Reuters Institute Digital News Survey

Die technischen Geräte sowie die Dienste, die zur Nutzung von Nachrichten verwendet werden können, differenzieren sich weiter aus; zugleich konvergieren die verschiedenen Optionen zur Nachrichtennutzung, indem mit einem einzigen Endgerät ganz unterschiedliche Dienstetypen genutzt werden können. Die technischen und angebotsbezogenen Grundlagen für die gesellschaftliche Information und Meinungsbildung ändern sich damit erheblich. Entsprechend besteht verstärkter Forschungsbedarf darüber, wie die Bevölkerung bzw. verschiedene Bevölkerungsgruppen ihre Nachrichtennutzung verändern und welche Rolle die verschiedenen technischen Plattformen und Nachrichtendienste dabei spielen.

Diese Fragen stehen im Zentrum des Reuters Institute Digital News Report, den das in Oxford ansässige Reuters Institute for the Study of Journalism seit 2012 jährlich durchführ, das Hans-Bredow-Institut ist seit 2013 als Kooperationspartner verantwortlich für die deutsche Teilstudie

Die aktuelle Studie wurde Anfang 2016 zeitgleich in Australien, Belgien, Brasilien , Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Spanien, Südkorea, Tschechien, Türkei, Ungarn, den USA und dem Vereinigten Königreich realisiert, um generelle Trends, aber auch nationale Besonderheiten erkennen zu können.

Pro Land wurden 2016 rund 2.000 Personen befragt. Insgesamt basiert die Studie in der vierten Wiederholung auf 53.330 Befragten aus 26 Ländern.

Die Feldarbeit wurde vom Umfrageinstitut YouGov durchgeführt, das auf der Basis von Online-Access-Panels Stichproben zog, die für Internetnutzer  der beteiligten Länder ab 18 Jahren repräsentativ sind. Die Erhebung im Jahr 2016 wurde dabei von den Landesmedienanstalten und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) unterstützt.

Kernbereiche der Studie sind:

  • eine aktuelle Bestandsaufnahme der Nachrichtennutzung über sämtliche potenziellen Plattformen und Dienste hinweg;

  • die Beobachtung von Veränderungen über die Zeit und

  • ein Vergleich zwischen verschiedenen Ländern.

Ergebnisse der Studie können auf der Webseite des Instituts und unter www.digitalnewsreport.org abgerufen werden.

