Alkohol im Fernsehen - und wie Jugendliche damit umgehen

Alkohol ist Bestandteil vieler Alltagssituationen und gesellschaftlicher Rituale, die sich auch im Fernsehen widerspiegeln. Diese medial vermittelten Sinnbilder und deren Bedeutung für Jugendliche standen im Mittelpunkt eines Kooperationsprojekts im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Hamburgischen Anstalt für neue Medien (HAM).

Das Hans-Bredow-Institut führte im Rahmen dieses Projekts eine Inhaltsanalyse von ausgewählten Programmangeboten des deutschen Fernsehens durch. Die Ergebnisse zeigen, dass Alkohol ständig und überall visuell präsent ist, aber nur selten explizit thematisiert wird. Diskussionswürdig scheinen neben der Omnipräsenz vor allem die verharmlosenden Darstellungen von Alkohol im Kontext von Sportsendungen bzw. -veranstaltungen und in Verbindung mit Humor.

Parallel wurden vom Büro für Suchtprävention medienpädagogische Praxisprojekte durchgeführt, in denen Jugendliche selbst Videofilme zum Thema Alkohol gestalteten. Die wissenschaftliche Begleituntersuchung (Universität Hamburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft) zeigte, dass fast alle Jugendlichen Alkoholerfahrungen haben. Alkohol spielt aus Sicht der Jugendlichen vor allem auf Partys und beim Zusammensein mit Freunden eine Rolle, er evoziert Spaß und trägt zur Stimmung bei. Übermäßiger Konsum kann jedoch zu Aggression führen und Freundschaften zerstören. Im Fernsehen verorten die Jugendlichen Alkohol vor allem in Jugendserien, in der Werbung und in Spielfilmen. Insgesamt zeigte sich, dass die medienpädagogischen Projekte zu einer Sensibilisierung gegenüber der Alkoholthematik beitragen konnten.

Das Projekt wurde Ende 2001 abgeschlossen, die Ergebnisse wurden 2002 in der HAM-Schriftenreihe (Band 21) veröffentlicht.

Das Projekt erhielt 2003 im Rahmen des Oskar-Kuhn-Preises, der von der Bleib-Gesund-Stiftung verliehen wird, eine "lobende Anerkennung" (Pressemitteilung der Bleib-Gesund-Stiftung, pdf-file ).

Publikationen

  • Lampert, C. (2004): Alkohol auf allen Kanälen. Zur Darstellung von Alkohol im Fernsehen. In: Modelle Dokumente Analysen: Risikofaktor Alkopops, Alkoholkonsum von Jugendlichen als Thema des Kinder- und Jugendschutzes (Bd. 19). Berlin, S. 36-40.

  • Lampert, C. (2003): Alkohol im Fernsehen - ständig präsent, aber selten Thema. In: Impulse! - Newsletter zur Gesundheitsförderung, Nr. 39, S. 7.

  • Aufenanger, S.; Große-Loheide, M.; Hasebrink, U.; Lampert, C. (2002) (Hrsg.): Alkohol - Fernsehen - Jugendliche. Programmanalyse und medienpädagogische Praxisprojekte. Berlin (Schriftenreihe der HAM, Bd. 21). Darin: Aufenanger, S.; Große-Loheide, M.; Hasebrink, U.; Lampert, C. (2002): Alkohol im Fernsehen und wie Jugendliche damit umgehen. Zusammenfassung eines Kooperationsprojekts und Schlussfolgerungen, S. 345-370; Lampert, C.; Hasebrink, U. (2002): Alkohol im Fernsehen - Ergebnisse einer Programmanalyse, S. 33-188; Schulz, W.; Korte, B. (2002): Rechtliche Rahmenbedingungen der Präsentation und Thematisierung von Alkohol im Fernsehen, S. 321-341.

Vorträge

  • "Alkohol im Fernsehen", Vortrag im Rahmen der Tagung "Werbung für Alkohol und Zigaretten - eine Gefahr für Kinder und Jugendliche" der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen am 8. November 2005 in Hannover.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Wolfgang Schulz

Hans-Bredow-Institut
Heimhuder Straße 21
20148 Hamburg

Tel. +49 (0)40 45 02 17 - 0
Fax +49 (0)40 45 02 17 - 77

E-Mail

Kooperationspartner

M. Große-Loheide, Prof. Dr. S. Aufenanger, B. Korte

Drittmittelgeber

Hamburgische Anstalt für neue Medien (HAM) und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit