzw. von der Idee her, die ich hatte, dann aber die Zeichnung zunächst einmal in Teile aufgelöst.
Ich gebe mal ein Beispiel, wie ich so aktuelle Sachen, die ich zeichnen sollte, aufgelöst habe: Morgen Abend findet der Startschuss der Sechs-Tage-Rennen statt. Also habe ich eine große Sechs gezeichnet. Dann: Morgen werden die Kinder eingeschult, die ABC-Schützen. Woraufhin ich A, B, C auf die Tafel geschrieben habe. Mit mehreren Strichen habe ich dann die einzelnen Teile, also A, B, C und die Sechs verbunden, so dass nach und nach eine Zeichnung daraus entstand. Das Ganze habe ich natürlich mit einem Kommentar verbunden, größtenteils so, dass von dem ersten Text nachher die Pointe wieder auf den ersten Satz zurückging. Um im Beispiel zu bleiben: A-B-C-Schütze - wenn wir daran denken - also auch die Politiker in Bonn müssten in der und der Frage noch mal zur Schule gehen. Also ich habe immer so eine kleine Verbindung am Schluss gehabt."

"Oskar", der flinke Karikaturist, vor der Fernseh-Kamera des NWDR in Berlin, ca. 1952/53. Privatarchiv Bierbrauer
"Oskar", der flinke Karikaturist, vor der Fernseh-Kamera des NWDR in Berlin, ca. 1952/53. Privatarchiv Bierbrauer
"Oskar", der flinke Karikaturist, vor der Fernseh-Kamera des NWDR in Berlin, ca. 1952/53. Privatarchiv Bierbrauer
"Oskar", der flinke Karikaturist, vor der Fernseh-Kamera des NWDR in Berlin, ca. 1952/53. Privatarchiv Bierbrauer