Ergebniss aus den Vorjahren

Ergebnisse von 2015

Ergebnisse von 2014

Ergebnisse von 2013

  • Knapp drei Viertel (74,5 %) der deutschen Onliner über 18 Jahre sind „überaus“ oder „sehr“ an Nachrichten interessiert. Dieser Anteil ist in den älteren Bevölkerungsgruppen höher als in den jüngeren; jedoch äußern auch mehr als zwei Drittel der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren ein so starkes Interesse.
  • 97 Prozent nutzen Nachrichten mindestens mehrmals pro Woche, 87 Prozent sogar mindestens einmal am Tag.
  • Am wichtigsten sind Nachrichten über nationale und internationale Ereignisse, Nachrichten aus der eigenen Region, über die nationale Politik sowie lokale Nachrichten.
  • Die am häufigsten genutzte Nachrichtenquelle ist das Fernsehen (82 %). 92 Prozent der über 55-Jährigen sehen regelmäßig Nachrichten im Fernsehen, aber auch 72 Prozent der 18- bis 24-Jährigen. Das Internet wird in der jungen Altersgruppe von 79 Prozent als Quelle für Nachrichten genannt und von 51 Prozent der über 55-Jährigen.
  • Vier von fünf Nutzern verwenden für Nachrichten mindestens zwei der Gattungen TV, Online, Radio und Print. Jeder Fünfte belässt es bei einem einzigen Zugangsweg. Für 10 Prozent ist das Fernsehen die einzige Nachrichtenquelle, für 6 Prozent das Internet.
  • 91 Prozent der deutschen Onliner nutzen Nachrichtenangebote klassischer Rundfunk-Anbieter – entweder über ihre originären Verbreitungswege oder über das Internet. Gedruckte Tageszeitungen oder ihre Internetpendants werden regelmäßig von 53 Prozent verwendet, und 37 Prozent nutzen Zeitschriftenangebote online oder offline.
  • Fast die Hälfte der deutschen Internetnutzer (48 %) präferiert hinsichtlich der Aktualität der Nachrichten das Fernsehen, gut jeder Vierte (27 %) das Internet, 13 Prozent Radionachrichten und 6 Prozent gedruckte Tageszeitungen oder Zeitschriften. Bei Nutzern unter 35 Jahren liegt in Bezug auf dieses Kriterium das Internet vorn.
  • Das Fernsehen ist die Nachrichtenquelle, die die meisten Nachrichtennutzer im Hinblick auf Analysen und Kommentare favorisieren, ebenso in Bezug auf Richtigkeit und Zuverlässigkeit. Das Internet wird von 21 bzw. 17 Prozent der Onliner bevorzugt.
  • Für etwas mehr als die Hälfte der deutschen Onliner sind TV-Nachrichten die insgesamt wichtigste Quelle (53 %), gefolgt von Nachrichten im Internet mit 23 Prozent, im Radio mit 13 Prozent und in Tageszeitungen und Zeitschriften mit 9 Prozent.
  • Insgesamt stimmen über 60 Prozent der deutschen Internetnutzer der Aussage zu, dass man dem Großteil der Nachrichten in den meisten Fällen vertrauen kann.
  • 57 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig den Computer und jeder Dritte ein Smartphone zum Abrufen von Nachrichten. 16 Prozent schauen, lesen oder hören regelmäßig Nachrichten auf dem Tablet. Ein deutlicher Anstieg ist bei der Nachrichtennutzung über das Internetfernsehen zu verzeichnen. 15 Prozent geben an, Nachrichten regelmäßig über Smart oder Connected TV zu schauen (2014: 6 %).
  • Der häufigste Zugang zu Online-Nachrichten erfolgt über Suchmaschinen (45 %). Knapp 27 Prozent suchen regelmäßig nach thematischen Begriffen und gut 31 Prozent geben den Namen einer Nachrichten-Webseite in die Suchmaske ein, um so auf die anvisierte Seite zu gelangen.
  • 20 Prozent werden regelmäßig über soziale Netzwerke auf Nachrichten aufmerksam. Besonders relevant ist dieser Zugangsweg für die unter 45-Jährigen. Damit sind es nicht mehr hauptsächlich die ganz jungen Onliner, die über soziale Netzwerke auf Artikel und Berichte stoßen. Auch ältere Altersgruppen nutzen zunehmend diese Möglichkeit.
  • Das Lesen von Online-Nachrichtenbeiträgen (54 %) wird gegenüber dem Anschauen von nachrichtenbezogenen Videos (18 %) oder Bildern (18 %) im Internet deutlich bevorzugt. Die zweithäufigste Nutzungsart ist das Scannen von Schlagzeilen (34 %).
  • 47 Prozent der Befragten geben an, regelmäßig eine Zeitung zu erwerben. Ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist in allen Altersgruppen festzustellen. Unter den jungen Internetnutzern sind deutlich weniger, die Geld für eine gedruckte Zeitung ausgeben, als unter den älteren.
  • 9 Prozent der deutschen Onliner halten es für mindestens „etwas wahrscheinlich“, in Zukunft im Internet Geld für nachrichtliche Inhalte auszugeben.
  • Knapp ein Viertel nutzt regelmäßig Facebook, um Nachrichten zu suchen, anzuschauen, zu teilen oder darüber zu diskutieren. Unter den 18- bis 24-Jährigen sind es 37 Prozent und bei den über 55-Jährigen 17 Prozent. Über 13 Prozent nutzen YouTube, um sich Nachrichten anzuschauen. Google+ und Twitter sind mit 6 bzw. 4 Prozent als Zugangsweg zu Nachrichten nur für kleinere Teile der Bevölkerung interessant.
  • 14 Prozent markieren in sozialen Netzwerken regelmäßig Artikel oder Beiträge als „gefällt mir“, 13 Prozent teilen Artikel oder Berichte und elf Prozent kommentieren sie.
  • Der Anteil derjenigen, die regelmäßig Kommentare verfassen, ist unter politisch links oder rechts ausgerichteten Nutzern doppelt so hoch wie bei Nutzern mit einer neutralen Einstellung. Auch sind sie aktiver beim Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken oder beim Markieren als „Gefällt mir“.
  • Ergebniss aus den Vorjahren

    Ergebnisse von 2015

    Ergebnisse von 2014

    Ergebnisse von 2013

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    Publikationen

    • Hölig, S.; Nielsen, R. K.; Schrøder, K. C. (2016): Changing Forms of Cross-Media News Use in Western Europe and Beyond. In: J. L. Jensen, M. Mortensen, J. Ørmen (eds.), News across Media – the Production and Consumption of News in a Cross-Media Perspective. Routledge, p. 102-122.

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2016): Nachrichtennutzung im Wandel. Technische Zugänge, inhaltliche Interessen und Nutzungsformen im internationalen Vergleich. In: die medienanstalten (Hrsg.), Programmbericht 2015. Fernsehen in Deutschland. Programmforschung und Programmdiskurs. Berlin: Vistas, S. 105-126.

