Parteiendarstellung im Bundestagswahlkampf 2002

In der heißen Phase des Wahlkampfes verstärken die Parteien ihre Bemühungen, Aufmerksamkeit und Unterstützung beim Wähler zu generieren. Dabei sind sie in besonderem Maße auf die Medien angewiesen, die im politischen Prozess die Vermittlungsfunktion zwischen politischen Eliten und Bevölkerung übernehmen.

Das Projekt untersucht die Frage, ob die Parteien im Bundestagswahlkampf 2002 mit ihrer Selbstdarstellung in den Medien auf Resonanz stießen, und berührt damit die Frage nach der relativen Macht von Medien und Politik. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die quantitative Repräsentanz der Parteien, die Bewertung der Akteure und die jeweiligen thematischen Schwerpunkte. Verglichen werden die Pressearbeit der Parteien, die Agentur- und die Zeitungsberichterstattung in den überregionalen Tageszeitungen sowie der Bild-Zeitung in einem Zeitraum von drei Wochen vor der Bundestagswahl.

Die Befunde deuten darauf hin, dass die Parteien in ihren Pressemitteilungen ihre Positionen in ausgewählten Politikfeldern thematisieren und sich hierbei deutlich mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten gegeneinander profilieren, während die Medien ihre Aufmerksamkeit stärker auf die Politics-Dimension des politischen Geschäfts lenken. Sie fokussieren deutlich stärker auf den Parteienstreit, Personal- und Strategiefragen, thematisieren aber auch bestimmte Policy-Bereiche, bspw. den Irakkrieg, vergleichsweise häufiger und berücksichtigen dabei in großem Umfang Informationen jenseits der PR-Aktivitäten der Parteien.

Die mediale Darstellung der Parteien zeigt über die erheblichen Aufmerksamkeitsdifferenzen nicht nur, dass den Parteien unterschiedlich viel Relevanz zugewiesen wird, sondern macht auch deutlich, dass die Presse je nach Partei unterschiedliche Themen in der Berichterstattung aufgreift. So konnten SPD und Grüne von der Medienaufmerksamkeit für die Flut sowie die Irakkrise profitieren, während die Union kaum in diesem Zusammenhang angesprochen wurde und auch ihre eigenen Themen nicht auf die Medienagenda setzen konnte. FDP und PDS konnten ihr Themenprofil noch weniger durchsetzen und fanden sich in der Mediendarstellung weitgehend auf die Politics-Dimension von Politik reduziert.

Publikationen

  • Eilders, C.; Degenhardt, K.; Hermann, P.; von der Lippe, M. (2005): Surfing the Tide: Social Democrats and Greens Stayed on Top - Casualties among other Parties. An Analysis of Party- and Issue Coverage in the National Election Campaign 2002. In: German Politics.

  • Eilders, C.; Degenhardt, K.; Hermann, P.; von der Lippe, M. (2003): Themenprofile der Parteien in den Medien. Ein Vergleich von Selbstdarstellung und medialer Präsentation der Parteien im Bundestagswahlkampf 2002. In: W. Gellner, G. Strohmeier (Hrsg.), Repräsentation und Präsentation in der Mediengesellschaft. Baden-Baden, S. 83-101.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Christiane Eilders

Kommunikationswissenschaft
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