Mediale und mentale Repräsentationen des Holocaust

Für die Identität der Bundesrepublik Deutschland ist der Holocaust ein zentraler Bezugspunkt. Die Erinnerung an die Verfolgung und massenhafte Ermordung von Juden aufrechtzuerhalten, ist erklärtes gesellschaftspolitisches Ziel. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Medien, insbesondere dem Fernsehen zu.

Ausgangspunkt des in den letzten Monaten erarbeiteten Projektkonzepts, für das eine Förderung durch die DFG beantragt werden soll, ist die Frage, wie sich die in verschiedenen historischen Phasen im Fernsehen zu beobachtenden Darstellungsformen des Holocaust in den Vorstellungen der Bevölkerung niedergeschlagen haben. Dabei gilt das Hauptaugenmerk der Darstellung von Zeitzeugen, die in vielen Produktionen als authentische Vermittler von Geschichte eingesetzt werden und der Darstellung einen besonderen Kontext der Moralität der Erinnerung geben.

Das Projekt ist interdisziplinär angelegt: Mit Blick auf die Angebote wird der Wandel medialer Inszenierungen von Zeitzeugen analysiert (Analysen von Sendungen und Paratexten; Leitfadeninterviews mit Produzenten und Zeitzeugen). Mit Blick auf die Rezipienten werden die Erinnerungen verschiedener Generationen an mediale Holocaust-Darstellungen sowie die mentalen Repräsentationen des Holocaust untersucht (Gruppendiskussionen und medienbiographische Interviews). Durch den kombinierten Blick auf die intentionale Gestaltung und die Rezeption von Holocaust-Darstellungen gibt das Projekt Aufschluss über die Rolle der Medien und insbesondere des Fernsehens für die langfristige Herausbildung von kollektiv geteilten Vorstellungen und Erinnerungen und leistet zugleich eine Analyse des kommunikativen Aushandelns moralischer Markierungen des Gedenkens.

Vorträge

  • "Was bleibt vom Holocaust? Erinnerungen an verschiedene Formen journalistischer und fiktionaler Darstellungen im Fernsehen und ihr Zusammenhang mit mentalen Repräsentationen des Holocaust", Vortrag von J. Finger bei der DGPuK-Fachgruppentagung "Journalismus und (sein) Publikum" von den Fachgruppen Journalistik/ Journalismusforschung und Rezeptions- und Wirkungsforschung, am 4. Februar 2012 in Hamburg.

  • "Medial and Mental Representations of the Holocaust - Reflections on the Interplay of Mediated History and Individual and Collective Memory". Vortrag von J. Finger und H.-U. Wagner auf der XXIVst Conference of the International Association of Media History in Kopenhagen am 16. Juli 2011.

  • "Mass Media and Autobiography - The Media Biographical Method as a Method of Media Effects Research", Vortrag von J. Finger bei der "1st International Conference Landscapes of the Self" am 26. November 2010 in Evora, Portugal.

  • "Reconstructions of Long-Term Media Effects - Investigating Holocaust-Related Attitudes", Vortrag von J. Finger bei der 3rd European Communication Conference am 15. Oktober 2010 in Hamburg.

  • "Medien und kollektives Gedächtnis". Modul von J. Finger, H.-U. Wagner, U. Hasebrink in der Summer School „Film, Fernsehen, Internet. Kulturwissenschaftliche Rezeptionsforschung“, Universität Hamburg / Institut für Medien und Kommunikation und Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, Hamburg, 28. Juli 2009 (Programm, pdf-Datei).

  • "Den Holocaust fernsehen – Eine qualitative Studie zur Bedeutung des Fernsehens für die Herausbildung von Rezipientenvorstellungen", Vortrag von J. Finger im Rahmen des "Doc’s Day" am 11. Juli 2009 im Gästehaus der Universität Hamburg.

  • "Witnessing - Zur Konstruktion von Zeitzeugen", Vortrag von H.-U. Wagner auf dem Workshop des DFG-Projekts „Medialität und Modernität im NS-Kino“ im Warburg-Haus der Universität Hamburg, 27. Mai 2009.

  • „Media Witnessing. Reflections on a user-oriented approach to long-term media effects“. Vortrag von H.-U. Wagner und J. Finger auf der „International Bergen-Belsen Conference“ zum Thema „Witnessing: Sites of Destruction and the Representation of the Holocaust“ am 12. Januar 2009 in Bergen-Belsen. - Die „International Bergen-Belsen Conference“ wurde organisiert von PD Dr. Habbo Knoch (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten) und Prof. Dr. Henri Lustiger-Thaler (New York/Paris).

  • „Relating Media Witnessing“, Diskussionspapier von H.-U. Wagner auf dem Research-Symposium „Witnessing. Cultural Roots, Media-Related Forms and Cultural Memory“ am 27.-30. April 2008 in der Villa Vigoni, Loveno di Menaggio, Italien.

Ansprechpartner

Dr. Hans-Ulrich Wagner

Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland
Universität Hamburg
Department Sprache Literatur Medien
Von-Melle-Park 6
20146 Hamburg

Tel. +49 (0)40 428 38 - 27 24
Fax +49 (0)40 428 38 - 35 53
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