Neues Projekt: Analyse von Broadcast Sound Design in den 60er Jahren

"Sounds like… Geschichte der Radio-Ästhetik", heißt ein neues Projekt der Forschungstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland, das sich mit Radio Sound Design in einer historischen Epoche befasst. Radiosender haben einen „Sound“, sie treten mit einem bestimmten ästhetischen Erscheinungsbild auf, das wiederum von ihrem Publikum entsprechend wahrgenommen wird. In der Konkurrenz im sog. „dualen System“ der bundesrepublikanischen Radiolandschaft spielen die Fragen der Anmutungen und der Erkennbarkeit eine entscheidende Rolle. Doch auch wenn es diesen Kampf der Anbieter in zurückliegenden Perioden der Radiogeschichte noch nicht gab, so bemühten sich schon früh die Programm-Macher, ihr Publikum zu erreichen – nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre sonische Performanz.
„Analyzing Radio Sound? Sure! But how?“ fragte Carin Åberg 1999 in ihrer Arbeit „The sounds of radio. On radio as an auditive means of communication“: Die von ihr mitentfachte Diskussion um methodischen Fragen wird mit dem neuen Projekt der Forschungsstelle aufgegriffen. Verschiedene Arbeitsprojekte stellten sich bereits den methodischen und quellenkritischen Fragen, die bei der Analyse von Broadcast Sound Design in einer historisch vergangenen Epoche beantwortet werden müssen.
Die Forschungsstelle hat speziell den Untersuchungszeitraum der 1960er Jahre gewählt; zum einen, weil diese Dekade in vielerlei Hinsicht als Periode des Wandels gilt; zum anderen, weil das Programm-Medium Radio in diesem Zeitraum einen grundsätzlichen Wandel vollzieht und seine Stellung als Leitmedium verliert.
Erkenntnisleitende Fragen sind unter anderem: Welche Sound-Ästhetiken wurden geschaffen, um für die jeweils anvisierten Hörerschaften attraktiv zu erscheinen? Welche Normen des sprachlichen und stimmlichen Ausdrucks bildeten die Basis für die Produktion und Nutzung von Unterhaltungs- und Kultursendungen, von Nachrichten- und Jugendprogrammen? Kurz: Wie veränderten sich die mediatisierten Stimmen der Radiomacher in der Bundesrepublik Deutschland im Kontakt mit ihrer Hörerschaft in den „Sixties“.
Die aktuell durchgeführten Vorstudien sind Teil eines geplanten größeren Forschungsprojektes zur Analyse von Radio-Ästhetiken in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ines Bose und Jun. Prof. Dr. Golo Föllmer (beide Universität Halle). Zur Methodendiskussion fanden 2011 bereits zwei Workshops mit Nachwuchswissenschaftler/innen in Berlin und in Halle statt.