Sounds like… Geschichte der Radio-Ästhetik (Broadcast Sound Design)

Radiosender haben einen „Sound“, sie treten mit einem bestimmten ästhetischen Erscheinungsbild auf, das wiederum von ihrem Publikum entsprechend wahrgenommen wird. In der seit den 1980er Jahren verstärkten Konkurrenz im so genannten „dualen System“ der bundesrepublikanischen Radiolandschaft spielen die Fragen der Anmutungen und der Erkennbarkeit eine entscheidende Rolle. Doch auch wenn ein solcher Kampf der Anbieter in zurückliegenden Perioden der Radiogeschichte eine weitaus geringere Rolle spielt, so bemühten sich schon früh die Programm-Macher, ihr Publikum zu erreichen – nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre sonische Performanz.

„Analyzing Radio Sound? Sure! But how?“ fragte Carin Åberg 1999 in ihrer Arbeit „The sounds of radio. On radio as an auditive means of communication“: Die von ihr mitentfachte Diskussion um methodischen Fragen wird mit dem neuen Projekt der Forschungsstelle aufgegriffen. Verschiedene Arbeitsprojekte stellten sich bereits den methodischen und quellenkritischen Fragen, die bei der Analyse von Broadcast Sound Design in einer historisch vergangenen Epoche beantwortet werden müssen.

Die Forschungsstelle hat speziell den Untersuchungszeitraum der 1960er Jahre gewählt; zum einen, weil diese Dekade in vielerlei Hinsicht als Periode des Wandels gilt; zum anderen, weil das Programm-Medium Radio in diesem Zeitraum einen grundsätzlichen Wandel vollzieht und seine Stellung als Leitmedium verliert.

Erkenntnisleitende Fragen sind unter anderem: Welche Sound-Ästhetiken wurden geschaffen, um für die jeweils anvisierten Hörerschaften attraktiv zu erscheinen? Welche Normen des sprachlichen und stimmlichen Ausdrucks bildeten die Basis für die Produktion und Nutzung von Unterhaltungs- und Kultursendungen, von Nachrichten- und Jugendprogrammen? Kurz: Wie veränderten sich die mediatisierten Stimmen der Radiomacher in der Bundesrepublik Deutschland im Kontakt mit ihrer Hörerschaft in den „Sixties“.

Die aktuell durchgeführten Vorstudien sind Teil eines geplanten größeren Forschungsprojektes zur Analyse von Radio-Ästhetiken in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ines Bose und Jun. Prof. Dr. Golo Föllmer (beide Universität Halle). Zur Methodendiskussion fanden 2011 bereits zwei Workshops mit Nachwuchswissenschaftler/innen in Berlin und in Halle statt.

Publikationen

  • Wagner, H.-U., Bayer, F. (2011): Aufklärung statt Bewältigung. Tondokumente zur Berichterstattung von Axel Eggebrecht über den ersten Auschwitz-Prozess. Audio-CD und Booklet. Frankfurt am Main: Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv.

  • Wagner, H.-U. (2011): Sounds like the Fifties. Zur Klangarchäologie der Stimme im westdeutschen Rundfunk der Nachkriegszeit. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 2 (2011): Politik und Kultur des Klangs im 20. Jahrhundert/Politics and Culture of Sound in the Twentieth Century, Materialien zum Thema. Online abrufbar unter: http://www.zeithistorische-forschungen.de/Portals/_zf/documents/pdf/2011-2/Wagner2005.pdf (= Online-Veröffentlichung des Aufsatzes in: Harro Segeberg und Frank Schätzlein (2005) (Hrsg.): Sound. Zur Technologie und Ästhetik des Akustischen in den Medien. Marburg: Schüren 2005 (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Medienwissenschaft; 12), 266-284.

Vorträge