„auffinden|auffindbar machen|auffindbar sein: Informative Inhalte in digitalen Medien“

Veranstaltungsnachlese zum 4. Hamburger Mediensymposion des Hans-Bredow-Instituts, der MA HSH und der Handelskammer Hamburg am 12. Juni 2013

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In der „Digitalen Gesellschaft“ mit all ihren Kommunikationsplattformen ist es entscheidend für ein Informationsangebot, ob und wie es auffindbar ist. Diesem Thema widmete sich am 12. Juni 2013 das 4. Hamburger Mediensymposium unter dem Titel „auffinden|auffindbar machen|auffindbar sein: Informative Inhalte in digitalen Medien“ des Hans-Bredow-Instituts, der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) und der Handelskammer Hamburg, zu dem rund 300 Experten aus ganz Deutschland in den Räumen der Handelskammer zusammenkamen.

Zu Beginn des Vormittags stellten Uwe Hasebrink und Sascha Hölig in Teil I „auffinden“ eine neue Studie des Hans-Bredow-Instituts zum Informationsverhalten der Bevölkerung (Reuters Institute Digital News Survey) vor (ppt-Präsentation als pdf): Ein Großteil der deutschen Bevölkerung mit Internetzugang nutzt danach mindestens einmal pro Tag Nachrichten (85 Prozent), um sich über aktuelle Ereignisse zu informieren. Neben nationalen und internationalen Nachrichten sind für die Deutschen Informationen über die eigene Region besonders wichtig – in keinem anderen Land ist das Interesse an regionalen Nachrichten so stark ausgeprägt. Das Fernsehen dominiert bei den älteren Altersgruppen und das Internet bei den Jüngeren, wobei auch mehr als zwei Drittel der jüngsten Altersgruppe das Fernsehen nutzen und in der ältesten fast 60 Prozent das Internet. „Klassische Rundfunk- und Print-Anbieter befinden sich mit Off- und Online-Angeboten im Nachrichten-Repertoire nahezu der gesamten Bevölkerung mit Internetzugang. Eine Nachrichtennutzung ausschließlich über Online-Anbieter ist verschwindend gering“, erläuterte Hasebrink. Die Stellung der klassischen Medien als Informationsquelle (jedenfalls im Hinblick auf Nachrichteninhalte) ist damit weiterhin stark.

In Teil II wurde dann unter dem Stichwort „auffindbar machen“ aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht beleuchtet, über welche Wege und Dienste und mit Hilfe welcher Strategien die Anbieter dafür sorgen, dass ihre Inhalte auffindbar werden. Bisher waren es Programmzeitschriften oder Elektronische Programmführer, die als Meta-Medien den Nutzern Orientierung bei der Informationsbeschaffung geboten und einzelnen Angeboten darüber Relevanz zugeschrieben haben. Heute ist es zunehmend auch das eigene Umfeld, das über Soziale Medien auf interessante Angebote aufmerksam macht. Auf die Frage, wie Anbieter damit umgehen, erläuterten Gerald Neumüller (SevenOne Media) (Präsentation als pdf) und Kai Biermann (ZEIT Online) (Präsentation) ihre jeweiligen Strategien. Marco Lünich (Graduate School of Communication der Universiteit van Amsterdam) erklärte unter dem Stichwort Social Navigation, welche neuen Orientierungsmuster bei der Mediennutzung im Internet entstehen (ppt-Präsentation als pdf).

Mit einer Keynote eröffnete Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, den Nachmittag und damit Teil III „auffindbar sein“: „Wenn künftig alles im Netz zusammenfließt und dabei jeder seine Regulierungserfahrung im Rucksack hat, dann brauchen wir Spielregeln, was gilt. Die Länder müssen sich darum kümmern, dass die Chancen des Netzes für gelingende gesellschaftliche Kommunikation den Rahmen bekommen, den sie brauchen.“ Die materielle Kernfrage der Medienpolitik in den nächsten Jahren werde sein, wie wir die orientierenden und einordnenden journalistischen Angebote auch weiterhin auffindbar machen könnten. Und wie wir dabei auch die Freiheit und die Informiertheit der Nutzerinnen und Nutzer weiter fördern könnten, erklärte Scholz.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags wurde die medienpolitische und regulatorische Perspektive näher ausgeführt. Prof. Dr. Hans-Heinrich Trute und Prof. Dr. Tobias Gostomzyk (ppt-Präsentation als pdf) kamen in ihren Vorträgen zum verfassungsrechtlichen Rahmen bzw. zum Stand und Entwicklungsperspektiven der Plattformregulierung übereinstimmend zu dem Urteil, dass das Verfassungs- und das einfache Recht vor Herausforderungen stehe und die medienpolitische und rechtswisenschaftliche Diskussion noch keine kohärenten Regulierungmodelle hervorgebracht hätten. Informationstheoretische Ansätze könnten hilfreich sein für die Entwicklung von Regulierungsansätzen (wann dient welche Information welchem Informationsinteresse - oder anders: An welchen Punkten ist die Relevanz einer Information für die öffentliche und individuelle Meinungsbildung auszumachen?).

Abschließend diskutierten Dr. Tobias Schmid (RTL / VPRT), Heidi Schmidt (ARD Online / SWR) und Dr. Carsten Brosda (Amt Medien Senatskanzlei FHH Hamburg) in einem Trialog das Thema „Auffindbar sein als medienpolitische Herausforderung“.

„Ein adäquater Regulierungsrahmen wird nur in Zusammenarbeit von Bund und Ländern gelingen. Wichtig ist, dass die Regulierung auf tatsächliche, identifizierbare Probleme reagiert und nicht etwa in einen ideologischen Paradigmenstreit zwischen Telekommunikations-, Netz- und Medienpolitik gerät. Hier kann empirische Forschung eine wichtige Rolle spielen“, fasste Prof. Dr. Wolfgang Schulz in seinem Résümee zusammen.

Die Veranstaltung fand ein anregendes Ende auf der Dachterasse der Handelskammer in der “Auffind-Bar” (Dank für dieses Wortspiel an @uniwave - https://twitter.com/uniwave/status/344786083835416576!).