Möglichkeiten und Ausgestaltung grenzüberschreitender Online-Kennzeichnungen

Im Jugendmedienschutz sind Altersfreigaben und Alterkennzeichen (das sog. Labeling) traditionelle Schutzinstrumente. In Bezug auf Online-Inhalte wird die Bedeutung der Labels allerdings für das Erziehungshandeln der Eltern immer geringer. Hinzu kommt der Umstand, dass viele neue Medien dynamische oder nutzergenerierte Inhalte aufweisen, die eine statische Klassifizierung erschweren oder unmöglich machen.

Während die genutzten Inhalte digital und global distribuiert werden, bleibt der Jugendschutz mit statischen Alterskennzeichen eher „regional“ und „analog“. Um realistische Möglichkeiten für flexiblere und umfassendere Klassifizierungsansätze in digitalen Umgebungen zu entwickeln, arbeitet das Hans-Bredow-Institut seit mehreren Jahren mit Wissenschaftlern und Praktikern zusammen. Ziel ist dabei, auf das bestehende breite Klassifizierungswissen und bereits gelernte Kennzeichen aufzubauen, wie das derzeit laufende MIRACLE-Projekt dies tut.

Einer dieser Ansätze, die Global Alliance Matrix (GAM), sieht vor, dass für Inhalte mit bestehenden Ratings diese Klassifizierungen aggregiert werden und deren Aussagegehalt mit Hilfe von kontext- und kulturbezogenen Algorithmen so vereinheitlicht wird, dass "kulturneutrale" Informationen über die Jugendschutzrelevanz zur Verfügung gestellt werden. Die so objektivierte Datenbasis kann dann von technischen Schutzprogrammen auf Elternseite ausgelesen werden. Dabei kann durch das Vorschalten einer dem eigenen Erziehungsstil entsprechenden Vorlage entsprechend ausgewertet und gefiltert werden. 

Im Bereich bisher nicht gekennzeichneter Inhalte untersucht der GAM-Ansatz Möglichkeiten, um anbieterseitige, nutzerseitige und nutzergemeinschaftsseitige Instrumente für das Labeling einzusetzen, die mit der Matrix kompatible Klassifizierungen ermöglichen. Ziel ist es, so eine einheitliche Beschreibungssprache zu etablieren, die medien-, geräte- und ortsunabhängig genutzt werden kann.

Seit 2012 steht Stephan Dreyer der "Technical Task Force on Interoperability and Machine-Readability“ der "CEO Coalition to Make the Internet a Safer Place for Kids“ vor, die Möglichkeiten branchen- und länderüberschreitender Datenmodelle für zukünftige Standards elektronischer Alterskennzeichen diskutiert hat. Die Arbeit wird im Jahr 2014 weitergeführt.

Publikationen

  • Dreyer, S.; Schellenberg, S. (2014): Proposal for a Common Data Model for Age Classifications and Electronic Labels by the CEO Coalition Task Force on Interoperability and Machine-Readability. Hamburg, 15. März 2014.

  • Dreyer, S.; Drechlser, M. (2014): CEO Coalition Task Force on Interoperability and Machine-Readability – 2013 Report on Activities and Results. 15. Januar 2014.

  • Dreyer, S. (2012): GAM (Global Alliance Matrix): A Cross-Cultural Interface for Labels. The Role of the GAM as a Solution to the Universality of Rating Systems. Commenting Paper on the Coalition's Working Group 3 Progress Report. Hamburg, 10. Juli 2012.

Vorträge

  • "Tools, Maschinen, Metadaten - Wie sieht der technische Jugendmedienschutz der Zukunft aus?", Vortrag von S. Dreyer auf dem FSM Fokus #4 am 28. März 2014 in Berlin.

  • "GAM - Global Alliance Matrix. Taking online labels to the next level", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen der Veranstaltung der Working Group 3 der "Coalition to make the Internet a better place for kids"14. September 2012 in Brüssel.

  • "GAM - Global Alliance Matrix. A new approach in international labelling", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen der Veranstaltung der Working Group 3 der "Coalition to make the Internet a better place for kids" am 11. Mai 2012 in Brüssel. 

  • "Sex, Drugs & Violence? Content classification worldwide", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen des 2nd GAM Task Force Roundtables auf dem medienforum.nrw am 30. Juni 2010 in Köln.

  • "Ratings, Trust & Common Descriptors. A new approach for a supranational online labeling system", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen der European Film Classifiers Conference am 20. Mai 2010 in Den Haag.

  • "The Global Alliance Matrix: Laying out the GAM machinery", Panelteilnahme von S. Dreyer im Rahmen des 21. Transatlantischen Dialogs der LfM am 11. und 12. März 2010 in Düsseldorf.

  • "Power, Decisions and Knowledge: How labeling input/output will show to be the driving force in all supranational labeling", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen des 21. Transatlantischen Dialogs der LfM am 11. März 2010 in Düsseldorf.

  • "There's a Train A-coming: Challenges in Implementing a Global Rating System", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen des 19. Transatlantischen Dialogs der LfM auf dem medienforum.nrw am 23. Juni 2009 in Köln.

  • "Der informierte Verbraucher als Leitbild. Ziele, Prozeduren und Grenzen von Verbraucherinformationssystemen in Europa", Vortrag von S. Dreyer im Rahmen des 18. Transatlantischen Dialogs der LfM - "Kennzeichnung von Online-Inhalten" am 3. März 2009 in Düsseldorf.

Ansprechpartner

Stephan Dreyer

Hans-Bredow-Institut
Rothenbaumchaussee 36
20148 Hamburg

Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 33
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 77

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