Jugendschutzsoftware: Studie zeigt hohe Akzeptanz, aber Wissensdefizite auf Elternseite

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Eine zweimonatige Kurzstudie im Auftrag des BMFSFJ hat den Stand der Forschung zu Kenntnis, Akzeptanz und Nutzung von Jugendschutzsoftware in Elternhäusern erarbeitet. Dafür wurden die publizierten Ergebnisse von Studien identifiziert, gesichtet und systematisch aufbereitet, um – soweit möglich – folgende Fragen beantworten zu können: Wie viele Eltern kennen Möglichkeiten technischen Jugendschutzes und insbesondere die Möglichkeit der Installation nutzerautonomer Jugendschutzsoftware? Welche Informationen liegen über Akzeptanz für und Erwartung an technischen Jugendschutz vor?  Wie viele Eltern nutzen tatsächlich derartige Software? Welche Quellen nutzen Eltern, wenn sie sich über Möglichkeiten technischen Jugendschutzes im Netz informieren? Sind Wissenslücken erkennbar? Sind bestimmte Zielgruppen „unterversorgt“?

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Reihe "Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts" veröffentlicht.

  • S. Dreyer, D. Hajok, U. Hasebrink, C. Lampert: Jugendschutzsoftware im Elternhaus – Kenntnisse, Erwartungen und Nutzung. Stand der Forschung. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Januar 2012 (pdf-Datei)
  • Kurzfassung der Studie (pdf-Datei)

 

Kurzfassung der Studie „Jugendschutzsoftware im Elternhaus: Kenntnisse, Erwartungen und Nutzung. Stand der Forschung“

Hintergrund: Rolle und Bedeutung technischen Jugendschutzes

Die zunehmende Internet-Nutzung von Kindern und Jugendlichen stellt den Jugendmedienschutz vor neue Herausforderungen. Traditionelle Regelungsansätze, die darauf abzielen, durch direkte Alterskontrollen sicherzustellen, dass Kinder nicht mit für sie ungeeigneten Angeboten in Kontakt kommen, laufen im Internet weitgehend ins Leere. Daher kommt den Eltern hier eine besondere Verantwortung zu. Dies ist den Eltern auch bewusst: 94% bestätigen, dass vor allem sie selbst Verantwortung dafür tragen, Kinder vor ungeeigneten Internetinhalten zu schützen (forsa 2011). Eine Möglichkeit, die Eltern bei dieser Aufgabe zu unterstützen, liegt in technischen Instrumenten wie Schutz- oder Filtersoftware. Solche nutzerseitigen Schutzinstrumente sind in hohem Maße auf Kenntnis, Nutzung und Akzeptanz bei den Eltern angewiesen. Der Stand der Forschung in diesem Bereich sieht – zusammengefasst – wie folgt aus:

Internetnutzung

Die meisten Eltern von Kindern über 12 Jahren geben an, dass ihr Kind das Internet nutzt (12-14 Jahre: 90%; 15-17 Jahre: 93%). Bei jüngeren Kindern liegt dieser Anteil zwar niedriger (9-11 Jahre: 79%; 6-8 Jahre: 55%; 3-5 Jahre: 38%), die Zahlen zeigen aber, dass auch mehr als ein Drittel der Drei- bis Fünfjährigen das Internet nutzen (forsa 2011).

Kenntnis

Viele Eltern haben schon von Jugendschutzsoftware gehört (83%), aber keineswegs alle von ihnen wissen, was sich wirklich dahinter verbirgt, und verwechseln sie mit anderen Formen von Schutzsoftware, z.B. Antiviren- oder Spamschutzprogrammen. Väter berichten häufiger als Mütter, Kenntnis von Jugendschutzprogrammen zu haben, formal höher gebildete Eltern häufiger als niedriger gebildete (forsa 2011).

Akzeptanz

Fast alle Eltern halten es für wichtig, dass es Jugendschutzsoftware gibt (sehr wichtig: 73%; wichtig: 22%). Die meisten (93%) sind auch der Ansicht, dass Jugendschutzsoftware ein wichtiges Hilfsmittel für sie sein kann; für 75% der Eltern passen derartige Programme in das eigene Erziehungskonzept. Diese hohe Akzeptanz nimmt allerdings mit steigendem Alter der eigenen Kinder ab. Die Meinung, dass Jugendschutzsoftware die Kinder in ihrer Freiheit zu sehr einschränken würde, vertritt nur ein kleiner Teil der Eltern (7%). Er ist bei den Eltern mit niedriger formaler Bildung allerdings fast doppelt so hoch wie bei den höher gebildeten (Abitur/Studium: 6%; mittlere Reife: 4%; Hauptschule: 11%) (forsa 2011).

Nutzung

25% derjenigen, die von Jugendschutzsoftware schon gehört haben, d.h. rund 20 Prozent aller Eltern, setzen Jugendschutzsoftware zu Hause ein (forsa 2011). Die Nutzung steigt zunächst mit zunehmendem Alter an (3-5 Jahre: 14%; 6-8 Jahre: 23%; 9-11 Jahre: 33%), hat seinen Höhepunkt bei Kindern zwischen 12 und 14 Jahren (36%) und geht bei Jugendlichen dann wieder zurück (15-17 Jahre: 32%) (forsa 2011, Anm.: Prozentangaben beziehen sich auf die Gesamtheit der Eltern, die schon mal von Jugendschutzsoftware gehört haben). Diese Zahlen decken sich ungefähr mit den Ergebnissen aus anderen Untersuchungen (ZDF, KIM). Höher gebildete Elternteile setzen eher Filterprogramme ein als niedrig gebildete. Beachtenswert ist, dass Eltern in der Regel Auskunft darüber erteilen können, ob auf dem Internet-PC entsprechende Software installiert ist (nur ca. 5% können dazu keine Angabe machen). Die meisten wissen allerdings nicht, welches Programm sie konkret einsetzen. Im Vergleich zu anderen Ländern liegt Deutschland bei der häuslichen Nutzung von Jugendschutzsoftware im Mittelfeld: Eltern in Ländern wie Großbritannien und Irland setzen deutlich häufiger Filterlösungen ein, eine häufigere Nutzung ist auch bei den direkten Nachbarn in Frankreich, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden zu beobachten (EU Kids Online, FHNW-HSA).

Informationsverhalten

70% der Eltern geben an, bereits zu wissen, wo sie sich über Jugendschutzsoftware informieren können. Aber: Erst 58% haben schon einmal Informationen über entsprechende Software tatsächlich erhalten, die Hälfte davon (52%) eher durch Zufall, während 43% sich aktiv auf die Suche nach Informationen gemacht haben (forsa 2011). Die Hälfte aller Eltern (50%) wünscht sich mehr Informationen zu derartiger Software, hier vermehrt jüngere Eltern (unter 39-Jährige: 55%; 40- bis 49-Jährige: 48%; über 49-Jährige: 43%) und solche mit niedrigem formalen Bildungshintergrund (Abitur/Studium: 46%; mittlere Reife: 49%; Hauptschule: 57%). Niedriger gebildete Eltern wissen auch weniger, wo sie sich über Jugendschutzsoftware informieren können (Abitur/Studium: 74%; mittlere Reife: 74%; Hauptschule: 62%) (forsa 2011). Bei der Frage, wer außer den Herstellern Informationen über Jugendschutzsoftware bereitstellen sollte, schält sich ein „jeder“ heraus. Eltern priorisieren hier nicht zwischen Kindergarten und Schule (79%), Internetanbietern (77%), Beratungsstellen (76%), Behörden (73%) und Medien (72%). Allerdings sehen die Mütter deutlich mehr als Väter die erziehungsnahen Institutionen in der Pflicht (forsa 2011).