Die Rolle von Pioniergemeinschaften bei der Transformation des Journalismus

Die Transformation des Journalismus hängt eng mit der Entwicklung von Medientechnologien zusammen und wird in zunehmendem Maße auch außerhalb etablierter journalistischer Organisationen von Akteuren vorangetrieben, die (mitunter) an der Peripherie des journalistischen Feldes agieren. Mit Blick auf historische Arbeiten zur Entwicklung des Internets wird schnell klar, dass bestimmte Gruppen oder Gemeinschaften eine entscheidende Rolle bei Transformationsprozessen spielen können: „Pioniergemeinschaften“, d.h. Gruppen, die nicht nur ein Sendungsbewusstsein haben, sondern auch Ideen eines medienbezogenen Wandels entwickeln, an dem sich u. U. auch breitere soziale Diskurse orientieren. Beispiele dafür sind die „Hacks/Hackers Bewegung“, die mit daten- und technologiegetriebenem Journalismus befasst ist, oder aber das „Constructive Journalism Project“, das neue Formen der Berichterstattung entwickelt und lösungsorientierten Journalismus vorantreiben will.

Das kooperationsprojekt untersucht, welche Rolle derartige Pioniergemeinschaften bei der Transformation des Journalismus spielen. Ausgehend von qualitativen Interviews wird untersucht, wie sich journalistische Pioniere und Pioniergemeinschaften die Zukunft des Feldes vorstellen und wie sie diese gestalten (wollen). Von besonderem Interesse sind dabei auch das journalistische Rollenselbstverständnis, die Beziehungskonstellationen zu Publika sowie spezifische Pionierpraktiken. Im Mittelpunkt steht die Überlegung, dass das, was diese Akteure als „Zukunft des Journalismus“ und „Innovation“ imaginieren, nicht schlicht als Sammlung von Modellen verstanden werden kann, die lediglich auf den gegenwärtigen Mainstream-Journalismus angewendet werden müssten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich der Einfluss von Pionieren und Pioniergemeinschaften auf den etablierten Journalismus indirekt entfalten, beispielsweise über Veränderungen bestehender Organisationsmodelle und einen Selbstreflexionsdiskurs im Journalismus selbst. Es sind solche indirekten Prozesse, durch die Aktivitäten von Pionieren und Innovatoren nach und nach von der Peripherie ins Zentrum des Journalismus rücken. 

Veröffentlichungen

  • Couldry, N. / Hepp, A. (2017): The mediated construction of reality. Cambridge: Polity Press.
  • Hepp, A. (2016): Pioneer communities: Collective actors of deep mediatisation. In: Media, Culture & Society, 38 (6), S. 918-933.
  • Kramp, L./Loosen, W. (2017): The transformation of journalism: from changing newsroom cultures to a new communicative orientation? In: Hepp, A./Breiter, A./Hasebrink, U. (eds.): Communicative figurations: transforming communications in times of deep mediatization. Basingstoke: Palgrave, im Erscheinen.
  • Loosen, W./Reimer, J./de Silva-Schmidt, F. (2016): Wenn aus Daten Journalismus wird. Eine Inhaltsanalyse der für die Data Journalism Awards 2013 bis 2015 nominierten Projekte. In: Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 39, Oktober 2016, https://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/1140.
  • Loosen, W. (2015): The Notion of the 'Blurring Boundaries': Journalism as a (De-)Differentiated Phenomenon (re-print). In: Steensen, S.; Ahva, L. (Hrsg.), Theories of Journalism in a Digital Age. London, New York: Routledge.

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Kooperationspartner

Prof. Dr. Andreas Hepp, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung, Universität Bremen