Gesundheitsförderung im Unterhaltungsformat?

Wie Jugendliche gesundheitsbezogene Botschaften in unterhaltsamen Fernsehangebote wahrnehmen und bewerten

Gesundheitsthemen gewinnen im Jugendalter an Bedeutung: Es stellen sich physische und psychische Veränderungen ein und es werden erste Erfahrungen mit Suchtmitteln gemacht. Jugendliche sind jedoch oftmals schwer mit gesundheitsfördernden oder präventiven Botschaften zu erreichen, da sie vergleichsweise selten von sich aus nach Gesundheitsinformationen suchen – es sei denn, sie sind direkt oder indirekt von einem Thema betroffen. Es bedarf daher zielgruppenspezifischer Kommunikationsstrategien, die das The­meninteresse, das Informationsbedürfnis sowie die Mediennutzungsgewohnheiten berücksichtigen.

In den USA wurde bereits Ende der 1960er Jahre mit Entertainment-Education ein Konzept entwickelt, das sich die Attraktivität von Unterhaltungs­angeboten zu Nutze macht, um schwer erreichbare Zielgruppen für u. a. gesundheitsbezogene Themen zu sensibilisieren. Dabei wird gezielt eine gesundheitsfördernde Botschaft in ein attraktives Medienangebot integriert oder auf der Grundlage des Entertainment-Education-Konzep­tes ein eigenes Angebot entwickelt. Verschiedene Studien bescheinigen dem Konzept insofern Erfolg, als nachgewiesen werden konnte, dass diese pädagogisch motivierten Angebote zu einer Themen-Sensibilisierung und in einigen Fällen auch zu einer Einstellungs- oder Verhaltensänderung beitragen konnten. Dabei wurde allerdings vergleichsweise wenig berücksichtigt, dass auch gezielt platzierte Medienbotschaften immer in einem heterogenen, z. T. auch widersprüchlichen Programm­umfeld platziert sind (z.B. Werbung für Al­ko­hol, Süßigkeiten etc.) und auch mit anderen sozialisatorischen Einflüssen konkurrieren.

Im Rahmen einer qualitativen Studie wurde daher der Frage nachgegangen, ob und auf welche Weise Jugendliche gesundheitsbezogene Botschaf­ten in fiktionalen Programmangeboten im Kontext ihrer allgemeinen Mediennutzung überhaupt wahrnehmen und wie sie diese bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass gesundheitsbezogene fiktionale Angebote durchaus ihre Spuren hinterlassen und zu einer Sensibilisierung für gesundheitsbezogene Themen beitragen können, verweisen aber auch auf die Grenzen des Entertainment-Education-Ansatzes.

Publikationen

  • Lampert, C. (2011): Den Bock zum Gärtner machen?! Möglichkeiten und Grenzen der Gesundheitsförderung durch Medien. In: merz Wissenschaft, Themenheft "Medien und Gesundheitsförderung, Jg. 55, Nr. 6, S. 58-69.

  • Lampert, C. (2011): Den Bock zum Gärtner machen?! Möglichkeiten und Grenzen der Gesundheitskommunikation durch Medien. In: merz Wissenschaft, Themenheft "Medien und Gesundheitsförderung", Jg. 55, Nr. 6, S. 58-69.

  • Lampert, C. (2011): Entertainment-Education. Orientierung und Wertevermittlung durch Medien. In: Die Demokratische Schule, Mai 2011, S. 5-6.

  • Lampert, C. (2010): Gesundheitsförderung im Unterhaltungsprogramm - Entertainment-Education als Kommunikationsstrategie. In: impu!se - Newsletter zur Gesundheitsförderung, 69, S. 7-8.

  • Lampert, C. (2010): Entertainment-Education als Strategie für die Prävention und Gesundheitsförderung. In: Public Health Forum, 18, Nr. 68, S. 20-22.

  • Lampert, C.; Schwinge, C.; Tolks, D. (2009): Der gespielte Ernst des Lebens: Bestandsaufnahme und Potenziale von Serious Games (for Health). In: MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung (Themenheft 15/16: Computerspiele und Videogames in formellen und informellen Bildungskontexten) (pdf-Datei).

  • Lampert, C. (2008): Health and Prevention. In: W. Donsbach W. (Ed.), International Encyclopedia of Communication. Vol. IX. Oxford/Malden, p. 3878-3882.

