Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung

Eine kontinuierliche Beobachtung der Medien- und Meinungsvielfalt in Deutschland setzt nicht nur Untersuchungen auf der Ebene der Medienanbieter und der Medienangebote, sondern auch systematische Bestandsaufnahmen der Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung voraus. Mit Förderung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages wird das Hans-Bredow-Institut ein Konzept für eine regelmäßig (z.B. jährlich) durchzuführende Befragung zu den medienübergreifenden Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung entwickeln.

Eine Befragung dieser Art wird es ermöglichen, vielfaltsrelevante Funktionsverschiebungen im Medien- und Kommunikationsangebot zu erkennen, und zu ermitteln, welche Bedeutung die klassischen Medien, insbesondere im Hinblick auf Web 2.0 bzw. Social Media künftig noch haben werden; auch die Frage, ob es im digitalen Zeitalter noch Leitmedien gibt und inwieweit diese vielfaltsrelevant bzw. im Hinblick auf ihre Vielfalt gefährdet sind, lässt sich auf diese Weise beantworten. Zudem lassen sich mögliche generationen- und milieuspezifische Unterschiede im Hinblick auf Wahrnehmung, Rezeption und Verarbeitung von Medien- und Kommunikationsangeboten sowie ihre Auswirkungen auf die Meinungs- und Medienvielfalt identifizieren.

Das Projekt wird in seiner ersten Phase eine Synopse der wissenschaftlichen und politischen Diskussion um nutzungsbezogene Indikatoren für Meinungsvielfalt sowie eine Bestandsaufnahme vorliegender Nutzungsdaten vornehmen. Eine qualitative Vorstudie, bestehend aus zwei bis drei Gruppendiskussionen mit Befragten aus unterschiedlichen Milieus (z.B. „Info-Elite“ und „Informationsverweigerer“) soll sicherstellen, dass auch extreme Muster der Informationsnutzung angemessen abgebildet werden können.

Vorbehaltlich der Mittelbewilligung soll in einer zweiten Projektphase das Konzept in einer Pilotstudie umgesetzt und erprobt werden, um die Informationsrepertoires der Bevölkerung bzw. bestimmter Bevölkerungsgruppen zu rekonstruieren und im Hinblick auf die Rolle verschiedener Mediengattungen, Angebotsformen, Kommunikationsdienste und konkreter Anbieter zu beschreiben. Das Frageprogramm sowie die mögliche (auch längerfristige) Umsetzung wird mit möglichen Kooperationspartnern, insbesondere mit den Verantwortlichen der Langzeitstudie Massenkommunikation, der ARD/ZDF-Onlinestudie, der Media Analyse und der MedienNutzerTypologie, koordiniert.

Das Projekt wird auf verschiedenen Ebenen mit dem Vorhaben „Crossmediale Anbieter- und Angebotsstrukturen auf lokaler Ebene“ verknüpft, das vom Formatt-Institut (Dortmund) durchgeführt wird. So sollen beispielsweise die dort verwendeten Kategorien zur Erfassung von Anbietern bzw. Angeboten als Antwortvorgaben in den Fragebogen eingehen. Die Komplementarität auf der Ebene der Erkenntnisobjekte eröffnet weitere Verknüpfungsmöglichkeiten, die der Komplexität des Vorhabens, einen substanziellen Beitrag zur Verbesserung des Standes der Medien- und Meinungsvielfalt zu leisten, gerecht wird.

Ansprechpartner

Dr. Jan-Hinrik Schmidt

Hans-Bredow-Institut
Dependance
Warburgstraße 8-10
20354 Hamburg

Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 83
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 99

E-Mail

Kooperationspartner

Formatt-Institut (Dortmund)

Drittmittelgeber

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien