Der Offene Kanal Hamburg in den Medienrepertoires der Hamburger Bevölkerung

Das Hans-Bredow-Institut hat eine Sekundärauswertung der im Ballungsraum Hamburg erhobenen Daten der Media Analyse 2001 (Hörfunk) sowie der Studie BallungsraumFernsehen Hamburg 2001 vorgenommen. Mit einem individuenbezogenen Auswertungsansatz, den das Institut bereits bei einer früheren Studie entwickelt hatte, sollten Ergebnisse über die Radio- und Fernsehnutzung ermittelt werden, die über die Reichweiten und Marktanteile einzelner Angebote hinausgehen.

Die Leitfragen lauteten:

  • Welche Radio- und Fernsehrepertoires sind zu beobachten, d. h. welche Programme werden von welchen Bevölkerungsgruppen miteinander kombiniert?
  • In welchen dieser Repertoires und bei welchen Bevölkerungsgruppen spielt der Offene Kanal welche Rolle?

Eine solche Untersuchung der Publika des Offenen Kanals Hamburg in Fernsehen und Hörfunk auf der Grundlage der standardisierten Reichweitenerhebungen ist keine Selbstverständlichkeit: Die entsprechenden Studien sind für Angebote, wie sie die Offenen Kanäle darstellen, nicht gedacht. Sie zielen ab auf die Vermessung der Publika reichweitenstarker, an mehr oder weniger klar definierten Zielgruppen orientierter Programme. Dies trifft auf Offene Kanäle nicht zu, insofern wäre es verfehlt, sie an den Maßstäben für die anderen, "normalen" Hörfunk- und Fernsehangebote zu messen: Diese Maßstäbe führen lediglich zu dem nicht weiterführenden Resultat, dass der Offene Kanal vergleichsweise kleine Publika erreicht.

Statt einer Erfolgsmessung des Offenen Kanals durch den untauglichen Vergleich mit Programmen, die einer ganz anderen Logik folgen, soll die vorgelegte Auswertung Anregungen bieten für eine interne Verständigung über Ziele und Potenziale des Offenen Kanals. Für eine solche Verständigung liefern die Daten einige Anknüpfungspunkte: Sie führen vor Augen, welche Gruppen gar nicht erreicht werden, mit welchen anderen Medien die Sendungen des Offenen Kanals kombiniert werden, d. h. welches Interessenspektrum und welche alltagskulturellen Orientierungen die Hörerinnen und Zuschauer aufweisen.

Für eine Evaluation und Weiterentwicklung der Angebote können solche Indizien jedoch nur ein erster Schritt sein. Dadurch, dass der Offene Kanal von Menschen produziert wird, die selbst auch zum Publikum gehören, die aus dem Publikum hervorgehen, um einem ganz konkreten kommunikativen Anliegen nachzugehen, ergeben sich direktere Zugänge zu den potenziellen und tatsächlichen Publika. Auch diese sollten künftig verstärkt genutzt werden, um zusammen mit den nun auch vorliegenden Ergebnissen aus den einschlägigen standardisierten Untersuchungen den Offenen Kanal und seinen Beitrag zur öffentlichen Kommunikation zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

Publikationen

  • Hasebrink, U. unter Mitarbeit von M. Prüter (2002): Der Offene Kanal Hamburg in den Medienrepertoires der Hamburger Bevölkerung. Sekundäranalyse der Media Analyse 2001 und der Studie BallungsraumFernsehen 2001. Abschlussbericht an die HAM, Januar.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Uwe Hasebrink

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