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2016): Reuters Institute Digital News Survey 2016 – Ergebnisse für Deutschland. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Juni 2016 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Institut Nr. 38) (pdf)

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2015): Reuters Digital News Survey 2015 – Ergebnisse für Deutschland. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Juni 2015 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 34) (pdf-file).

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2014): Reuters Digital News Survey 2014 – Ergebnisse für Deutschland. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, November 2014 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 32) (pdf-file).

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2014): Wo informieren sich die Deutschen? Muster der informationsorientierten Mediennutzung im internationalen Vergleich. In: die medienanstalten (Hrsg.), Programmbericht 2013. Fernsehen in Deutschland. Programmforschung und Programmdiskurs. Berlin: Vistas, S. 107-125.

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2014): Nachrichtennutzung im Wandel. International vergleichende Befunde auf Basis des Reuters Institute Digital News Survey 2014. In: Media Perspektiven 11/2014, S. 529-538 (pdf-Datei).

    • Hasebrink, U.; Hölig, S. (2013): Lagging Behind or Choosing a Different Path? Information Behaviour in Germany. In: D. Levy, N. Newman (eds.), Reuters Institute Digital News Report 2013. Oxford, pp. 81-83.

    • Hölig, S.; Hasebrink, U. (2013): Nachrichtennutzung in konvergierenden Medienumgebungen. International vergleichende Befunde auf Basis des Reuters Institute Digital News Survey 2013. In: Media Perspektiven 11/2013, S. 522-536 (pdf-Datei).

    Vorträge

    • "Wie und warum werden Adblocker genutzt: Ergebnisse aus dem Reuters Institute Digital News Report", Vortrag von S. Hölig auf dem 7. Hamburger Mediensymposium "Und nun zur Werbung! Wie neue Techniken und Akteure die Finanzierung medialer Inhalte beeinflussen" am 13. Juni 2016 in Hamburg.

    • "Participating Citizens Everywhere?! Patterns of Online-Based Political Engagement in Europe", Vortrag von S. Hölig auf der 5th European Communication Conference (ECREA) am 14. November 2014 in Lissabon, Portugal.

    • "Die Nutzung von Informationsangeboten: Nachrichtennutzung im internationalen Vergleich – Ergebnisse des Reuters Digital News Survey 2014", Vortrag von U. Hasebrink und S. Hölig auf dem 5. Hamburger Mediensymposium: Wie informiert sich die Gesellschaft? Aktuelle Befunde und Perspektiven. am 11. Juni 2014 in Hamburg.

    • „Wie informiert sich die Gesellschaft? Aktuelle Befunde und Perspektiven“, Einführung von W. Schulz in die gleichnamige Veranstaltung des 5. Hamburger Mediensymposiums der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein, des Hans-Bredow-Instituts und des Ausschusses für Medien- und Kreativwirtschaft der Handelskammer Hamburg am 11. Juni 2014 in Hamburg.

    • "Wer schaut noch Nachrichten? Zur Nutzung von Angeboten, Plattformen und Geräten für Nachrichten", Vortrag von S.Hölig auf dem Trendforum TV "News about TV News“ der RTL Journalistenschule und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen am 3. Juni 2014 in Köln.

    • „Wie informiert sich die Gesellschaft? Informationsinteressen und Nutzungsmuster im internationalen Vergleich", Vortrag von S. Hölig für das 34. Semesterabschlusstreffen des Lehrstuhls für Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig am 24. Januar 2014.

    • "Wo informieren sich die Bürger? Zur Nutzung von Angeboten, Plattformen und Geräten im internationalen Vergleich", Vortrag von U. Hasebrink und S. Hölig vor dem Ausschuss für Medien- und Kreativwirtschaft der Handelskammer Hamburg am 5. November 2013 in Hamburg.

    • „News Usage, Platform Segments and the Role of Social Media Within Them“, Vortrag von S. Hölig im gemeinsamen Panel „Patterns of News Consumption in Social Media“ auf der „Transforming Audiences 4 Conference“ am 4. September 2013 in London (gemeinsam mit David Levy, Kim Christian Schrøder und Rasmus Kleis Nielsen).

    • "Wie informieren sich die Bürger in Deutschland?", Vortrag von U. Hasebrink und S. Hölig auf dem 4. Hamburger Mediensymposium: „auffinden │ auffindbar machen │ auffindbar sein. Informative Inhalte in digitalen Medien“ am 12. Juli 2013 in Hamburg.

    Ansprechpartner

    Prof. Dr. Uwe Hasebrink

    Hans-Bredow-Institut
    Rothenbaumchaussee 36
    20148 Hamburg
    Tel. +49 (0)40 450 21 70
    Fax +49 (0)40 45 02 17 77

    E-Mail

    Kooperationspartner

    David Levy, Nic Newman, Reuters Institute for the Study of Journalism

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