Den Holocaust fernsehen – die Bedeutung des Fernsehens für die langfristige Herausbildung von Repräsentationen der Rezipienten

Das Ziel des Dissertationsprojekts ist es, einen Ansatz zur Erfassung langfristiger Medienwirkungen zu entwickeln. Es soll ein Ansatz entwickelt werden, der sich auf verschiedene Themengebiete anwenden lässt, das gewählte Anwendungsbeispiel ist die Darstellung des Holocaust im deutschen Fernsehen.

Die forschungsleitende Frage ist, welche Bedeutung das Fernsehen langfristig für mentale Repräsentationen (Wissen, episodische Erinnerungen, Emotionen) vom Holocaust hat. Langfristig bezieht sich hier auf die im Lebensverlauf kumulierten Erfahrungen. Bislang gibt es in der Medienwirkungsforschung kaum Ansätze, welche über kurz- bzw. mittelfristige Zeiträume, das heißt Stunden oder Wochen hinausgehen.

Das Anwendungsbeispiel Holocaust ist von besonderer Relevanz im Hinblick auf die fortwährende Erinnerung an den Holocaust. Schon jetzt ist das Fernsehen eine der meist genutzten Informationsquellen über Nationalsozialismus und Holocaust. In Zukunft, mit dem Verschwinden der letzten Zeitzeugen, wird die mediale Wissensvermittlung über das Thema eine noch steigende Relevanz bekommen. 

In einer empirischen Untersuchung erfolgt der Zugang zu langfristigen Medienwirkungen aus der heutigen Perspektive. Es werden medienbiographische Interviews sowie Gruppendiskussionen mit Personen verschiedener Generationen und Bildungsniveaus geführt. Dabei werden aus der heutigen Perspektive frühere Erfahrungen mit dem Thema Holocaust aus dem Gedächtnis rekonstruiert und in Verbindung zu mentalen Repräsentationen gesetzt. Die Ergebnisse der Arbeit leisten zunächst einen Beitrag zur Grundlagenforschung im Bereich der Medienwirkungsforschung. Mit der Wahl des Anwendungsbeispiels soll darüber hinaus ein Beitrag zu der Frage geleistet werden, wie in Zukunft mit der Verarbeitung von Nationalsozialismus und Holocaust umgegangen wer-den kann. 

 

Publikationen

  • Finger, J. (2010): Vorstellung des Dissertationsvorhabens „Den Holocaust fernsehen. Eine qualitative Studie zur Bedeutung des Fernsehens für die langfristige Herausbildung von Einstellungen zum Holocaust.“ In: Rundfunk und Geschichte, Vol. 1/2, S. 47-48.

Ansprechpartner

Dipl.-Psych. Juliane Finger

Graduate School Media and Communication
Mittelweg 177
20148 Hamburg

Tel. +49 (0)40 413 30 72 21

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