Zur Kritik der Medienkritik


In einer Gesellschaft, in der Weltanschauungen und Erlebnisweisen von Medien geprägt sind, ist die öffentliche Medienkritik ein unverzichtbares Medium gesellschaftlicher Verständigung und Selbstreflexion. Was leistet Medienkritik für diese Verständigung? Was kann sie leisten? Diese Fragen hat eine Studie auf drei Wegen bearbeitet.

  • Die Analyse der inhaltlichen Leistungen der Medienkritik hat Formen programm- oder sendungsbegleitender Fernsehkritik aus einem breiten Spektrum von Printmedien daraufhin untersucht, welchem Darstellungsanliegen die Texte folgen, in welcher Hinsicht die Programmangebote besprochen werden, aus welchen Quellen die Kritik ihre Argumente schöpft und welche Maßstäbe der Programmbeurteilung unterlegt sind.
  • Die Analyse der Strukturen der Medienkritik hat untersucht, in welche redaktionellen Kontexte die Produktion von Programm- und Medienkritik eingebettet ist, welche Handlungsoptionen und Abhängigkeiten damit einhergehen, welche "Umwelten" die Medienkritiker beobachten, an welchen Akteuren und Ereignissen sie sich orientieren, zu welchen Akteuren bei Medienanbietern, in Politik oder Wissenschaft sie Beziehungen unterhalten usf. Auf diese Weise werden die institutionellen Strukturen und die "Netzwerke" transparent, die das "System" der Medienkritik ausmachen.
  • Aus den Inhaltsanalysen und der Kommunikatorbefragung geht hervor, welche verschiedenen Funktionen die fernsehbezogene Publizistik übernimmt: Neben der an Kriterien des Nachrichtenjournalismus orientierten Berichterstattung finden sich Formen der Kommentierung, die Traditionen der Kunstkritik fortführen; die kritische Reflexion nach Maßgabe professioneller Standards des (politischen) Journalismus steht neben Formen des Unterhaltungsjournalismus und der (verdeckten) Programm-Promotion.

Das Bild von den Leistungen und den Leistungsmöglichkeiten der öffentlichen Kritik an den Medien in den Medien selbst ist mehrdeutig. Auf der Grundlage einer kritischen Diskussion der Befunde zu den inhaltlichen Leistungen der Medienkritik sowie zu den vorfindlichen Formen ihrer Institutionalisierung wird daher abschließend erörtert, unter welchen Voraussetzungen die Selbstreflexivität der "Mediengesellschaft" gefördert werden kann.Kooperationspartner: K. Hickethier (Universität Hamburg); O. Jarren (Universität Zürich); S. Zielmann (Universität Münster).

 

Weiß, Ralph (Hrsg.) (2003): Zur Kritik der Medienkritik. Wie Zeitungen das Fernsehen beobachten. Schriftenreihe der LfM, Band 48.

Norbert Schneider, Wolfgang Hahn-Cremer
Vorwort

Ralph Weiß
Wozu eine Kritik der Medienkritik?

Ralph Weiß
Zur qualitativen Analyse der öffentlichen Rede über das Fernsehen – Überlegungen zur Methode (pdf-file zum Download)

Leistungen der Medienkritik – Themen, Formen, Topoi

Joan Kristin Bleicher
Traditionslinien und Geschichte der Medienkritik (pdf-file zum Download)

Claudia Hillebrand
Das Fernsehen im Spiegel der Printmedien – Konturen der Berichterstattung

Joan Kristin Bleicher
Fernsehkritik im Fernsehen (pdf-file zum Download)

Joan Kristin Bleicher
Die Darstellungsformen der Fernsehkritik (pdf-file zum Download)

Joan Kristin Bleicher
Kritik der Programmangebote: Unterhaltung und Information

Knut Hickethier
Die Kritik am Medium Fernsehen als einer wahrgenommenen gesellschaftlichen Gesamtinstitution

Ralph Weiß
TV-Duelle – im Spiegel des öffentlichen Räsonnements

Anja Herzog
Die Kirch-Pleite und ihre Folgen – Nachforschungen über medienökonomische Verflechtungen

Christiane Eilders
Medien im Irakkrieg: Leistungen und Grenzen der Selbstreflexion

Knut Hickethier
'Bild erklärt den Daniel oder 'Wo ist Küblböcks Brille?' – Medienkritik zur Fernsehshow 'Deutschland sucht den Superstar' (2003)

Anhang A (pdf-file zum Download)

Medienkritik aus Akteursperspektive – Strukturen und Netzwerke der Medienberichterstattung in Printmedien

Kerstin Engels
Aspekte der Medienkritik aus Akteursperspektive – Theoretische Überlegungen, Forschungsstand und Methode

Kerstin Engels
Merkmale der Arbeitsorganisation

Kerstin Engels
Berufszusammenhang: Medienjournalisten als Berufsgruppe?

Kerstin Engels
Fallstudien zur Kommunikatorstudie: Porträts einzelner Medienredaktionen (pdf-file zum Download)

Kerstin Engels
Kritik der Praxis: Chancen und Zwänge der Medienkritik

Kerstin Engels, Knut Hickethier, Ralph Weiß
Diskurse über das Fernsehen – Raum für Kritik?

Anhang B (pdf-file zum Download)

Otfried Jarren und Sarah Zielmann
Ausblick: Institutionalisierungsmöglichkeiten für Medienkritik

Literatur/Liste der befragten Expertinnen und Experten

Publikationen

  • Engels, K. (2005): Kritik zwischen Medienkonzentration und Binnenorientierung. Zur organisatorischen und beruflichen Institutionalisierung des Medienjournalismus. In: M. Beuthner, S. Weichert (Hrsg.), Die Selbstbeobachtungsfalle. Grenzen und Grenzgänge des Medienjournalismus. Wiesbaden, S. 99-117.

  • Weiß, R. (2005) (Hrsg.): Zur Kritik der Medienkritik. Wie Zeitungen das Fernsehen beobachten. Berlin. Darin: Bleicher, J. K.: Kritik der Programmangebote: Unterhaltung und Information, S. 81-136.

  • Eilders, C. (2005): "Amis brauchen Umerziehung". Zur Medienkritik der deutschen Medien im Irakkrieg. In: Medien & Kommunikationswissenschaft 2-3 (53), S. 333-351.

Ansprechpartner

Anja Herzog, M. A.

Hans-Bredow-Institut
Rothenbaumchaussee 36
20148 Hamburg

Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 41
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 77

E-Mail

Kooperationspartner

K. Hickethier; O. Jarren; S. Zielmann