Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie"
- Pressemitteilung der Behörde für Kultur, Sport und Medien vom 05.03.2010
- zur eigenen Website der Innovationswerkstatt
Auf dem Internationalen Hamburger Mediendialog am 8. Juni 2009 haben Vertreter der Medienwirtschaft die Bedeutung eines fairen, an die Bedingungen der Netzökonomie angepassten Urheberrechts betont. Fortschritte in diesem Bereich sind nicht allein von politischer Durchsetzung abhängig, sie setzen konzeptionelle Überlegungen voraus, und zwar in vielen Bereichen von recht grundsätzlicher Natur.
Wiederholte gesetzgeberische Anpassungen des Urheberechts an neue technische und wirtschaftliche Bedingungen und Gerichtsverfahren, die Geschäftsmodelle wie das der Musikwirtschaft, die Bildersuche im Internet oder den Umgang mit vormals unbekannten Arten der Nutzung solcher Inhalte zum Gegenstand haben, verweisen immer häufiger auf die Grenzen der traditionellen rechtlichen Konstruktionen. Sie bieten Anlass - jenseits der notwendigen konkreten Diskussion um neue „Körbe“ der Urheberrechtsreform - über das Konzept „geistiges Eigentum“ an sich nachzudenken. Passt die Vorstellung aus der Zeit Goethes, dass sich ein Teil der Persönlichkeit eines Künstlers im Werk verkörpert und ihm daher das Werk gehört, noch zu den Bedingungen der Netzökonomie? Können nicht vielmehr die Potenziale der Kreativwirtschaft und der Gesellschaft insgesamt besser ausgeschöpft werden, wenn wir uns bei dem rechtlichen Rahmen konsequent an dem Ziel ausrichten, Anreize für Kreativität zu liefern? Muss ein modernes Urheberrecht möglicherweise nicht aus der Perspektive der Urheber, sondern auch der Verwerter und Nutzer konstruiert werden? Wie kann Leistung vor Ausbeutung geschützt werden?
Ziel des Projektes ist es, Optionen zu erarbeiten und zu bewerten, die der Politik – auf Ebenen das Landes, des Bundes und der EU – helfen, diese grundlegenden Fragen zu beantworten. Zu diesem Zweck wird in einer wissenschaftlichen Innovationswerkstatt der Frage nachgegangen, wie das Urheberrecht fortentwickelt werden kann, um die Potenziale der Kreativwirtschaft und der Gesellschaft besser ausschöpfen zu können. Ziel ist es einerseits, gemeinsam mit der Medienwirtschaft Optionen zu erarbeiten und zu bewerten, die der Politik helfen können, diese Frage zu beantworten, und andererseits den Bereich des Urheberrechts stärker in Forschung und Lehre in Hamburg zu verankern. Als Themen wurden das von Verlagen eingeforderte neue Leistungsschutzrecht und die Rechtsdurchsetzung im Internet gewählt.
Mit der Innovationswerkstatt probiert das Institut eine neue Form problemlösungsorientierter wissenschaftlicher Arbeit aus; sie wird vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg organisiert und von der Behörde für Kultur, Sport und Medien unterstützt.
Mitwirkende
- Prof. Dr. Michel Clement, Universität Hamburg
- Dr. Christian Heinze, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht
- Prof. Dr. Thomas Hengartner, Universität Hamburg
- Prof. Dr. Gabriele Klein, Universität Hamburg
- RA Dr. Till Kreutzer, Hans-Bredow-Institut / i.e. – Büro für informationsrechtliche Expertise, Hamburg
- Dr. Kristoff Ritlewski, Bucerius Law School
- Dr. Wolfgang Schulz, Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg
- Prof. Dr. Insa Sjurts, Universität Hamburg / Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich
- Dr. Andreas Stuhlmann, Universität Hamburg, Research Center Media and Communication
Internationaler Beraterkreis
- Prof. Dr. Niva Elkin-Koren, University of Haifa / New York University School of Law
- Univ.-Prof. Dr. Andreas Wiebe, LL.M. (Virginia), Wirtschaftsuniversität Wien
- Prof. Dr. Frederik Willem Grosheide, Universität Utrecht
- Prof. Dr. Ian J Lloyd, University of Strathclyde, Glasgow
- Prof. Dr. Sylvia Kierkegaard, University of Southampton / Communication University of China (Beijing)
- Prof. Brian Fitzgerald, Queensland University of Technology, Brisbane
Veranstaltungen
"Rechtsdurchsetzung", Zweiter Experten-Workshop der Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie" am 14. April 2010 in Hamburg.
"Leistungsschutzrecht", Erster Praxis-Workshop der Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie" mit Wirtschaftsvertretern am 19. März 2010 in Hamburg.
"Leistungsschutzrecht", Erster Experten-Workshop der Innovationswerkstatt "Kreativität und Urheberrecht in der Netzökonomie" am 3. März 2010 in Hamburg.
Ansprechpartner
Hans-Bredow-Institut
Heimhuder Straße 21
20148 Hamburg
Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 0
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 77