  • Lampert, C. (2007): Gesundheitsförderung im Unterhaltungsformat. Wie Jugendliche gesundheitsbezogene Darstellungen in fiktionalen Fernsehangeboten wahrnehmen und bewerten. Baden Baden.

  • Lampert, C. (2007): Unterhaltsam und informativ – zum Potenzial der Medien für die Gesundheitsförderung. In: M. Große-Loheide, N. Neuss (Hrsg.), Körper, Kult, Medien. Inszenierungen im Alltag und in der Medienbildung, S. 128-133.

  • Lampert, C. (2005): Gezielte Lebenshilfe durch Entertainment-Education? In: medien + erziehung, Jg. 49 (5), S. 33-37.

  • Lampert, C. (2003): Gesundheitsförderung durch Unterhaltung? Zum Potenzial des Entertainment-Education-Ansatzes für die Förderung des Gesundheitsbewusstseins. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, Jg. 51, H. 3-4, S. 461-477 (abstract).

Vorträge

  • "Wissenschaft im Unterhaltungsformat. Potenziale und Grenzen von Unterhaltungsangeboten für die Kommunikation wissenschaftlicher Themen", Vortrag von C. Lampert im Rahmen des 4. Forums Wissenschaftskommunikation am 8. Dezember 2011 in Köln.

  • "Gesundheitsförderung im Unterhaltungsformat", Vortrag von C. Lampert im Rahmen der Tagung "Kommunikationsmaßnahmen für medizinische Forschungsnetzwerke entwickeln" der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) am 14. April 2011 in Berlin.

  • "Aufklärung im Unterhaltungsformat? Zur Rezeption von Botschaften zur Organspende im fiktionalen Fernsehprogramm", Vortrag von C. Lampert im Rahmen der BZgA-Fachtagung "Aufklärung zur Organ- und Gewebespende in Deutschland. Neue Wege der Kommunikation" am 6. Oktober 2010 in Köln.

  • "Gesund gespielt? Bestandsaufnahme und Potenziale von Serious Games for Family-Health", Vortrag von C. Lampert im Rahmen des Fakultätskolloquium "Familie und Gesundheit. Gesundheit in und mit Familien kommunizieren" der Universität Bielefeld am 22. April 2010 in Bielefeld.

  • "Erreichbarkeit von HIV-Patienten über die verschiedenen Medien bzw. der Nutzen dieser Medien für die Prävention", Vortrag von C. Lampert im Rahmen des 3. Workshops der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern zum Thema "HIV-Prävention - Die 'Unwissentlich HIV-Infizierten' und die damit verbundenen Risiken" am 5. Dezember 2009 in Rostock.

  • „Wenn der Personal Trainer nach Hause kommt. Potentiale unterhaltsamer Kommunikationsstrategien“, Vortrag im Rahmen des Kongresses „Krankenkassen 2009“ am 26. September 2008 in Münster.

  • „Entertainment-Education. Unterhaltsame Bildung oder bildende Unterhaltung?“, Vortrag im Rahmen des Thüringer Mediensymposiums „Jugendmedienschutz 2.0“ am 11. April 2008 in Erfurt.

  • „Spannung, Spaß und spielerisches Lernen. Welche Möglichkeiten bieten mediale Unterhaltungsangebote?“, Vortrag auf dem Media Space Symposium im Rahmen des 21. Stuttgarter Filmwinters am 19. Januar 2008 in Stuttgart.

  • „Entertainment-Education Theory and Research: An Overview“, Vortrag von C. Lampert im Rahmen der ICA-Tagung am 20. Juni 2006 in Dresden.

  • "Zwischen Information und Entertainment - Suchtprävention in und mit Medien". Impulsvortrag im Rahmen der Jahrestagung des Fachausschusses Suchtprävention am 7. September 2005 in Hamburg.

  • "Gesundheitskommunikation durch Entertainment Education. Zur Wahrnehmung und Bewertung von gesundheitsrelevanten Botschaften im Kontext von Unterhaltungsangeboten", Vortrag im Rahmen der Fachtagung "Medien und Gesundheitskommunikation" am 24. und 25. Oktober 2003 in Loccum.

Ansprechpartner

Dr. Claudia Lampert

Hans-Bredow-Institut
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Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 92
Fax +40 (0)40 45 02 17 - 99

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